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Strichjungen, Künstler, Juristen

Eine schwule Liebesgeschichte in Zeiten des Verbots

In seinem neuen Buch "Jeder mordet, was er liebt" erzählt Alfred Pfabigan die Liebesgeschichte zwischen dem Schriftsteller Oscar Wilde und Lord Alfred Douglas.


Oscar Wilde (l.) mit seinem Liebhaber Lord Alfred Douglas im Jahre 1894
  • 23. März 2025, 06:27h 2 Min.

Oscar Wilde, einst gefeierter Star der Londoner Gesellschaft, verstarb am 30. November 1900 im Alter von 46 Jahren in einem schäbigen Pariser Hotel. Verarmt und gesundheitlich angeschlagen endete das Leben des Schriftstellers, dessen Werk und Persönlichkeit noch wenige Jahre zuvor die viktorianische High Society fasziniert hatten. Mit seinem scharfsinnigen Erzähltalent und dem viel diskutierten Roman Das Bildnis des Dorian Gray hatte Wilde einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Doch ein Gerichtsurteil von 1895 wegen "grober Unzucht" führte zu einer zweijährigen Haftstrafe mit Zwangsarbeit – und markierte den Beginn seines tragischen Falls.

Die sexualpolitische Dimension des Skandals


"Jeder mordet, was er liebt" ist im Promedia Verlag erschienen

In der Literatur wird Wildes Liebhaber, Lord Alfred Douglas, oft als zentrale Figur seines Untergangs dargestellt. Diese Sichtweise beruht vor allem auf "De Profundis", einem im Gefängnis verfassten Brief Wildes, in dem er Douglas beschuldigt, ihn finanziell und moralisch zugrunde gerichtet zu haben. Das Werk gilt heute als eines der bedeutendsten Zeugnisse literarischer Selbstreflexion und dokumentiert zugleich die sozialen und persönlichen Spannungen der Beziehung.

Alfred Pfabigan beleuchtet in seinem Buch bislang wenig beachtete Facetten dieses Skandals und rückt die sexualpolitische Dimension in den Fokus. Wilde und Douglas durchbrachen mit ihrem auffälligen Auftreten die viktorianischen Tabus von Diskretion und Schweigen und machten ihre Beziehung sichtbar. Auch die Entwicklung von Douglas nach Wildes Tod zeigt interessante Nuancen: Seine Ehe mit der Dichterin Olive Custance, deren Experimente mit Geschlechterrollen eine Vorahnung späterer queerer Bewegungen darstellen, eröffnet weitere Perspektiven auf die Zeit und ihre Akteure.

"Jeder mordet, was er liebt" zeichnet ein lebendiges Bild der viktorianischen Gesellschaft, das über literarische Kreise hinausreicht. Neben Autoren und Künstlern tauchen Strichjungen, Detektive und Juristen auf, die sich auf die Verfolgung oder Verteidigung Homo­sexueller spezialisiert hatten – ein Kaleidoskop, das die vielschichtigen Dynamiken jener Epoche eindrucksvoll aufzeigt. Das Buch ist jetzt im Wiener Promedia Verlag als 248 Seiten starkes Taschenbuch für 23 Euro sowie als E-Book für 18,99 Euro (Amazon-Affiliate-Link ) erschienen.


Autor Alfred Pfabigan

Alfred Pfabigan, geboren 1947 in Wien, lehrte Philosophie und Politikwissenschaft an Universitäten in Salzburg, Lancaster (USA) und Czernowitz. Von 1993 bis 2013 war er Professor am Philosophischen Institut der Universität Wien. Heute leitet er die "Philosophische Praxis Märzstraße" und hat zahlreiche Werke veröffentlicht, zuletzt Kaiser, Kleider, Kind. Essay (2019) und Philosophie hilft (2021). (dd/pm)

Infos zum Buch

Alfred Pfabigan: Jeder mordet, was er liebt: Oscar Wilde und Alfred Douglas. Eine Liebesgeschichte in Zeiten des Verbotes. Sachbuch. 240 Seiten. Promedia Verlag. Wien 2025. Taschenbuch: 23 € (ISBN 978-3-85371-544-4). E-Book: 18,99 €

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