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"Unholy"-Countdown, Folge 5

Der Heilige der Woche: Emil Engels

Am 15. April kommt mit dem Coffee-Table-Book "Unholy" die erste "fast vollständige Hagiographie der schwulen Heiligen" heraus. In unserer exklusiven Preview-Serie der ikonischen Bilder von F. G. Borghi und göttlichen Texte von Björn Koll schwingen wir uns diesmal mit einem gewissen Karl und dem Heiligen Emil aufs Fahrrad.


Bild: F. G. Borghi

  • Von Björn Koll
    23. März 2025, 08:09h 3 Min.

Emil Engels (* 16. April 1818 in Trier, † 30. Oktober 1864 bei Eckernförde) war ein Jugendfreund von Karl Marx. Er wuchs, anders als Karl, in ärmlichen Verhältnissen auf. Immerhin hatte er das Glück, nicht ab seinem vierten Lebensjahr bis zu 18 Stunden am Tag arbeiten zu müssen, sondern bis zu seinem 12. Lebensjahr zur Schule gehen zu können. Danach fand er eine Lehrstelle bei einem freundlichen jüdischen Fahrradmechaniker. So war Emil ein fröhlicher, aufgeweckter und sehr aktiver junger Mann. Er lernte den gleichaltrigen Karl im Stadtpark von Trier kennen und führte bis 1835 eine Beziehung mit ihm.

In dieser Zeit schrieb Karl auch das verschollene Frühwerk Der Sex, in dem er alles, was er mit Emil gelernt hatte, zu seinen wesentlichen Thesen verarbeitete: "Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen"; "Das Sein bestimmt das Bewusstsein"; "Ihre Hosentaschen zu öffnen, keine Fragen zu stellen und an die allgemeine Tugend der Menschheit zu glauben — das dient ihren Absichten am allerbesten"; "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen"; "Homosexuelle aller Länder vereinigt euch " und so weiter.

Die Beziehung von Emil und Karl musste scheitern, denn Emil wollte sich mit einer guten Idee selbstständig machen (es ging darum, Fahrräder mittels Gummireifen bequemer zu machen), aber Karl verweigerte ihm das bisschen benötigte Startkapital, weil er meinte, dass ein Proletarier aus systemimmanenten Gründen auch ein Proletarier bleiben müsse und keinesfalls Kapitalist werden könne. Zudem wollte Karl selbst Karriere machen, wurde ein bisschen dick und ließ sich einen scheußlichen Bart stehen. Er heiratete dann Jenny von Westphalen.

Dennoch steht fest, dass Karl alles, was er über das Leben wusste, aus den Erfahrungen der Beziehung mit Emil schöpfte, was er diesem aber nie dankte. Noch kurz vor Ende des Deutsch-Dänischen Kriegs wurde Emil eingezogen und bei Eckernförde von einer verirrten Kugel getroffen. Karl wurde dann ein typischer Bestsellerautor, der seine Werke nach einem einzigen Grundsatz verfasste: "Ich dehne diesen Band aus, da die deutschen Hunde den Wert der Bücher nach dem Kubikinhalt schätzen." Alles, was er durch Emil gelernt hatte, wurde also wieder und wieder ausgewalzt. Es gibt Gerüchte, dass ein Exemplar von Der Sex noch in Moskauer Archiven lagert. Es bleibt also spannend.

Ungeachtet der Tatsache, dass Karl ihn daran hinderte, die Idee mit den Gummireifen umzusetzen, hilft Emil interessanterweise bis heute allen Fahrradfahrern. Zusammen mit Karl feiert er seinen Geburts- und Ehrentag am 16. April.

Der Text ist ein Vorabdruck aus dem neuen Buch "Unholy" von F.G. Borghi (Illustrationen) und Björn Koll (Text), das am 15. April 2025 bei Salzgeber erscheint. In der Vorbemerkung heißt es: "Was Sie in diesem Buch lesen, gehört in die Kategorie Historische Fiktion, einige würden vielleicht auch von Historischem Blödsinn sprechen. Will sagen: Keiner der hier beschriebenen Heiligen hat je gelebt und nichts von dem, was über sie behauptet wird, stimmt." Jetzt vorbestellen im Salzgeber.Shop.

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