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Serientipp

Mysteriöser Mord im Heim des schwulen US-Präsidenten

In der vergnüglichen Netflix-Kriminalkomödie "The Residence" ermittelt eine exzentrische, aber brillante Detektivin nach einem Todesfall im Weißen Haus. Verdächtig sind so ziemlich alle, selbst der Ehemann des Präsidenten.


Eingesperrt im Weißen Haus: US-Präsident Perry Morgan (Paul Fitzgerald, 3.v.l.), sein Ehemann Elliot (Barrett Foa, 2.v.l.), Chefköchin Marvella (Mary Wiseman) und der Direktor der United States Park Police Irv Samuelson (Andrew Friedman) (Bild: Jessica Brooks / Netflix)

Vermutlich geht es aktuell auch im real existierenden Weißen Haus recht wild zu und her. Aber vielleicht doch nicht ganz so wild wie in der neuen Netflix-Serie der queerfreundlichen Erfolgsproduzentin Shonda Rhimes. In "The Residence" wird mitten während einer Abendgala für den australischen Premierminister ein Toter gefunden. Und nicht irgendeiner. Chief Usher A.B. Wynter (Giancarlo Esposito) ist sowas wie der Generalmanager des Weißen Hauses, bei dem alle organisatorischen Fäden zusammenlaufen, wenn es um das Gebäude als Wohn- und Veranstaltungsort geht.

Die lokale Polizei bietet sofort die brillante Detektivin Cordelia Cupp (Uzo Adubo) auf, die rasch mit sämtlichen Vermutungen eines Suizids aufräumt und Präsident Perry Morgan (Paul Fitzgerald) davon überzeugt, umgehend das Weiße Haus abzuriegeln – samt den Gala-Gästen, die dort nun für die Nacht festsitzen. Darunter Kylie Minogue, die sich selbst spielt, und Hugh Jackman, der als Running Gag regelmäßig erwähnt, aber nur ab und zu kurz von hinten gezeigt wird.

In der Tradition von Miss Marple

Die passionierte Vogelbeobachterin Cordelia Cupp hat einen eher ungewöhnlichen Ermittlungsstil, verfügt jedoch in der Tradition von Miss Marple oder Sherlock Holmes über geradezu übersinnliche Beobachtungs- und Kombinationsgabe. Ihr Partner Edwin Park (Randall Park), ein FBI-Agent, der ihr zur Unterstützung beigestellt wird und zunächst ziemlich skeptisch ist, verfolgt all dies mit zunehmendem Respekt. Folge für Folge erfahren wir mehr über das vielfältige Beziehungsgeflecht im Weißen Haus, und die Zahl der Verdächtigen wächst und wächst.


Cordelia Cupp (Uzo Adubo, l.) verhört auch Kylie Minogue, die sich selbst spielt (Bild: Jessica Brooks / Netflix)

Zu ihnen gehört auch die ungewöhnliche Familie des Präsidenten selbst: von seinem nichtsnutzigen Bruder Tripp (Jason Lee), der ebenso in der Residenz wohnt wie seine trinkfreudige Schwiegermutter Nan Cox (Jane Curtin), bis hin zu seinem Ehemann Elliott (Barrett Foa) hatten alle auf die eine oder andere Weise ihre Differenzen mit dem Chief Usher.

Der erste schwule US-Präsident

Der Präsident der Vereinigten Staaten kam schon in zahllosen Filmen und Serien vor – es gibt dazu eine eigene, sehr lange Wikipedia-Seite. In der fiktionalen Welt gab es selbstverständlich auch schon zahlreiche Präsidentinnen und unterschiedliche ethnische Hintergründe. Aber ein schwuler Präsident, der mit seinem First Husband im Weißen Haus wohnt wie in "The Residence", ist wohl eine Premiere. Und angesichts des aggressiv queer- und diversitätsfeindlichen US-Präsidenten, der aktuell im realen Weißen Haus residiert, ein schöner Kontrast, der einen immerhin von besseren Zeiten träumen lässt.

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Präsident Morgan und sein Mann spielen in der Serie allerdings nur Nebenrollen, und wir erfahren weder, wie sie es ins Weiße Haus geschafft haben noch mit welcher Art Politik sich Perry Morgan profiliert. Aber beide Darsteller sind selbst queer und ziemlich stolz darauf, dieses quasi letzte Tabu der fiktionalen Präsidentschaftsdarstellung gebrochen zu haben. "Es ist schön, sich vorzustellen, in einer Welt zu leben, die den Streit über Identitätspolitik hinter sich gelassen hat", erklärte Paul Fitzgerald in einem Interview. "Fernsehen hilft den Menschen, sich eine Zukunft vorzustellen, auf die sie sonst nie gekommen wären. Es würde mich sehr stolz machen, wenn sowas irgendwann auch im richtigen Leben möglich würde."

Träumen darf man ja

Und wer weiß: Gut möglich, dass der schwule ehemalige Verkehrsminister Pete Buttigieg seinen Hut 2028 in den Ring für die Präsidentschaftsnomination der Demokraten wirft. Zudem könnte das Wechselbedürfnis der erschöpften US-Bevölkerung nach vier Jahren Trump-Chaos so groß sein, dass plötzlich Dinge möglich werden, mit denen man vielleicht nicht gerechnet hätte. Träumen darf man ja.

Bis dahin müssen wir uns mit der Fiktion begnügen. Immerhin können wir uns darauf verlassen, dass die unverwüstliche Cordelia Cupp den oder die Schuldige schon findet – und wenigstens in diesem Weißen Haus bald wieder Ruhe und Ordnung einkehren wird.

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