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"Unholy"-Countdown, Folge 7

Der Heilige der Woche: Manius Postumus

Am 15. April kommt mit dem Coffee-Table-Book "Unholy" die erste "fast vollständige Hagiographie der schwulen Heiligen" heraus. In unserem heutigen Preview frönen wir mit dem Heiligen Manius Postumus der sexuellen Buchführung.


Bild: F. G. Borghi

  • Von Björn Koll
    6. April 2025, 04:10h 2 Min.

Manius Postumus (* 503 in Gerasa; † 551 Berytus) wurde von seinen wohlhabenden Eltern zum Jurastudium nach Berytus (heute Beirut) geschickt. Was anfänglich nur eine Verlegenheitslösung war — man ging davon aus, dass Manius wie der Vater Makler werden würde -, entwickelte sich bei dem jungen Mann zu einer Leidenschaft. Er hatte an der Rechtsschule von Berytus (übrigens neben Konstantinopel und Rom die einzige offiziell anerkannte juristische Lehranstalt im Römischen Reich) sein Coming-out, organisierte die dortige Schwulengruppe und zog nach dem Studium mit viel Enthusiasmus in die Kämpfe für eine bessere Welt.

Dazu gehörte auch, dass Manius schon als junger Mann für Kaiser Justinian die sogenannten Pandekten erstellte, eine Sammlung von Schriften der römischen Rechtswissenschaft, deren Lehren teilweise noch heute die Grundlage vieler Rechtssysteme in Europa und Lateinamerika bilden. Die Pandekten unterschieden zwischen Schuld-, Sach-, Familien- und Erbrecht.

Manius entwickelte dieses Ordnungssystem auf Basis von Erfahrungen, die er im privaten Bereich machte: Jahrelang hatte er Buch geführt, mit welchem Mann er wann und wo das erste oder weitere Mal welche Art von Sex gehabt hatte. Die Fülle an Informationen bedurfte einer sensiblen Analyse und einer speziellen Sortierung, zumal sie aufgrund von Manius' Vorbildfunktion in der Schwulengruppe von anderen Männern in Berytus adaptiert wurde. Alle fingen an zu zählen und zu sortieren, und man traf sich regelmäßig, um die Ergebnisse abzugleichen, was später weltweit Schule machte.

Der ganze Spaß endete 551 mit einem Erdbeben, infolgedessen Berytus durch eine Flutwelle zerstört wurde, in der auch Manius zu Tode kam. Das römische Recht wäre ohne Manius Postumus, beziehungsweise seine Pandekten, zweifelsohne verlorengegangen, und sicher nicht so hübsch sortiert worden. Dafür sind ihm noch heute viele Menschen dankbar, zumindest in Ländern, in denen kein religiöses Recht gilt.

Der heilige Manius Postumus ist der Schutzheilige der Juristen und wird am 15. Mai gefeiert.

Der Text ist ein Vorabdruck aus dem neuen Buch "Unholy" von F.G. Borghi (Illustrationen) und Björn Koll (Text), das am 15. April 2025 bei Salzgeber erscheint. In der Vorbemerkung heißt es: "Was Sie in diesem Buch lesen, gehört in die Kategorie Historische Fiktion, einige würden vielleicht auch von Historischem Blödsinn sprechen. Will sagen: Keiner der hier beschriebenen Heiligen hat je gelebt und nichts von dem, was über sie behauptet wird, stimmt." Jetzt vorbestellen im Salzgeber.Shop.

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