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London
Queer Britain – Ein Museum von und für die Community
Seit 2022 gibt es in der Nähe des Bahnhofs King's Cross in London das Museum Queer Britain. Eine aktuelle Sonderausstellung ist Jimmy Somerville und seiner Band Bronski Beat gewidmet.
- Von Aaron Warnecke
8. April 2025, 05:49h 4 Min.
Unweit des Ufers eines alten Londoner Kanals steht ein großes Backsteinhaus, das neben den vielen Neubauten hier im lange vernachlässigten ehemaligen Industriegebiet nahe des bekannten Bahnhofs King's Cross doch eher klein aussieht. Es muss sich aber hier am Rande von Camden am Granary Square nicht verstecken. Denn es ist die erste physische Heimat des Museums Queer Britain – und das seit 2022. Der Eröffnungstag 5. Mai 2022 war auch kein zufällig gewähltes Datum – 50 Jahre zuvor hatte der erste Gay Pride March in London stattgefunden.
Die geplante Vielschichtigkeit des Museums zeigte sich damals schon durch die wärmenden Worte Lisa Powers aus dem Kuratorium: "Ich bin wirklich aufgeregt, dass Queer Britain endlich einen Platz hat, um zu zeigen, was wir machen können und das wir für die Community da sind, seien es alte lesbische feministisches Schlachtrösser wie ich oder junge queere Leute aller Gender und Ethnien. Queer Britain zielt darauf ab, die vielen und diversen Geschichten zu erzählen und jetzt haben wir eine Heimstatt, das zu machen."
Bereits über 100.000 Besucher*innen
Als erstes und einziges LGBTI-Museum Großbritanniens wollen die Organisator*innen also die Geschichten aller queerer Menschen inklusiv darstellen, um die Community zum Feiern ihrer selbst, aber auch zu Aufklärung, was queere Kultur und Leben bedeuten, zu inspirieren.
Über 100.000 Besucher*innen gab es seit 2022, was wohl eine Erfolgsgeschichte bedeutet. Schließlich gibt es das Museum immer noch – obwohl es keine staatlichen Fördergelder bekommt. Stattdessen setzt man auf ein Modell aus Mitgliedschaft, Spenden, Verkauf im Museum und kommerziellen Sponsor*innen. Eintrittskosten gibt es nicht.
Seit dem 31. März 2025 gehören auch Elton John und sein Ehemann David Furnish zu den Unterstützer*innen des Museums. Zum Anbeginn ihrer Schirmherrschaft verlautbarten sie: "Viel von Großbritanniens LGBTQ+-Geschichte ist ungesehen und ungehört oder wurde sogar aktiv versteckt. Es ist wunderschön jetzt ein britisches Museum zu haben, dass bestimmt ist, LGBTQ+-Geschichte zu präservieren und zurückzugewinnen und dabei zukünftige Generationen auch inspirieren will. Es ist ein Museum für alle, um zu lernen, zu verstehen und für sich zu entdecken, was es bedeuten kann, heutzutage LGBTQ+ zu sein. Wir sind beide hocherfreut, Queer Britain als Schirmherren zu unterstützen."
Gegründet von Joseph Galliano-Doig und Ian Mehrtens
Queer Britain wurde, noch bevor das Museum in das Gebäude am Granary Square einzog, 2018 von Joseph Galliano-Doig, einem früheren Herausgeber des Magazins "Gay Times", und Ian Mehrtens gegründet. Dabei lag das frühere Engagement vor allem darin, Ausstellungen in anderen Räumen zu organisieren und damit den Namen Queer Britain bekannter zu machen. Zu den Highlights gehörte eine Pop-Up-Ausstellung im London's Convent Garden zu queerem Familienleben. Während der Pandemie gab es dann viele digitale Onlineaktionen. Viele Kooperationen mit Levi's und anderen Partner*innen folgten.
2024 trat Joseph Galliano-Doig von seiner Position als Museumsdirektor zurück. Der erfahrene ehemalige Entwicklungsdirektor der English National Opera Andrew Given übernimmt. 2025 sagte er zu seiner neuen Rolle, dass er sich immer inspiriert fühle, wenn er in den Galerien sieht, wie viel Aktivismus es gab und wie viel Veränderung die Community für sich gewonnen habe: "Aber es gibt noch viele zu erzählende Geschichten. Deswegen bin ich sehr begeistert, ein spannendes Programm an Ausstellungen ankündigen zu können und sicherzustellen, dass Queer Britain weiterhin ein lebhafter Raum für alle LGBTQ+-Stories ist."
Aktuelle Ausstellung würdigt Jimmy Somerville

Foto aus der aktuellen Ausstellung "Jimmy Somerville and Bronski Beat" (Bild: Queer Britain)
Noch bis zum 25. Mai gibt es eine Ausstellung zu Jimmy Somerville und seiner ersten Band Bronski Beat, da ihr Album "Age of Consent" 40. Jubiläum feiert. Vom 4. Juni bis zum 31. August kann man eine Ausstellung zu "20 Years of UK Black Pride" besuchen – am 10. August findet der diesjährige UK Black Pride im Queen Elizabeth Olympic Park statt.
Zwischen dem 11. und 15. Juni wird es eine Quilt-Ausstellung zum 80. Geburtstag von Terry Higgins, einem der ersten britischen Opfer der Aids-Epidemie, geben, auf der in seinem Andenken durch acht Bilder gedacht wird. Vom 10. September bis zum 23. November folgt dann eine Ausstellung zur Geschichte Claye Bowlers – und der zehnjährigen Odyssee durch das britische Medizinwesen bis zum geschlechtsangleichenden Eingriff. Ansonsten gibt es wie immer die Dauerausstellungen zu sehen.
Links zum Thema:
» Homepage von Queer Britain
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de

















