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Schwule Sitcom

"Mid-Century Modern": Ein großer Spaß mit ernsten Zwischentönen

Die zahlreichen queeren Fans der 1980er-Jahre-Sitcom "Golden Girls" dürfen sich freuen: "Mid-Century Modern" funktioniert nach dem gleichen Prinzip – nur dass diese Alters-WG voller schwuler Männer ist.


Jetzt auf Disney+ (v.l.): Jerry (Matt Bomer), Bunny (Nathan Lane) und Athur (Nathan Lee Graham) gründen eine schwule Wohngemeinschaft in Palm Springs. Mehr Bilder zeigen wir in der unten verlinkten Galerie (Bild: Disney+)

Was haben Büstenhalter, Mormonen und Fire Island gemeinsam? Na? Ganz einfach: Sie spielen alle eine nicht unwesentliche Rolle in der neuen schwulen Sitcom "Mid-Century Modern". In deren Zentrum steht eine etwas ungewöhnliche Alters-WG im kalifornischen Palm Springs bestehend aus dem Büstenhalter-Unternehmer Bunny Schneiderman (Nathan Lane, 68), seiner Mutter Sybil (Linda Levin, 87, kürzlich verstorben) und seinen zwei besten Freunden, dem abgehalfterten Modejournalisten Arthur Broussard (Nathan Lee Graham, 56) und dem Flight Attendant und Ex-Mormonen Jerry Frank (Matt Bomer, 47).

Wie einst bei den "Golden Girls" sind alle vier durch freundschaftliche oder familiäre Bande eng verbunden, haben jedoch diverse Marotten, die im Alltag immer wieder für Reibereien und beim TV-Publikum für viel Vergnügen sorgen. Dass die drei Männer alle schwul sind, eröffnet natürlich ein weites Feld zusätzlicher Comedy, mit der auch die bereits damals sehr queerfreundlichen "Golden Girls" nicht mithalten können.

Liegestützen statt Staubsaugen


Poster zu Serie: Die zehn Folgen von "Mid-Century Modern" können ab 18. April 2025 auf Disney+ gestreamt werden

Lane gibt dabei wie einst in "The Birdcage" (1996) höchst überzeugend die Drama-Queen, Bomer den nicht allzu intelligenten Schönling, Graham sorgt für den nötigen schneidenden Sarkasmus, derweil Levin als schrullige Übermutter die Gruppe gerne mehr oder weniger milde piesackt, insbesondere ihren Sohn.

So schaut sie den drei Herren zum Beispiel eine Weile interessiert und amüsiert bei ihrem Auswahlprozess für eine neue Putzhilfe zu, bei dem am Ende ein sehr gut gebauter junger Mann das Rennen macht. Seine Haushaltskompetenzen demonstriert er bei der Bewerbung schon mal mit einer Runde Liegestützen, an denen sich Bunny, Arthur und Jerry kaum sattsehen können. Da er aber, einmal angestellt, kaum putzt, sondern stattdessen jedem der drei Männer den Kopf verdreht, wirft Sybil ihn schließlich raus und ersetzt ihn durch eine kompetente Frau.

Neben vielen solcher amüsanten, leichten Themen, kommen aber auch ernstere zur Sprache, mit denen Schwule in ihrem Leben so konfrontiert werden können. Dazu gehören Schulsport-Traumata, die aktuelle politische Polarisierung, natürlich das Altern, aber auch, dass es nicht für alle gleich leicht ist, One-Night-Stands oder Beziehungen zu finden. Wer nicht ganz so gut aussieht, hat es schwerer – so war Bunny etwa sein ganzes Leben lang Single, derweil Jerry sich vor potenziellen Bettpartnern kaum retten kann.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur Sitcom
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Scheuer Kontaktversuch zur Mormonen-Tochter

Dafür leidet Jerry als Ex-Mormone noch immer unter den Nachwehen jener Zeit in der queer­feindlichen Glaubensgemeinschaft. So musste er praktisch jeglichen Kontakt zu seiner Familie abbrechen, sogar zu seiner Tochter – bis er ihr zufälligerweise auf einem Flug begegnet und einen scheuen Kontaktversuch wagt. Und dann ist da auch die Episode, die fast ganz auf Fire Island spielt, jener legendären Insel vor der Küste Long Islands, die bereits in den 1950er Jahren ein queeres Paradies war. Bunny, Arthur und Jerry verbringen wieder mal ein Wochenende dort, zum Spaß, um von alten Zeiten zu schwärmen – und idealerweise ein kleines Abenteuer zu erleben.

Bevor Bunny und Arthur zweimal Luft holen können, wird Jerry in ihrer alten Stammbar bereits von einem anderen attraktiven Typen abgeschleppt. Dieser entpuppt sich dann allerdings rasch als Mormone, der kurz vor der Hochzeit mit einer Frau noch ein letztes Mal Spaß haben will. Doch das geplante Sex-Date entwickelt sich stattdessen zu einem einfühlsamen Gespräch zwischen zwei schwulen Männern, die ein ganz unterschiedliches Verhältnis zu Glauben und Queerness haben.

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Ein wenig aus der Zeit gefallen

Und so ist "Mid-Century Modern" ein großer Spaß, ohne dabei allzu seicht und belanglos zu werden. Zudem sind die Darsteller*innen sichtlich vergnügt bei der Sache. Allerdings merkt man Matt Bomer an, dass Comedy für ihn harte Arbeit ist, derweil etwa Nathan Lane sich darin zu Hause fühlt wie ein Fisch im Wasser. Der Name der Sitcom bezieht sich übrigens auf einen bestimmten Architektur-Stil, der – wie die Protagonist*innen der Serie – nicht mehr ganz jung ist, in Palm Springs offenbar vorbreitet und zudem gewisse nostalgische Gefühle auslöst. Dies gilt auch für den 1980er-Jahre-Stil der Sitcom, der heute eher ungewohnt ist und bei allem Charme ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt.

Hinter der neuen Serie stehen David Kohan und Max Mutchnick, die Erfinder des queeren Klassikers "Will and Grace" (1998-2020). Und alle Beteiligten wären auch für eine zweite Staffel von "Mid-Century Modern" zu haben, in der es dann offenbar sogar ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus der früheren Serie geben könnte. Offiziell ist eine Fortsetzung zwar noch nicht, aber angesichts der mehrheitlich positiven Reaktionen von Kritik und Publikum bestehen wohl Chancen, dass wir uns auf weitere Abenteuer von Bunny, Arthur und Jerry freuen können.

Galerie:
Mid-Century Modern
10 Bilder
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