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"Zeit"-Interview
Kevin Kühnert erklärt erstmals seinen Rückzug aus der Politik
Bedrohungen und Angriffe hätten in dem SPD-Politiker ein "Gefühl von absoluter Vergeblichkeit" wachsen lassen, verriet er der "Zeit".

Kühnert im Februar 2020 auf der Kundgebung "Kein Handschlag mit Faschist*innen" in Berlin (Bild: Stefan Müller / flickr)
- 23. April 2025, 14:39h 3 Min.
Etwas über ein halbes Jahr ist es nun schon her, dass der ehemalige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert überraschend seinen Rückzug aus der Politik angekündigt hatte (queer.de berichtete). Die genauen Beweggründe für diesen Schritt behielt der 35-Jährige bislang für sich, erläuterte sie nun jedoch im Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Zeit".
Demnach sei in seinem alltäglichen Leben ein Punkt erreicht worden, an dem er die Wahrscheinlichkeit körperlicher Angriffe auf seine Person als zu hoch ansah. In der "Zeit" schilderte er mehrere Situationen, die brenzlig waren, mit Neonazis, Bauern, einem Fußballfan oder einer Coronaleugnerin, und die das von ihm Besitz ergreifende Gefühl erzeugten und verstärkten, "nicht mehr sicher zu sein". Dazu komme oft die Gleichgültigkeit der anderen Leute in diesen Situationen.
Auch wenn es andere Politiker noch schlimmer getroffen habe: "Meine rote Linie ist da, wo Gewalt in der Luft liegt. Ich bin nur 1,70 Meter groß", so Kühnert. Dieser "roten Linie" seien Menschen selbst während Urlaubsaufenthalten gefährlich nahe gekommen. Zugleich wachse die Online-Aufstachelung, die Millionen erreiche. "Vielleicht ist das der Punkt, wo es pathologisch geworden ist. Am Ende war da ein Gefühl von absoluter Vergeblichkeit." Schließlich sei ihm bewusst geworden: "Wenn ich in Ruhe gelassen werden will, muss ich dahin, wo gar keine Menschen sind."
Kühnerts Partner ist in der FDP
Ebenfalls im Gespräch mit "Die Zeit" verriet Kühnert, dass der Mann an seiner Seite, mit dem er schon seit mehreren Jahren zusammen ist, der FDP angehört. In seinem tagtäglichen Leben werde ihm so vor Augen geführt, wie wichtig die Akzeptanz anderer Meinungen ist. Denn es brauche "das ständige Bewusstsein, dass der politische Gegner auch recht haben könnte."
Im Februar war Kühnert noch einmal an das Mikro im Bundestag getreten. "Nein, Union und FDP sind keine Faschisten", hatte er betont, und zugleich die Parteien vor einer Zusammenarbeit mit der AfD, vor einer "Stilverschiebung" gewarnt (queer.de berichtete). Eines Tages, so Kühnert in der "Zeit", beteiligt er sich womöglich wieder als Politiker am Diskurs. So sei er "nicht ausgestiegen, weil ich das alles lächerlich oder überflüssig fände", und schließe eine Rückkehr folglich nicht kategorisch aus.
Gast bei "3nach9"
Im Fernsehen wird Kevin Kühnert derweil bald schon ein Comeback feiern. Am 25. April ist er Teil der Runde in der Radio-Bremen-Talkshow "3nach9" und wird erläutern, wie es ihm in den vergangenen Monaten abseits des Politik-Rummels ergangen ist.
Ab 22 Uhr begrüßt das Moderatoren-Duo Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo unter anderem noch Schauspieler Moritz Bleibtreu und Kollegin Katja Riemann, Entertainer und Sänger Giovanni Zarrella sowie Weltumseglerin Leonie Maßmann. (spot/cw)














