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Netflix-Miniserie

Beziehungsquerelen in der zweiten Lebenshälfte

Wer um die 50 ist und in einer langjährigen Beziehung lebt, dürfte in "The Four Seasons" einiges wiedererkennen. In der sehr unterhaltsamen Miniserie geht es um drei Paare, darunter ein schwules, die regelmäßig gemeinsam Urlaub machen. Bis eine Trennung alles durcheinander bringt.


Szene aus "The Four Seasons": Mit Danny (Colman Domingo, r.) und Claude (Marco Calvani) ist in der Neuadaption eines gleichnamigen Films auch ein schwules Paar dabei (Bild: Jon Pack / Netflix)

Es ist die Sehnsucht von vielen, in einer guten, erfüllten Beziehung gemeinsam älter und alt zu werden. Aber der tatsächliche Weg dorthin ist gar nicht so leicht, selbst wenn man die feste Beziehung schon gefunden hat. Vielleicht auch, weil sich bei langjährigen Paaren "manchmal das Gefühl einstellt, sie seien eher WG-Mitbewohner", wie Jack (Will Forte) in der ersten Folge von "The Four Seasons" festhält – als Reaktion auf Nicks (Steve Carrell) Geständnis, dass er sich nach 25 Jahren von seiner Frau Anne (Kerry Kenney) trennen will. Es sei noch viel schlimmer, erklärt Nick: "Wir sind wie Kollegen in einem Kernkraftwerk: Wir sitzen im gleichen Zimmr und glotzen auf verschiedene Monitore."

"The Four Seasons" ist voller solch treffender Beobachtungen – und bei manchen bleibt einem das Lachen im Halse stecken, weil sie eigene Erfahrungen so zielsicher auf den Punkt bringen. Dabei hält die neue Serie der US-Autorin und -Komikerin Tina Fey, die Jacks Ehefrau Kate spielt, eine sorgsame Balance zwischen Comedy und Drama, während sie die drei befreundeten, offensichtlich gut situierten Paare mit so ziemlich allen Beziehungsquerelen konfrontiert, die einem in der zweiten Lebenshälfte so passieren können.

Jurten statt Luxusresort


Poster zur achtteiligen Miniserie: "The Four Seasons" kann seit 1. Mai 2025 bei Netflix gestreamt werden

Die Gesundheit zum Beispiel. Danny (Colman Domingo) hat Herzprobleme und müsste sich deswegen eigentlich operieren lassen. Doch sein Mann Claude (Marco Calvani) sorgt sich deswegen viel mehr als er selbst – und versucht ihn stets freundlich in Richtung gesünderer Nahrung und weniger Alkohol und Zigaretten zu manövrieren. Womit er Danny selbstredend furchtbar auf die Nerven geht.

Auch die Trennung von Anne findet also tatsächlich statt, unmittelbar nach dem gemeinsamen Trip im Frühling. Und im Sommer taucht Nick mit seiner neuen, etwa 30 Jahre jüngeren Freundin Ginny (Erika Henningsen) auf, was die vertraute Dynamik der drei Paare gehörig durcheinanderbringt. Zu allem Übel haben sie Ginny diese Reise auch noch organisieren lassen und finden sich nun zwar an einem schönen Strand, jedoch in einer Öko-Lodge mit einfachen Jurten statt komfortablen Zimmern.

Ist vielleicht auch die eigene Beziehung in einer Sackgasse?

Alle sind betont bemüht, die immer wieder unangenehmen zwischenmenschlichen Situationen nicht eskalieren zu lassen: Ginny möchte von Nicks Freund*­innen wenn nicht gemocht, so doch zumindest akzeptiert werden, Nick geniesst seine neue Liebe ganz offensichtlich, ist sich jedoch sehr bewusst, wie herausfordernd das für die vier anderen ist. Diese wollen sich aufgeschlossen geben, tun sich aber schwer – und werden unweigerlich mit dem Zustand ihrer eigenen Beziehungen konfrontiert und der Frage, ob sie nicht eventuell in ähnlichen Sackgassen stecken wie Nick und Anne und es nur nicht wahrhaben wollen. Danny und Claude flüchten dann jedenfalls bereits am ersten Tag in den Luxus des benachbarten Viersterne-Resorts, wo sie auf niemand Geringeres als Anne stoßen, die mehr oder weniger erfolgreich daran arbeitet, die Trennung von Nick zu verdauen.

"The Four Seasons" ist beides gleichzeitig: vergnüglich und unterhaltsam, aber mit genug Tiefgang, um zum Nachdenken über eigene Beziehungsmuster anzuregen. Und wem das eine oder andere vielleicht bekannt vorkommt: Es handelt sich um eine Neuadaption eines gleichnamigen Films von und mit Alan Alda von 1981, der in einer Episode einen Kurzauftritt hat. Der Inhalt wurde dabei allerdings erheblich verändert und modernisiert – ein schwules Paar zum Beispiel gab es damals noch nicht. Untermalt wird die achteilige Serie, von denen immer zwei Folgen in einer der vier Jahreszeiten spielen, von Vivaldis überraschend passender Konzertmusik.

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Wohl eher was für ältere Semester

Und jede Jahreszeit bringt neue Herausforderungen – von einem schwulen Dreier, der völlig aus dem Ruder läuft, über ein Theaterstück, in denen Nick und Annes Tochter die Trennung ihrer Eltern unangenehm öffentlich verarbeitet, bis hin zum Moment, wo Nick sich in einer Gruppe von Ginnys jungen Freund*innen wiederfindet und plötzlich sehr alt fühlt. Und dann mischt ein unerwarteter Todesfall die Karten für die ganze Gruppe nochmals neu.

Als Beziehungsratgeber taugt die Serie trotz allem eher nicht, dafür ist sie dann doch zu hollywoodesk. Auch ist fraglich, ob ein jüngeres Publikum damit viel anfangen kann. "The Four Seasons" setzt schon klar auf den Wiedererkennungseffekt, den zwangsläufig nur etwas ältere Semester haben werden. Hingegen könnte die Serie für überzeugte Singles recht gut funktionieren: Sie dürften sich wohl bei fast jeder Folge erneut zur Wahl ihres Lebensmodells beglückwünschen.

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