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"Oslo Stories: Träume"

Wenn sich eine Schülerin Hals über Kopf in ihre Lehrerin verliebt

Jetzt im Kino: Der Berlinale-Gewinner "Oslo Stories: Träume" erzählt poetisch und verträumt von einer unerwarteten ersten Liebe – schön und schmerzhaft zugleich.


Johanne, 16, kennt die Liebe nur aus Büchern. Das ändert sich, als sie sich heftig in ihre neue Französischlehrerin verliebt – und darüber schreibt (Bild: Alamode Film)

Manchmal tut es richtig gut, unvernünftig zu sein. Das merkt auch die 16-jährige Johanne (Ella Øverbye). Denn natürlich ist der Schülerin klar, dass die Schwärmerei für ihre neue Französischlehrerin (Selome Emnetu) zu nichts führt. Doch diese ersten Gefühle, die immer stärker werden, fühlen sich einfach zu gut an, um klar zu denken.

Das Problem: Von Liebe hat Johanne bislang nur gelesen. Ein Buch ist es auch, das ihre Sehnsucht nach Nähe überhaupt erst weckt. Entsprechend überfordert ist sie, als Johanna das Klassenzimmer betritt. Ihre Gefühle treffen sie heftig, und aller Vernunft zum Trotz folgt sie ihnen. Die Teenagerin genießt jeden Moment der Schulstunde, ergötzt sich an jedem Lächeln. Als die Lehrerin sie Jeanne nennt, schmilzt sie regelrecht dahin.

Johanne schreibt über ihre sexuellen Wünsche


Poster zum Film: "Oslo Stories: Träume" startet am 8. Mai 2025 bundesweit im Kino

Die erste Liebe kann so schön und doch so grausam sein. Das merkt Johanne, als sie all ihre Mut zusammennimmt und bei Johanna zu Hause klingelt. Die Französischlehrerin ist eigentlich Textilkünstlerin, und die Schülerin gibt vor, stricken lernen zu wollen. Eine ambivalente Beziehung beginnt, die für beide gefährlich werden könnte.

Mit einigem Abstand beginnt die 16-Jährige, ihre Erfahrungen aufzuschreiben, "um sie zu bewahren". Sie beschreibt ihre Wünsche, ihre Blicke, die Sehnsucht, die immer intensiver wird, dazu intimste sexuelle Fantasien. Sie schreibt für sich, entsprechend schonungslos und radikal ehrlich ist sie.

Die Großmutter ist zunächst schockiert

Sie schreibt für sich – eigentlich. Schließlich gibt sie den Text doch ihrer Großmutter. Die Lyrikerin ist zuerst schockiert über den expliziten Inhalt, dann aber doch begeistert. Denn was die Enkelin schreibt, ist von einer ungemein poetischen Kraft. Ihre Zeilen machen deutlich, wie sehr die Gefühle sie überwältigen, aber auch erschöpfen.

Johannes Prosa dient im Film als Off-Text, von ihr selbst gelesen. "Oslo Stories: Träume", der zweite Teil von Dag Johan Haugeruds Trilogie, erhält so eine ganz andere Form der Erzählung als die beiden anderen Teile. Das Drama ist lyrischer und verträumter. Dass der norwegische Regisseur auch Romane schreibt, wird dabei besonders deutlich. Was er Johanne schreiben lässt, ist für einen Teenie vielleicht etwas reif, aber es ist wunderschön.

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Was ist Wunschtraum, was Realität?

Die Schülerin Johanne und ihre Lehrerin Johanna trennt dabei aber deutlich mehr als nur ein Buchstabe. Die durch ihre Namen suggerierte Nähe trügt. Die Teenagerin lebt in einem älteren Teil Oslos, die Möbel rustikal, die Erwachsene in einem modernen Wohnturm, stylish eingerichtet.

Johanne besucht Johanna immer häufiger. Es entsteht eine Nähe zwischen ihnen, die beide aber unterschiedlich interpretieren. Vor allem die Lehrerin scheint gar nicht zu sehr über die ungewöhnliche Freundschaft nachdenken zu wollen. Und was die Schülerin in ihrem Text daraus macht, geht weit über die Realität hinaus. Ihre Großmutter – und danach auch die Mutter – machen sich deshalb Sorgen, sie sind alarmiert. Es fällt ihnen nicht leicht, Wunschträume zu erkennen.

"Ich bin queer, weil ich in Johanna verliebt bin?"

"Oslo Stories: Träume" verhandelt nicht nur moderne Formen der Sehnsucht und des Begehrens. Es geht auch um generationsübergreifende Kommunikation. Dabei wird eine bemerkenswerte Offenheit deutlich – was aber sicher auch an Johannes intellektuellem Haushalt liegt. Wie schon "Oslo Stories: Liebe" bestimmen auch Konversationen den zweiten Teil: Für Regisseur Dag Johan Haugerud sind die Gespräche über Gefühle mindestens so relevant wie die Gefühle selbst.

Anders als so viele andere queere Filme über die erste Liebe verfolgt "Oslo Stories: Träume" keinen problembehafteten Ansatz. Fürs gleiche Geschlecht zu schwärmen, ist hier nicht außergewöhnlich. Als die Mutter sagt, Johannes Buch handle vom queeren Erwachen, ist sie verwundert: "Ich bin queer, weil ich in Johanna verliebt bin?"

Das norwegische Drama hat in diesem Jahr absolut verdient mit dem Goldenen Bären den Hauptpreis der Berlinale gewonnen. Der Film lässt Raum für Symboliken und für so manche Überraschung. Vor allem aber fängt er die ungemein starken ersten Gefühle ein – und bleibt dabei angenehm ruhig.

Infos zum Film

Oslo Stories: Träume. Drama. Norwegen 2024. Regie: Dag Johan Haugerud. Cast: Ella Øverbye, Selome Emnetu, Ane Dahl Torp, Anne Marit Jacobsen. Laufzeit: 110 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 6. Verleih: Alamode Filmverleih. Kinostart: 8. Mai 2025
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