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Interview

Wie reagiert man auf die Aussage "Schwulsein ist eine Krankheit"?

In der jüngsten Folge der RTL-Seifenoper "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" kam es zu einer homophoben Tirade von Kate. Wir sprachen mit Schauspieler Niklas Osterloh, der ihren Vater Paul spielt, über die neue Storyline.


Niklas Osterloh spielt seit 2016 die Rolle des Paul Wiedmann bei GZSZ (Bild: RTL / Anna Riedel)
  • 11. Mai 2025, 19:00h 5 Min.

In der aktuellen Storyline der RTL-Erfolgsserie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" (GZSZ) sorgt eine neue Entwicklung rund um die Figur Kate (Zoé Baillieu) für Aufsehen. Die Tochter von Paul (gespielt von Niklas Osterloh) und Emily (Anne Menden) gerät unter den Einfluss einer radikalen Freikirche – mit dramatischen Folgen: Kate beginnt unter anderem homophobe Ansichten zu übernehmen und stellt plötzlich sogar die sexuelle Orientierung ihres geliebten Großvaters infrage, der in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt.

Wir sprachen mit Schauspieler Niklas Osterloh über die Storyline rund um Homophobie und religiösen Einfluss.

In der jüngsten GZSZ-Folge fiel der Satz "Schwulsein ist eine Krankheit". Wie reagierst du als Schauspieler und Vater auf so eine Aussage?

Schwul zu sein ist keine Krankheit. Manche Menschen verlieben sich einfach in jemanden des gleichen Geschlechts – das ist nur eine von vielen Arten, wie Liebe funktioniert. Und das ist doch schön. Manche Menschen haben leider Vorurteile oder wurden so erzogen, aber das macht es nicht richtiger oder besser. Wichtig ist, jeden Menschen mit Respekt zu behandeln.

Was genau passiert mit Kate in der Serie?

Kate hat nach anfänglichen Schwierigkeiten an ihrer neuen Schule endlich eine Freundin gefunden. Darüber freuen sich Paul und Emily natürlich sehr. Doch nach und nach zeigt sich, dass diese Freundin einer sehr speziellen Freikirche angehört – einer mit sehr extremen Ansichten zu bestimmten Themen. Und genau diese Ansichten versucht sie auch Kate zu vermitteln.

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Was hat das für Auswirkungen?

Plötzlich äußert Kate Dinge, die sehr erschreckend sind. Zum Beispiel möchte sie ihren Opa nicht mehr zu ihrem Geburtstag einladen – obwohl sie ihn früher total geliebt hat. Pauls Vater ist homosexuell und lebt offen in einer Beziehung mit einem Mann. Kate war oft in den Ferien bei ihren Großvätern und hatte ein inniges Verhältnis zu beiden. Und jetzt beginnt sie, sich für ihren Opa zu schämen. Oder sie sagt zu Moritz Dinge wie dass er sich doch heilen lassen solle von seiner Krankheit. Das schockt die Eltern natürlich, weil es komplett gegen die Werte geht, die sie ihr vermitteln wollten – Offenheit, Toleranz, Respekt.

Wie reagieren Paul und Emily auf Kates Veränderung?

Paul und Emily versuchen, gemeinsam dagegenzuhalten. Paul übernimmt in dieser Situation die Hauptverantwortung, weil Emily beruflich unterwegs ist. Er bemüht sich, einen Zugang zu Kate zu finden, sie zum Nachdenken anzuregen. Aber er merkt, dass er damit nicht richtig weiterkommt. Kate fühlt sich in dieser neuen Freundschaft sehr geborgen – sie wurde früher oft gemobbt und hat jetzt zum ersten Mal das Gefühl von Zugehörigkeit. Diese emotionale Bindung ist sehr stark.

Gibt es einen konkreten Versuch, Kate aus dieser Denkweise herauszuholen?

Ja, Paul hat die Idee, mit Kate eine Dokumentation über eine ähnliche Freikirche anzuschauen – eine, die ebenfalls sektenartige Strukturen hat. Kate schaut sich das tatsächlich mit ihm an. Doch sie erwartet im Gegenzug von Paul, dass auch er offen ist – und sich beim Tag der offenen Tür dieser Freikirche selbst ein Bild macht. Paul ist davon überhaupt nicht begeistert. Da zeigt sich: Auch er ist an Grenzen seiner eigenen Toleranz gestoßen. Auf dem Weg dorthin eskaliert die Situation dann auch noch mit der befreundeten Familie bzw. der Mutter.

Du bist selbst Vater. Wie geht man mit so einer Situation um – auch im echten Leben?

Meine Kinder sind noch recht jung – acht und dreieinhalb Jahre alt, zwei Mädchen. Ich versuche, sie zu selbstbestimmten, starken jungen Frauen zu erziehen. Aber klar, manchmal ist es nicht leicht. Ich glaube, das Allerwichtigste ist eine stabile Vertrauensbasis. Kinder müssen wissen: Auch wenn sie mal Quatsch machen, können sie immer zu dir kommen. Man muss sich auch als Elternteil selbst reflektieren und offen bleiben.

Wie zeigt sich das konkret im Alltag?

Wenn ein Kind zum Beispiel die Wand mit Lippenstift bemalt, dann sag nicht sofort: "Was soll das?!" Sondern frage lieber: "Und, wie war das so?" Ich glaube, man sollte sich öfter das eigene innere Kind zurückholen. Kinder wollen ausprobieren, neugierig sein, Fehler machen. Wenn du in solchen Momenten zu streng bist, riskierst du, dass sie dir nicht mehr alles erzählen. Und genau das willst du ja vermeiden.

Was empfiehlst du Eltern, wenn sie an ihre Grenzen stoßen?

Wenn man merkt, dass man nicht mehr weiterkommt, ist es absolut okay, sich Hilfe zu holen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Es gibt professionelle Stellen, mit denen man sprechen kann – das muss man nicht alleine schaffen.

Spoiler: So geht die Storyline weiter

GZSZ-Folge 8.270 am Dienstag, 13.05.2025 um 19:40 Uhr bei RTL
Emily und Paul versuchen trotz Kates Verschwinden die Ruhe zu bewahren und hoffen, dass Kate von alleine nach Hause kommt. Als Kate aber verschwunden bleibt, weicht die Hoffnung zunehmend der Sorge.

GZSZ-Folge 8.271 am Mittwoch, 14.05.2025 um 19:40 Uhr bei RTL
Emily und Paul halten die Ungewissheit kaum noch aus und vergehen vor Sorge um die verschwundene Kate. Als Katrin sie tags darauf nach Hause bringt, ist die Erleichterung groß. Wird nun alles wieder gut?

GZSZ-Folge 8.272 am Donnerstag, 15.05.2025 um 19:40 Uhr bei RTL
Emily und Paul müssen erkennen, dass Kate trotz ihrer Rückkehr an ihrer Freundschaft zu Helena festhält und auch weiter die Ansichten der Freikirche verteidigt. Paul und Emily kommen zu dem Schluss, dass sie sich Hilfe holen müssen.

Was möchtest du abschließend noch sagen?

Mit dieser Storyline setzt GZSZ bewusst und erneut ein klares Zeichen gegen Intoleranz, religiösen Fanatismus und gesellschaftliche Ausgrenzung – und stärkt zugleich die Bedeutung von Aufklärung, Dialog und familiärem Zusammenhalt: Wir bei GZSZ lehnen jede Form von Homophobie und Rassismus ab: Love is love – and love is all around.

-w-