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Vor erstem Halbfinale
Wer gewinnt beim ESC 2025?
Am Dienstag steigt das erste Halbfinale des diesjährigen ESC. Welche Länder stehen in den Prognosen weit vorne und könnten am Samstag einen Sieg feiern? Und wo steht Deutschland?

Abor & Tynna bei der Probe in Basel: Ballern sie Europa weg? (Bild: Sarah Louise Bennett / EBU)
- 13. Mai 2025, 09:18h 5 Min.
Wer gewinnt den diesjährigen Eurovision Song Contest? Vor den Halbfinals und dem Finale am 17. Mai zeichnen sich bereits erste Favoriten ab. Vor allem ein Land steht bei den Buchmachern ganz weit oben: Schweden (38 Prozent). Das Land steht auf dem ersten Platz der Fan-Community eurovisionworld.com. Vertreten wird es von der finnlandschwedischen Gruppe KAJ mit dem Song "Bara bada bastu" (Zu Deutsch: "Einfach in die Sauna gehen"). Die Künstler haben dabei tief in die Trickkiste der Ohrwürmer gegriffen: mit Mitgröl-Parollen wie "Ohhh-ee-oh-ee-oh-ee-ohhh" und "Saunaaaaa", garniert mit lustigen Tanzmoves im Saunahandtuch.
Die Band, die sich 2009 gegründet hat, besteht aus dem Trio Kevin Holmström, Axel Åhman und Jakob Norrgård. Ihr Lied präsentieren die Finnlandschweden aus Vörå auf Schwedisch mit finnischem Dialekt. Dabei besingen sie mit dem Saunagang eine finnische Tradition.
Marcus & Martinus belegten 2024 den neunten Platz für Schweden. Ein Jahr zuvor konnte Loreen (41) den Sieg holen, sie war 2012 bereits mit dabei und konnte triumphieren. Dass Schweden zu den erfolgreichsten ESC-Ländern gehört, könnte auch am Vorentscheid liegen, den es dort seit 1959 gibt. Er heißt "Melodifestivalen" und gehört zu den beliebtesten Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Schwedens. Viele Künstler*innen sehen die "Melodifestivalen"-Teilnahme als Chance, sich zu präsentieren, ob mit oder ohne Sieg. KAJ setzten sich im März gegen den ESC-Sieger von 2015, Måns Zelmerlöw (38), durch und gewann das "Melodifestivalen"-Finale. In Finnland und Schweden wurde der Song bereits zum Nummer-eins-Hit. Sie treten im ersten Halbfinale am 13. Mai auf.
Den zweiten Platz im diesjährigen Ranking belegt Österreich (22 Prozent Chance auf Sieg, Auftritt im zweiten Halbfinale am 15. Mai). Der queere Countertenor JJ, bürgerlich Johannes Pietsch (24), soll für das Land mit seinem Song "Wasted Love" den Sieg holen. Er kann eine Ausbildung an der Opernschule der Wiener Staatsoper vorweisen und wandelt mit seiner Musik zwischen Pop und Klassik – und könnte als zweiter queerer Act in Folge nach Nemo im vergangenen Jahr die ESC-Krone holen.
Hinter Österreich befindet sich laut eurovisionworld.com Frankreich (7 Prozent, Finale) mit Sängerin und Schauspielerin Louane (28) und der Ballade "Maman", die sie ihrer verstorbenen Mutter gewidmet hat.
Auf der Liste möglicher Sieger für den ESC 2025 folgt Israel (5 Prozent, zweites Halbfinale) mit Sängerin Yuval Raphael (24) und ihrem Song "New Day Will Rise". Die Newcomerin will mit ihrem Lied ihre Geschichte erzählen, sie ist Überlebende der Hamas-Attacke auf das Nova-Musikfestival – und muss wegen ihrer Nationalität auch so einige Anfeindungen erfahren (queer.de berichtete). Dahinter reiht sich Belgien (4 Prozent, erstes Halbfinale) mit dem exzentrischen Sänger Red Sebastian (25) und dem Elektro-Pop-Song "Strobe Lights" ein.
Auch dieses Jahr hat die "Organisation Générale des Amateurs de l'Eurovision" (OGAE), die internationale Organisation aller ESC-Fans, eine Abstimmung über die Fan-Favorit*innen gestartet. Bis Ende April konnten die OGAE-Clubs in ihren Ländern abstimmen. Dort zeichnete sich ein ähnliches Bild ab: Schweden gewann die Abstimmung vor Österreich und den Niederlanden.
Gibt es noch mehr Prognosen? Die Streamingzahlen können ebenso Aufschluss über die beliebtesten Acts beim Publikum geben. Gemäß ESCplus sind KAJ im Ranking auf Spotify ebenfalls auf dem Thron. Im Anschluss folgen neben Claude auf Platz drei jedoch noch nicht genannte Namen wie Lucio Corsi (31), der mit der Glamrock-Ballade "Volevo essere un duro" für Italien antritt und im Streaming-Rennen Platz zwei übernimmt, sowie der italienische DJ Gabry Ponte (52), der mit dem Dancetrack "Tutta L'Italia" für San Marino performen wird und auf Platz vier bei Spotify landet.
Der Streamingdienst vermeldete am 8. Mai, dass KAJ kurz vor den Halbfinals "bisher mehr als doppelt so viele Streams wie der aktuell zweitplatzierte Beitrag im diesjährigen Wettbewerb" verzeichnen kann.
So stehen die Siegchancen für Deutschland
Und wie kommen die deutschen Vertreter Abor & Tynna mit ihrem Song "Baller" bisher bei den Fans an? Bei eurovisionworld.com landen sie auf Platz 17, im OGAE-Voting auf Platz 13. Bei den Spotify-Streamingzahlen landen sie auf Platz sieben (Stand: 12. Mai), den ersten Platz belegen sie jedoch bei den nationalen Eurovision-Streaming-Charts. Hierzulande folgen dann Schweden, Estland, Österreich und Norwegen. Auch gut für Abor & Tynna: Beim Google-Streaming landeten sie zuletzt auf dem zweiten Platz (queer.de berichtete).
Im vergangenen Jahr stand Isaak Guderian (30) bei eurovisionworld.com auf Platz 22, im Finale wurde es dann der zwölfte Platz. Auf dem ersten Platz der Fan-Community stand 2024 der kroatische Vertreter Baby Lasagna mit "Rim Tim Tagi Dim", für den es am Ende "nur" für Platz zwei reichte. Den zweiten Platz des Rankings belegte Nemo (25) mit "The Code", am Ende gewann der Musikstar für die Schweiz.
Wer zählt zu den ewigen Besten?
Schweden würde mit einem Sieg das achte Mal gewinnen und auf der ewigen ESC-Bestenliste an der Spitze stehen. Noch teilt es sich den Platz mit Irland, das auch sieben Mal gewann. Deutschland stand zweimal auf dem Treppchen: 1982 Nicole mit "Ein bisschen Frieden" und 2010 Lena mit "Satellite".
Am entgegengesetzten Ende liegt Norwegen. Das Land steht mit zwölf letzten ESC-Plätzen sogar im Guinnessbuch der Rekorde. Finnland war auch nicht viel besser, und dann kommt auch schon Deutschland. Seit dem Jahr 2000 kam Deutschland nur sieben Mal unter die ersten zehn.
Am Dienstag steigt das erste Halbfinale des Eurovision Song Contest in Basel, das zweite folgt am 15. Mai. Beide werden live im frei empfangbaren Spartensender One gezeigt. Das Finale findet am 17. Mai statt (live im Ersten). Die ARD überträgt auch eine Show vor dem Finale ("ESC – der Countdown") und nach dem Finale ("ESC – die Aftershow"). (spot/cw)














