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Eurovision-Sieger
JJ: Wer ist der neue queere Star aus Österreich?
Für den jungen Countertenor Johannes Pietsch ist der Sieg beim Eurovision Song Contest eine "Fetzengaudi". Den ESC 2026 will er zusammen mit Conchita Wurst in der Wiener Stadthalle ausrichten – sein Freund wohnt ganz in der Nähe.

JJ am Samstagabend in Basel bei der Sieger-Performance (Bild: Corinne Cumming / EBU)
- Von Ralf Isermann, AFP
18. Mai 2025, 10:07h 3 Min.
Im einen Moment singt JJ mit der Stimmgewalt des Opernsängers, im nächsten Moment schaltet er auf Partystimmung wie beim Après-Ski: Eine "Fetzengaudi" ist der Sieg beim Eurovision Song Contest (ESC) für den 24-jährigen Österreicher. Er will jetzt am liebsten im nächsten Jahr die nächste Party schmeißen und zusammen mit Conchita Wurst den ESC 2026 als Gastgeber gestalten.
Aus JJ, der bürgerlich Johannes Pietsch heißt, sprudelt es nach seinem Sieg im ESC-Finale nur so heraus. "Das ist verrückt", sagt er, der Sieg liege jenseits seiner "wildesten Träume". Buchmacher*innen und Expert*innen hatten die Spaßgruppe KAJ aus Schweden als ESC-Sieger prognostiziert – doch dank vieler Punkte der Jurys der 37 teilnehmenden Länder, die von seiner opernhaften Inszenierung erkennbar angetan waren, holte JJ den dritten ESC-Sieg in der Geschichte des Wettbewerbs für Österreich.
Der erste Halb-Philippiner gewinnt den ESC
2014 hatte zuletzt Conchita Wurst als vollbärtige Diva gewonnen. JJ, dessen Mutter von den Philippinen stammt, ist wichtig, seinem Sieg elf Jahre später eine eigene historische Dimension zu geben. Er sei der erste Halb-Philippiner, der in der fast 70-jährigen Geschichte den Musikwettbewerb gewinnen konnte, sagt er. Um dann einem Journalisten von den Philippinen in dessen Landessprache für den großen Zuspruch aus dem Inselstaat zu danken.
JJ macht als Persönlichkeit Eindruck – als Sänger sowieso. Sein "Wasted Love", eine Geschichte über eine weggeworfene Liebe, singt der Countertenor in Sopranhöhen, bevor er das Lied im Techno-Style zum Ende hin regelrecht explodieren lässt. Schon im April sagte JJ in Wien zu AFP: "Es überrascht die Leute, dass ein Mann so hoch singen kann."
In Wien geboren, in Dubai aufgewachsen
JJ wurde in Wien geboren, wuchs in Dubai auf, kehrte dann als Jugendlicher mit seinen Eltern nach Österreich zurück und machte eine Gesangsausbildung an der Wiener Staatsoper. In Wien würde er auch am liebsten das ESC-Finale 2026 sehen – sein Freund wohne nahe der Wiener Stadthalle, da könne er dann schnell rübergehen, sagt der schwule Künstler. Im Interview mit queer.de hatte er im März erstmals öffentlich über seine Queerness gesprochen.
Er schätze musikalisch die "klassische Welt", sagt JJ. Aber er wolle auch die "Freiheit haben, sich auszutoben" und "zu experimentieren". Der Sänger studiert Opernkunst, hat sich dort vor allem einem als Opernpop bekannten modernen Stil verschrieben. "Wasted love" ist das Produkt dieses Experimentierens.
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Auf dem Sprung zum internationalen Star
Das Lied erzählt textlich von einer Lebensphase, in der er "zu viel Liebe verschwendet" habe, ohne Liebe zu erhalten. Wo Udo Jürgens mit dem ersten Sieg Österreichs 1966 mit "Merci, Chérie" einen ersten Klassiker zum ewigen Menschenthema Liebe setzte, sorgte JJ nun für eine Neuinterpretation.
Wird er nun nach dem Beispiel vieler früherer ESC-Gewinner*innen auch international zu einem Star? Die Voraussetzungen bringt JJ nicht nur stimmlich mit. Er spricht Deutsch, Englisch und Französisch perfekt, dazu kommen Tagalog und Arabisch. Und er kann scheinbar spielerisch zwischen den Stilen wechseln – da ist er in dem einen Moment der Opernkünstler und im nächsten Moment ein Österreicher mit Lust auf eine richtige "Fetzengaudi".













