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Bruno Retailleau
Frankreichs starker Mann der Rechten: Homophober Parteichef will Präsident werden
Bruno Retailleau will die Republikaner wieder ins Präsidentenamt führen – mit altbekannten Themen wie Queerfeindlichkeit.

Bruno Retailleau würde gerne Emmanuel Macron im Élysée-Palast ablösen (Bild: IMAGO / ABACAPRESS)
- 19. Mai 2025, 14:05h 3 Min.
Seine Berufslaufbahn begann er als kostümierter Reiter in einem patriotischen Historienspektakel, nun wurde er an die Spitze der konservativen Partei Les Républicains gewählt: Frankreichs Innenminister Bruno Retailleau hat den Posten erobert, der ihm den Weg zur Präsidentschaftskandidatur 2027 ebnen soll. Der 64 Jahre alte Ultrakonservative hat sich in seinem Amt vor allem mit harter Einwanderungspolitik profiliert, ist aber auch für seine rückwärts gewandten Ansichten bei gesellschaftlichen Themen, etwa LGBTI-Rechten, berüchtigt.
Der praktizierende Katholik und dreifache Vater blieb bei Abstimmungen seiner konservativen Linie treu: Die Ehe für alle lehnte er ebenso ab wie ein Verbot von "Konversionstherapien", das Recht auf künstliche Befruchtung oder die Aufnahme der Freiheit zur Abtreibung in die französische Verfassung.
Vor einigen Monaten löste er Kritik aus mit einem Ratschlag für trans Menschen, die eine Geschlechtsanpassung erwägen: "Ein Gefühl ist keine Diagnose. Es könnte doch auch einfach eine homosexuelle Orientierung sein, zu der man stehen sollte", sagte er.
Schon Sarkozy machte Wahlkampf gegen Homosexuelle
Die französischen Konservativen stellten bislang fünf Präsidenten. Der bislang letzte war Nicolas Sarkozy, der 2012 einst Wahlkampf gegen die Ehe für alle gemacht hatte – und verlor. Sarkozy verbrachte seit Ende seiner Amtszeit wegen Korruptionsvorwürfen viel Zeit vor Gericht. Dies hat das Image seiner Partei nicht gerade befördert.
Die Republikaner haben zudem eine schwere Zeit hinter sich: Der bisherige Parteichef Eric Ciotti hatte sich bei der Parlamentswahl 2024 mit der rechtsextremen Partei Rassemblement National verbündet – und sich dann noch monatelang geweigert, sein Amt bei den Republikanern abzugeben.
Retailleau steht nun vor der Aufgabe, die Partei wieder zu einen und auf die Präsidentschaftswahl einzuschwören. Nach jüngsten Umfragen bleibt er dabei allerdings noch im einstelligen Bereich. Zudem ist sein unterlegener Gegenkandidat für den Parteivorsitz, Laurent Wauquiez, ebenfalls entschlossen, 2027 für die Republikaner anzutreten.
In die Politik ist Retailleau hoch zu Ross gekommen: Der begeisterte Reiter nahm schon als Jugendlicher an Vorstellungen im Freizeitpark Puy de Fou teil, die der Konservative Philippe de Villiers entworfen hatte. Retailleau übernahm bald die Leitung des Parks, in dem bis heute auf spektakuläre, allerdings historisch fragwürdige Weise die Geschichte Frankreichs vermittelt wird.
Retailleau trat später in die von seinem Mentor gegründete rechtsnationale Partei Mouvement pour la France ein und wurde deren Vizechef. De Villiers ebnete ihm auch den Weg in die französische Nationalversammlung – bevor die beiden Politiker sich überwarfen und Retailleau in die konservative Partei wechselte.
Retailleau gegen EU-Verträge und mit völkischer Rhetorik
Als Senator stimmte Retailleau gegen die EU-Verträge von Maastricht und Lissabon. Damals warnte er, dass diese die französische Souveränität schmälern würden.
Retailleaus Hauptthema der vergangenen Jahre war jedoch die Einwanderungspolitik. "Eine multikulturelle Gesellschaft ist immer auch eine multikonfliktuelle Gesellschaft", warnte er bereits 1997. Als Fraktionschef der Republikaner im Senat setzte er sich 2023 für eine Verschärfung des Einwanderungsgesetzes ein. Er forderte unter anderem, die ärztliche Versorgung für Einwanderer*innen zu reduzieren.
Nach seiner Ernennung zum Innenminister zählte er seine drei Prioritäten folgendermaßen auf: "Ordnung, Ordnung und Ordnung". In den vergangenen Monaten machte er vor allem Druck auf Algerien, damit das Land mehr Migrant*innen ohne Bleiberecht zurücknimmt als bisher.
Manche Parteimitglieder werfen Retailleau nun vor, dass er nicht gleichzeitig Regierungsmitglied, Parteichef und Präsidentschaftskandidat sein könne – doch der neue starke Mann der Rechten scheint sich in dieser Dreifachrolle durchaus wohlzufühlen. (AFP/dk)














