https://queer.de/?53651
Nachbeben
Kritik am Publikumsvote: Spanien stellt ESC-Teilnahme Israels infrage
Israel war der Publikumsliebling beim diesjährigen ESC. Das ruft die Regierung Spaniens und den verantwortlichen TV-Sender auf den Plan.

Dass Yuval Raphael den zweiten Platz für Israel geholt hat, hat sogar politische Konsequenzen (Bild: EBU / Alma Bengtsson)
- 20. Mai 2025, 07:45h 3 Min.
In Spanien ist eine Debatte über Israels Teilnahme am Eurovision Song Contest und das gute Abschneiden des Landes beim Publikum entbrannt. Ministerpräsident Pedro Sánchez forderte den Ausschluss Israels vom Wettbewerb. Der staatliche TV-Sender RTVE kündigte derweil an, man werde eine Überprüfung des Publikumsvotings beantragen, das die Teilnehmerin Israels (Yuval Raphael mit dem Song "New Day Will Rise") am Samstag auf Platz 2 katapultiert hatte.
Im Televote lag der Song der Überlebenden des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 deutlich in Führung, während die Jurys den Song im Mittelfeld platzierten und damit den fünften ESC-Sieg Israels verhinderten. Spanien schaffte es mit Sängerin Melody und dem Lied "Esa diva" auf den 24. Platz von 26 teilnehmenden Ländern.
Als Begründung für seine Forderung nach einem Israel-Ausschluss nannte Sánchez das militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen. Die Offensive habe sogar in der Nacht des ESC-Finales mit weiteren Bombardierungen angedauert, betonte er. In Anspielung auf den Umgang mit Russland sagte der sozialistische Politiker: "Wir dürfen keine doppelten Standards in der Kultur zulassen." Niemand habe sich empört, als Russland wegen der Invasion der Ukraine vom ESC ausgeschlossen wurde. "Dasselbe sollte auch für Israel gelten", sagte Sánchez.
Televoting "durch die aktuellen militärischen Konflikte beeinflusst"
RTVE wollte unterdessen seinen Antrag auf Überprüfung des Televotings nach eigenen Angaben im Laufe des Montags bei der Europäischen Rundfunkunion (EBU) einreichen. "Mehrere Länder werden ebenfalls denselben Antrag stellen, da sie der Ansicht sind, dass das Publikumsvoting durch die aktuellen militärischen Konflikte beeinflusst wurde und dies den kulturellen Charakter der Veranstaltung gefährden könnte", teilte der Sender mit.
Der belgische Sender VRT stellte wegen des Televotings sogar seine zukünftige Teilnahme infrage. Zwar gebe es keine Hinweise, dass die Stimmauszählung manipuliert worden sei, stellte die TV-Anstalt klar. Aber: "Wir fordern von der EBU volle Transparenz. Die Hauptfrage ist, ob das derzeitige Abstimmungssystem ein faires Abbild der Meinungen der Zuschauer und Zuhörer garantiert."
Freilich gab es seit der Einführung des Publikumsvotings Kritik am Abstimmungsverhalten, etwa früher, als die Türkei wegen ihrer großen Diaspora aus Deutschland – und auch anderen Ländern – selbst bei fragwürdigen Songs immer wieder extrem hohe Punktzahlen erhielt. Deswegen wurde 2009 das Jurysystem eingeführt, das zu 50 Prozent ins Endergebnis einfließt.
Kritik gab es dieses Jahr auch daran, dass im EBU-Onlinekanal für den ESC ein Werbefenster eingeblendet wurde, in dem die Sängerin Yuval Raphael vor dem Finale das Publikum aufrief, für ihren Song zu stimmen. Die EBU sieht darin kein Fehlverhalten, da es für teilnehmende Rundfunkanstalten oder Dritte wie Plattenfirmen keine Beschränkungen bei der Werbung gebe. Auch andere Rundfunksender hätten schließlich für ihren Act in Basel die Werbetrommel gerührt.
Bereits im Vorfeld des ESC 2025 hatte es Spannungen zwischen RTVE und der EBU gegeben. Der spanische Sender erklärte, man sei von der EBU unter Androhung hoher Geldstrafen davor gewarnt worden, während der Liveübertragungen politische Botschaften zu verbreiten. Auslöser war ein Hinweis auf die Opfer des Gaza-Konflikts, den RTVE im zweiten Halbfinale eingeblendet hatte. Trotz der Warnung zeigte der Sender unmittelbar vor Beginn des Finales erneut eine Botschaft: "Angesichts der Menschenrechte ist Schweigen keine Option. Frieden und Gerechtigkeit für Palästina." (dpa/cw)













