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Bremen
Evangelische Kirche kürzt Latzel das Gehalt
Der queerfeindliche Bremer Pastor Olaf Latzel, der Homosexualität als "todeswürdig" bezeichnete, bekommt vier Jahre lang fünf Prozent weniger Gehalt. Für das Bündnis Queerlobby ist die milde Strafe ein "verheerendes Signal".

Olaf Latzel im August 2024 vor dem Bremer Landgericht (Bild: IMAGO / epd)
- 21. Mai 2025, 04:24h 3 Min.
Wegen abfälliger Äußerungen über queere Menschen und übers Gendern kürzt die Bremische Evangelische Kirche Pastor Olaf Latzel die Bezüge für vier Jahre um fünf Prozent. Dies habe der Kirchenausschuss nach sorgfältiger Prüfung aller relevanten Aspekte entschieden, sagte ein Sprecher am Dienstag. Die Disziplinarmaßnahme trage "der Schwere des Verstoßes durch seine Äußerungen Rechnung und soll ihm über vier Jahre hinweg als Erinnerung und Mahnung für sein Fehlverhalten dienen".
Die gekürzten Beträge sollen den Angaben zufolge Organisationen zur Verfügung gestellt werden, die als Anlaufstellen für queere Menschen dienen. Latzel habe allerdings die Möglichkeit, innerhalb von vier Wochen Rechtsmittel gegen diese Disziplinarmaßnahme einzulegen.
Latzel bezeichnete Homosexualität als "todeswürdig"
Der Pastor der St. Martini-Gemeinde in Bremen hatte sich während eines Eheseminars im Oktober 2019 abfällig über queere Menschen geäußert. So bezeichnete er unter anderem CSD-Besucher*innen als "Verbrecher" und "gelebte Homosexualität" als "todeswürdig" (queer.de berichtete). Die Aussagen, für die er sich später halbherzig entschuldigte, gelangten als Audiodatei online. Die Bremische Evangelische Kirche hatte sich wiederholt von den Aussagen Latzels distanziert.
Nach Verhandlungen in mehreren Instanzen hatte das Landgericht Bremen den Prozess wegen Volksverhetzung im Sommer 2024 gegen eine Geldauflage an den Bremer Verein Rat&Tat-Zentrum für queeres Leben eingestellt (queer.de berichtete).
Kritik vom Bündnis Queerlobby
Für das Bündnis Queerlobby geht die Entscheidung der Kirche nicht weit genug. Man begrüße grundsätzlich die Anerkennung einer Amtspflichtverletzung durch Latzel, heißt es in einer Pressemitteilung vom Dienstag. "Doch die gewählte Sanktion – eine Kürzung der Bezüge – bleibt weit hinter den notwendigen Konsequenzen angesichts dessen Schwere zurück. Die fehlende Erhebung einer Disziplinarklage mit dem Ziel der Entfernung aus dem Dienst ist eine vertane Chance, ein klares Signal an queere Menschen innerhalb und außerhalb der BEK zu senden."
Die Kirche sei weit davon entfernt ist, ihre institutionelle Verantwortung ernst zu nehmen, kritisierte das Bündnis Queerlobby. "Diese Entscheidung ist ein verheerendes Signal", sagte Sprecher Santos Blume. "In Zeiten ansteigender Hasskriminalität gegenüber queeren Menschen reagiert die Kirche gegenüber denjenigen, die den ideologischen Nährboden für diesen Hass sähen, mit Milde."
Olaf Latzel sei "nicht nur eine Einzelperson mit problematischen Ansichten, sondern vielmehr ein sichtbares Symptom eines tiefergehenden, strukturellen Problems innerhalb der Kirche", so das Bündnis Queerlobby weiter. Es reiche nicht aus, auf Einsichtsfähigkeit zu hoffen oder auf Dialog zu setzen."Die BEK muss handeln – und zwar mit klaren, strukturellen Maßnahmen, die Queerfeindlichkeit nachhaltig bekämpfen", forderte Blume. "Nur so kann die Kirche das Vertrauen der queeren Community zurückgewinnen." (mize/dpa)














