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"Kind der Liebe"
Ein queerer Sommerroman mit sprachlicher Finesse
Der Coming-of-Age-Roman "Kind der Liebe" von Maureen Duffy aus dem Jahr 1971 über Begehren, Identität und emotionale Abhängigkeit ist jetzt erstmals auf Deutsch erschienen.

Maureen Duffy verbindet in ihrem Werk persönliche Themen mit gesellschaftspolitischer Relevanz (Bild: OpenAI)
- 26. Mai 2025, 06:28h 3 Min.
In der glühenden Hitze eines italienischen Sommers entfaltet sich in Maureen Duffys Roman "Kind der Liebe" ein psychologisch fein gezeichnetes Drama, das zwischen Klarheit und Verwirrung oszilliert. Im Mittelpunkt steht Kit, ein scharfsinniger und empfindsamer Teenager, dessen Gefühlswelt zunehmend von Eifersucht, Unsicherheit und unterdrückter Wut dominiert wird. Der Anlass: die Affäre der Mutter mit Aias, einer geheimnisvollen Figur, deren Identität ebenso ungreifbar bleibt wie die Motive der übrigen Charaktere. Was mit beobachtender Distanz beginnt, entwickelt sich zu einem gefährlichen Spiel aus Manipulation, Rachefantasien und emotionaler Eskalation – mit tragischen Konsequenzen.
Psychologisch fein gezeichnetes Drama

"Kind der Liebe" ist als gebundenes Buch und E-Book erschienen
Maureen Duffy gelingt es, eine sommerlich-idyllische Kulisse mit einem vielschichtigen Geflecht aus psychologischer Spannung und ambivalenter Erotik zu kontrastieren. Die Handlung entfaltet sich in einem bewusst vagen Raum, in dem kaum etwas so ist, wie es zunächst scheint. Weder die Geschlechterrollen der Figuren noch ihre Absichten sind eindeutig zu fassen. Insbesondere Kits Geschlecht bleibt ein literarisches Mysterium – ein bewusster Kniff der Autorin, der Konventionen unterläuft und die Lesenden dazu zwingt, eigene Zuschreibungen zu hinterfragen. Auch Aias entzieht sich eindeutiger Klassifikation und trägt zur atmosphärischen Dichte des Romans bei, der sich durch eine ausgeprägte sprachliche Virtuosität und subtile Ironie auszeichnet.
"Kind der Liebe" (Amazon-Affiliate-Link ), im Original unter dem Titel "Love Child" 1971 bei Alfred A. Knopf in den USA erschienen, wurde am 14. Mai 2025 erstmals in deutscher Sprache vom Reclam Verlag veröffentlicht. Der Roman gilt als britische Antwort auf Françoise Sagans "Bonjour Tristesse" und stellt eine bedeutsame literarische Stimme der frühen 1970er Jahre dar. Während Sagan das Lebensgefühl junger Frauen im Nachkriegseuropa einfing, erweitert Duffy diese Perspektive um Fragen der Identität, der sexuellen Orientierung und der emotionalen Abhängigkeit. Dabei bleibt ihr Blick stets analytisch, doch nie kühl: In ihrem Werk verbinden sich persönliche Themen mit gesellschaftspolitischer Relevanz.
Einflussreiche britische Autorin
Maureen Duffy, geboren 1933 im südenglischen Worthing, zählt zu den einflussreichsten britischen Autorinnen ihrer Generation. Ihr vielseitiges Werk umfasst Romane, Gedichte, Theaterstücke und Essays. Als eine der ersten offen lesbischen Schriftstellerinnen Großbritanniens engagiert sie sich seit Jahrzehnten für die Rechte queerer Menschen. Viele ihrer Texte reflektieren Fragen nach Zugehörigkeit, Geschichte und der Rolle von Literatur in gesellschaftlichen Umbruchzeiten. Mit Romanen wie "The Microcosm" (1966) hat sie sich als Pionierin einer queeren literarischen Ästhetik etabliert. Auch Kind der Liebe zeugt von dieser Haltung: ein vieldeutiges, herausforderndes und zugleich poetisches Buch über Begehren, Macht und die Grenzen familiärer Bindung. (dd/pm)
Maureen Duffy: Kind der Liebe. Roman. Aus dem Amerikanischen von Katharina Herzberger. 237 Seiten. Reclam Verlag. Ditzingen 2025. Gebundene Ausgabe: 25 € (ISBN 978-3-15-011517-6), E-Book: 4,99 €.
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