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"Die Aufgabe ist groß"
Lars Castellucci ist neuer Menschenrechtsbeauftragter
Erstmals übernimmt ein offen schwuler Politiker den Posten des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung: Lars Castellucci hat Großes vor.

Als neuer Menschenrechtsbeauftragter will sich Lars Castellucci für die Schwachen und die Leisen einsetzen (Bild: Deutscher Bundestag / Xander Heinl / photothek)
- 30. Mai 2025, 09:21h 2 Min.
Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Castellucci zum Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe ernannt. Der 51-Jährige übernimmt den im Auswärtigen Amt angesiedelten Posten von Luise Amtsberg (Grüne).
"Die Aufgabe ist groß, denn Menschenrechte geraten zunehmend unter Druck", erklärte Castellucci auf Facebook mit Blick auf seinen neuen Job. "Wir leben in einer Zeit, in der sich das Recht des Stärkeren immer öfter gegen die Stärke des Rechts durchsetzt. Gleichzeitig fragen sich in Zeiten der Unsicherheit viele Menschen in Deutschland: Wozu all dieses internationale Engagement? Sollten wir uns nicht zuerst um die Probleme im eigenen Land kümmern? Doch das eine schließt das andere nicht aus." Zudem ließen sich viele Probleme nur international lösen.
Dabei formulierte er auch sein Ziel: "Ich möchte dazu beitragen, Menschenrechte wieder als das zu erkennen, was sie sind: Ein großer Schatz. Es geht darum, sie zu bewahren und weiterzuentwickeln." Er wolle wie auch bisher in seinem politischen Engagement als Menschenrechtsbeauftragter "stark sein für die Schwachen und laut für die Leisen".
Stark für die Schwachen, laut für die Leisen. Das Bundeskabinett hat mich heute zum Beauftragten der Bundesregierung...
Posted by Lars Castellucci on Wednesday, May 28, 2025
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Der aus Nordbaden stammende Castellucci ist Professor für Nachhaltiges Management und seit 2013 Mitglied des Bundestages. In der vergangenen Legislaturperiode leitete er den Innenausschuss kommissarisch.
Castellucci ist offen homosexuell und lebt in einer festen Partnerschaft. Er berichtete darüber, dass seine sexuelle Orientierung in der Vergangenheit ein Problem gewesen sei, da er aus einer christlichen Familie stamme: "Ich selbst bin schwul. Und meine Mutter, die jeden Dienstag in einen Bibelkreis geht, hatte damit zu kämpfen, weil sie glaubte, homosexuelle Handlungen seien Sünde", sagte Castellucci 2019 in einem Interview mit dem evangelikalen Medienmagazin "Pro". Castellucci ist selbst evangelisch und beispielsweise Mitglied in der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). In der Vergangenheit war er auch religionspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.
Castelluccis Vorgängerbeauftragte Luise Amtsberg hatte auch wiederholt queerfeindliche Politik kritisiert. So protestierte sie gegen ein queerfeindliches Gesetz in Uganda (queer.de berichtete).
Das Amt des Menschenrechtsbeauftragten führte die rot-grüne Regierung 1998 ein. Castellucci ist die neunte Person, die den Posten übernimmt – und die erste offen queere Person. (dk)
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