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Interview
Wie lange würde es dauern, Ihre Wohnung zu "entqueeren", Kelly Marie Tran?
Im vergangenen Jahr outete sich "Star Wars"-Star Kelly Marie Tran als queer, jetzt spielt sie eine der Hauptrollen in der queeren Komödie "The Wedding Banquet". Zum Kinostart trafen wir sie in London zum Interview.

Kelly Marie Tran im April 2025 bei der Premiere von "The Wedding Banquet" in Los Angeles (Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire)
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5. Juni 2025, 02:08h 5 Min.
Kelly Marie Tran, 1989 in San Diego als Tochter von aus Vietnam geflüchteten Eltern geboren, gelang nach zahlreichen Mini-Rollen der große Durchbruch 2017 als Mechanikerin im Blockbuster "Star Wars: Die letzten Jedi" und dessen Fortsetzung. Beinahe verlor sie nach endlosen rassistisch-toxischen Anfeindungen durch "Star Wars"-Fans die Lust an der Schauspielerei und konzentrierte sich eine Weile lang auf Sprechrollen bei Animationsfilmen wie "Raya und der letzte Drache".
Nun kehrt sie, kein Jahr nach ihrem öffentlichen Coming-out als queere Person, mit "The Wedding Banquet" auf die Leinwand zurück (Filmkritik von Ralf Kaminski). Wir trafen sie in London zum Interview.

Poster zur Film: "The Wedding Banquet" startet am 5. Juni 2025 bundesweit im Kino
Ms. Tran, waren Sie mit Ang Lees "Das Hochzeitsbankett" vertraut, bevor Sie nun eine der Hauptrollen im recht freien Remake "The Wedding Banquet" von Andrew Ahn übernommen haben?
Klar, den habe ich gesehen, als ich noch ziemlich klein war. Mein Vater ist ein riesiger Film-Fan, und wir Kinder haben da ziemlich viel mitgeguckt. Meine Aufmerksamkeits-Spanne damals war eher überschaubar, deswegen war Ang Lees Film sicherlich nicht unbedingt das Richtige für mich. Aber bevor nun unsere Neuauflage im Januar beim Festival in Sundance seine Weltpremiere feierte, habe ich ihn mir endlich wieder einmal angesehen. Und war begeistert zu sehen, wie viele kleine Referenzen an das Original Andrew in "The Wedding Banquet" eingebaut hat. Oft nur in ganz kleinen Gesten.
Eine Geschichte wie diese, in der fast alle Figuren queer und nicht weiß sind, ist auch im Jahr 2025 noch eine echte Seltenheit. Welcher Aspekt des Drehbuchs hat Sie besonders angesprochen?
Speziell berührt hat mich etwas, das im Film eigentlich kein zentrales Thema ist, nämlich die internalisierte Homophobie, die meine Figur in sich selbst erkennt, obwohl sie eine lesbische Frau und in einer glücklichen Beziehung ist. Das ist ein sehr spezifisches Phänomen, das die meisten heterosexuellen Menschen nicht unbedingt verstehen dürften. Ich selbst war mir dessen auch nicht bewusst, bevor ich zum ersten Mal eine Beziehung mit einer anderen Frau war. Das ist so wie Männer natürlich nicht sonderlich viel über internalisierte Misogynie wissen, einfach weil sie ihr selten offenkundig begegnen. Im Fall der von mir gespielten Angela ist da jedenfalls eine sehr komplexe Angelegenheit, die viel mit ihrer aus China stammenden Mutter zu tun hat, die erst sehr spät ihr Dasein als Ally und Aktivistin für die LGBTI-Community entdeckt hat. Mich hat das sehr beschäftigt, einfach weil ich solche Emotionen noch nie im Kino verhandelt gesehen habe.
Trotz dieser ernsten Untertöne ist der Film vor allem eine Komödie. Fällt Ihnen Humor vor der Kamera leicht?
Es hilft enorm, wenn man sich auf fantastische Kolleg*innen wie Lily Gladstone oder Bowen Yang verlassen kann. Und natürlich auf ein exzellentes Drehbuch, denn eigentlich entsteht der Witz natürlich dort. Unsere Aufgabe ist es nur, die Figuren so wahrhaftig und glaubwürdig wie möglich darzustellen. Dann muss man in einer herrlich komischen Szene wie der, in der meine Figur Angela und ihre Lebensgefährtin Lee ihr Haus "entqueeren" müssen, damit es so aussieht, als könnte dort auch ein heterosexuelles Paar leben, eigentlich gar nicht mehr viel zusätzlich tun, um sie witzig wirken zu lassen.
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Gutes Stichwort! Wie lange würde es denn dauern, Ihr eigenes Zuhause zu "entqueeren"?
Sicherlich ein Weilchen, wenn ich es mir recht überlege. Normalerweise finde ich es natürlich ziemlich albern, Gegenstände als queer zu labeln. Aber wenn ich mal der Logik des Films folge, dann gibt es bei mir zuhause schon einiges zu entdecken, das als queer durchgeht. Und sicherlich vieles, was die meisten Heteros gar nicht als solches erkennen würden. Mitunter bin ich sogar selbst blind, was das angeht. Neulich habe ich ein bisschen Kunst bei Etsy gekauft, bei der ich gar nicht darüber nachdachte, dass sie sonderlich queer sei. Aber prompt kam eine Freundin vorbei und sagte: "Wow, wie lesbisch ist das denn?!"
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Übertragen auf Ihre Arbeit als Schauspielerin könnte man also vielleicht fragen: Schwingt Ihre Queerness womöglich immer mit, ganz gleich, ob sie für den Film eine Rolle spielt oder doch für die meisten unsichtbar bleibt?
Hm, da bin ich nicht sicher. Aber vielleicht schwingt tatsächlich immer etwas mit, das nur manche Menschen wahrnehmen. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass ich schon oft in latent queeren Rollen besetzt wurde, bevor ich selbst überhaupt begriffen habe, dass ich queer bin. Und letztlich haben diese Rollen wahrscheinlich sogar mein Coming-out mit auf den Weg gebracht.
Oh, das ist interessant. Welche Rollen meinen Sie?
Die Protagonistin im Animationsfilm "Raya und der letzte Drache" ist bei genauem Hinsehen zum Beispiel enorm queer. Und neulich schickte mir jemand einen kleinen Clip aus dem Animationsfilm "Die Croods – Alles auf Anfang", in dem ich die beste Freundin von Emma Stone war. Da gibt es eine ganze Szene, in der es nur um uns als "girlfriends" geht. Die habe ich plötzlich mit ganz neuen Augen gesehen. Vielleicht ist es wirklich so, dass die Casting-Agent*innen in meinem Auftreten etwas wahrgenommen haben, was ich selbst damals noch gar nicht realisiert hatte.
The Wedding Banquet. Komödie. USA 2025. Regie: Andrew Ahn. Cast: Bowen Yang, Lily Gladstone, Kelly Marie Tran, Joan Chen, Han Gi-chan, Yuh-Jung Youn. Laufzeit: 103 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Universal. Kinostart: 5. Juni 2025
Links zum Thema:
» Deutsche Homepage zu "The Wedding Banquet"
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» "The Wedding Banquet": Lohnt sich die Neuverfilmung? (31.05.2025)
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