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Protest

In Ungarn in Haft: Maja T. kündigt Hungerstreik an

Die in der linken Szene als Maja T. bekannte nichtbinäre Person steht seit Monaten in Budapest vor Gericht. Aus Protest will Maja in den Hungerstreik treten – Unterstützer*innen hoffen auf ein Verfahren in Deutschland.


Demo für Maja T. Anfang des Jahres in Jena (Bild: IMAGO / Paul-Philipp Braun)
  • 5. Juni 2025, 08:52h 3 Min.

Aus Protest gegen die Haft in Ungarn will die in der linken Szene als Maja T. bekannte, mutmaßlich linksextreme deutsche Person in einen Hungerstreik treten. "Hier in Ungarn bin ich in Isolationshaft lebendig begraben", teilte Maja T. schriftlich mit. Der Hungerstreik sei ein letzter Versuch, ein gerechtes Gerichtsverfahren zu erleben und nach Deutschland überstellt zu werden.

Maja T. ist eine nichtbinäre Person, deren Identität in Ungarn nicht anerkannt wird. Maja beklagte bereits zu Prozessbeginn im Februar, unter "menschenunwürdigen Bedingungen" in Einzelhaft gehalten zu werden. Damals war unter anderem von Schlafentzug durch stündliche Kontrollen in der Zelle sowie von mangelnden hygienischen Bedingungen die Rede. Zudem hätten nicht alle Prozessakten in deutscher Übersetzung vorgelegen.

Im Dezember 2023 war Maja T. in Berlin verhaftet und im Juni 2024 nach Ungarn ausgeliefert worden – obwohl das Bundesverfassungsgericht dies mit Verweis auf Maja Nichtbinarität und die schlechten Haftbedingungen in Ungarn untersagt hatte. Doch die Behörden warteten nicht auf die Entscheidung aus Karlsruhe (queer.de berichtete).

Vater vergleicht Haftbedingungen mit Folter

Majas Vater Wolfram Jarosch erklärte, man wolle, dass Maja ein faires Verfahren in Deutschland bekomme. Isolationshaft gelte als psychische Folter, wenn sie länger als 14 Tage andauere, für Maja dauere diese Form der Haft bereits fast elf Monate an. Außerhalb der Zelle werde Maja T. in Handschellen und Fußfesseln an einer Leine geführt von vier bewaffneten Beamt*innen, heißt es in der Erklärung der beiden. Die neue Bundesregierung müsse Maja "nach Hause holen", so Jarosch.

Die ungarische Staatsanwaltschaft wirft Maja vor, im Februar 2023 in Budapest an Angriffen auf tatsächliche und vermeintliche Rechtsextreme beteiligt gewesen und damit für schwere Körperverletzungen mitverantwortlich zu sein. Die Anklage zählte schwere Verletzungen der Opfer auf: Knochenbrüche an Fingern und im Gesicht, Platzwunden, eine Gehirnerschütterung. Nur durch Zufall seien die Verletzungen nicht lebensbedrohlich gewesen.

Zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Gewalttaten feierten Ungarns Rechtsextreme wie jedes Jahr eine Episode vom Ende des Zweiten Weltkriegs, die sie "Tag der Ehre" nennen: Am 11. Februar 1945 versuchten Soldaten der Wehrmacht im von der Roten Armee belagerten Budapest vergeblich einen letzten "Ausbruch", nachdem die Wehrmacht den Kampf bereits praktisch verloren hatte.

T. lehnte zum Verhandlungsbeginn im Februar ein Angebot der Staatsanwaltschaft ab, ein Schuldgeständnis abzulegen und dafür ohne weitere Verhandlung 14 Jahre Haft zu akzeptieren. Daher muss Maja einen langen Prozess durchstehen, an dessen Ende das Höchst-Strafmaß von 24 Jahren drohen könnte. (dpa/cw)

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