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Interview

Warum schläft Miranda mit einer jungfräulichen Nonne, Michael Patrick King?

Auf Sky und Wow ist jetzt die dritte Staffel von "And Just Like That..." zu sehen. Wir sprachen mit Serienschöpfer Michael Patrick King über die Queerness der neuen Folgen, Hate-Watching und Pläne für die vierte Season.


"Beim Dating hat sie sich ja immer schon etwas unbeholfener angestellt": Miranda (Cynthia Nixon) und die unerfahrene Nonne Mary (Rosie O'Donnell) landen zusammen im Bett (Bild: Warner Bros.)

Mit Anfang 20 zog Michael Patrick King, geboren 1954 in Pennsylvania, nach New York und begann seine Karriere als Comedy- und Theaterautor. Echte Karriere machte er schließlich beim Fernsehen. Seit den 1990er Jahren war er an den Drehbüchern zahlreicher der erfolgreichsten, witzigsten, manchmal campen und nicht selten queersten Serien überhaupt beteiligt, von "Murphy Brown" und "Cybil" bis "Will & Grace" und "The Comeback". Die Sitcom "Two Broke Girls" dachte er sich ebenso aus wie "AJ and the Queen" mit RuPaul.

Am meisten wird Kings Name allerdings bis heute mit "Sex and the City" assoziiert. Von Anfang an gehörte er zum Autor*innen-Team von Serienschöpfer Darren King, er inszenierte zahlreiche Episoden (und wurde dafür zweimal mit dem Emmy bedacht) und zeichnete später auch für die beiden Kinofilme und nun die Nachfolgeserie "And Just Like That..." verantwortlich.

Anlässlich deren dritter Staffel, die seit dem 30. Mai 2025 bei Sky und Wow zu sehen ist, sprachen wir ihn im Interview.

Mr. King, Queerness gehörte immer schon zur Welt von "Sex and the City", aber durch Mirandas Coming-out ist das Thema in "And Just Like That..." nun noch viel präsenter. Worauf kam es Ihnen diesbezüglich beim Entwickeln der Storyline von Staffel 3 besonders an?

Ich liebe die Entwicklung sehr, die Miranda als Figur seit den Anfängen von "Sex and the City" durchgemacht hat. Das Entdecken ihrer eigenen Queerness war für sie erst einmal ein ziemlich holpriger Weg, aber so war es früher auch bei allen anderen entscheidenden Weggabelungen in ihrem Leben. Sei es die Frage, ob sie heiraten will oder nicht, oder die Frage, ob sie eigentlich ein Kind bekommen möchte – das war bei Miranda immer alles kompliziert und mit vielen Aufs und Abs verbunden. Deswegen habe ich mich so gefreut, dass sie in den neuen Folgen nun an einem Punkt abgekommen ist, wo sie aus dem Gröbsten heraus ist, um es einmal so auszudrücken. Sie steht auf etwas sichereren Füßen, und hat beispielsweise gleich in der ersten Episode der neuen Staffel eine Begegnung mit einer von Rosie O'Donnell gespielten Frau, wo sie sogar die erfahrenere von beiden ist. Überhaupt, dass Miranda nun wieder Single ist und auf Dates geht, war für uns Autor*innen ein großer Spaß. Denn beim Dating hat sie sich ja immer schon etwas unbeholfener angestellt als ihre Freundinnen. Das ist nun mit Frauen statt Männern nicht anders.


Michael Patrick King (M.) mit Cynthia Nixon (l.) und Sarah Jessica Parker am Set von "And Just Like That…" ( (Bild: IMAGO / Cover-Images)

Ist Cynthia Nixon, die ja selbst queer ist, besonders involviert in die Gestaltung ihrer Handlungsstränge?

Wir Autor*innen schreiben die Drehbücher, die Schauspielerinnen spielen. Aber natürlich ist Cynthia immer auf dem Laufenden darüber, was wir planen. Genau wie ich das auch mit Sarah Jessica Parker und Kristin Davis handhabe. Zwischen den dreien, mir sowie Miranda, Carrie und Charlotte besteht eine so intensive wie intuitive Bindung, dass wir eigentlich immer am gleichen Strang ziehen. Wir kennen diese Figuren einfach in- und auswendig.

Sie haben gerade schon den Gastauftritt von Rosie O'Donnell erwähnt. Wie kam es dazu?

Bevor es um die Besetzung ging, hatte ich erst einmal die Idee für diese Figur. Mein oberstes Prinzip beim Schreiben ist stets, dass ich mich nie wiederholen möchte. Also musste ich erst einmal die Frage beantworten: Was hatten wir bei Miranda und dem Thema Sex noch nie? Die erste Antwort lautete: eine Jungfrau. Und die zweite: eine Nonne. Sich auf dieses, in jedem Wortsinn, jungfräuliche Gebiet zu begeben, war für mich als schwulen Katholiken natürlich ein Fest. Rosie war dann einfach die perfekte Wahl für diese Rolle, weil ich wusste, dass sie so etwas mit Authentizität und Humor spielen kann, ohne die Figur zur Lachnummer werden zu lassen.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur dritten Staffel
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Beim schwulen Italiener Giuseppe, dem Freund von Anthony, war die Gefahr von Klischees vermutlich besonders groß, oder?

Deswegen war mir ganz wichtig, dass er von einem echten Italiener gespielt wird. Und weil Sebastiano Pigazzi nicht nur toll aussieht, sondern auch sehr überzeugend einen Dichter verkörpert, ist die Figur sehr viel feinsinniger und eleganter als der typische Komödien-Italiener. Dieses Mal taucht ja nun auch seine Mutter Gianna auf, gespielt von der einzigartigen Patti LuPone. Wobei da der Gag ist, dass die eigentlich aus Buffalo stammt und erst später nach Rom gezogen ist. Da nehmen wir die Klischees also nochmal ganz anders aufs Korn.

Würden Sie eigentlich sagen, dass "And Just Like That..." sich in erster Linie an die "Sex and the City"-Fans von damals richtet? Oder doch auch an neue, womöglich auch jüngere Zuschauer*innen?

Natürlich wollen wir unbedingt beide Zielgruppen erreichen. Was uns auch gut zu gelingen scheint. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass in den USA "Sex and the City" zuletzt auf Netflix verfügbar war und dort von ganz vielen jungen Leuten zum ersten Mal gesehen wurde. Wissen Sie, wovon junge Frauen in ihren Zwanzigern dabei am meisten fasziniert sind? Dass die Menschen in der Serie nicht die ganze Zeit an ihren Telefonen hängen. Sich einfach zu unterhalten und sein Gegenüber anzugucken, das finden sie ein tolles Konzept. Plötzlich haben die Sehnsucht nach einer Zeit, die sie selbst nie erlebt haben.

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Gleichzeitig gibt es auch durchaus laute Stimmen, die "And Just Like That..." nicht viel abgewinnen können beziehungsweise die Serie angeblich hate-watchen…

Was meinen Sie, warum es in der neuen Staffel einen kleinen Running Gag gibt, bei dem Miranda eine Reality-Show hate-watched! Wobei ich sagen muss: Ich glaube gar nicht ans Hate-Watchen. Wenn man etwas wirklich hasst, dann tut man sich das nicht an. Wer eine Serie einschaltet und dranbleibt, der sieht darin zumindest irgendetwas, das ihm gefällt. Das heißt ja nicht, dass man sich nicht auch gleichzeitig daran reiben oder sich darüber ärgern kann.

Ob es auch noch eine vierte Staffel geben wird, steht offiziell noch nicht fest. Hätten Sie trotzdem schon Ideen?

Na klar, Ideen habe ich immer. Einen großen Bogen habe ich noch nicht entworfen, dafür ist es zu früh. Aber jede Menge wunderbare Einfälle, wie es mit Carrie und Co. weitergehen könnte, schwirren mir schon durch den Kopf.

-w-