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Heimkino

Körperliche Autonomie ohne Pathos und Dramatisierung

Die Dokumentation "Notre Corps – unser Körper" stellt eine öffentliche gynäkologische Klinik in Paris vor, in der sich auch eine trans Frau zu einer Hormontherapie beraten lässt.


Claire Simon stellt in "Notre Corps" die körperliche Autonomie ins Zentrum – ohne Pathos, ohne Dramatisierung (Bild: Absolut Medien)
  • 8. Juni 2025, 11:19h 2 Min.

Mit behutsamem Blick nähert sich die französische Filmemacherin Claire Simon dem Innenleben einer öffentlichen gynäkologischen Klinik in Paris. In ihrem Dokumentarfilm "Notre Corps – unser Körper" begleitet sie Patient*innen und medizinisches Personal, beobachtet Gespräche über Endometriose, Schwangerschaftsabbrüche, Geburten, Krebserkrankungen, psychische Belastungen und hormonelle Transitionen. Auch eine ältere trans Frau kommt zu Wort, die sich in der Klinik zu einer Hormontherapie beraten lässt. Was als beobachtende Annäherung beginnt, entwickelt sich zu einer zunehmend persönlichen Auseinandersetzung mit Fragen von Körper, Gesundheit, Identität und Sichtbarkeit.

Was bedeute tes, in einem weiblich gelesenen Körper zu leben?


"Notre Corps – unser Körper" ist auf DVD erschienen

Simon fügt fragmentarische Einblicke in medizinische Routinen und intime Gespräche zu einem vielschichtigen Bild dessen zusammen, was es bedeutet, in einem weiblich gelesenen Körper zu leben – oder in einem Körper, der nicht in medizinische Normen passt. Der Film offenbart dabei nicht nur individuelle Geschichten, sondern legt auch offen, wie stark gesellschaftliche und institutionelle Strukturen den Zugang zu medizinischer Versorgung, das Selbstverständnis von Patient*­innen und die Kommunikation über körperliche Erfahrungen beeinflussen. Sichtbar wird ein Gesundheitssystem, das unter dem Druck kapitalistischer Effizienzlogik zunehmend entmenschlicht zu werden droht.

Claire Simon, eine der prägenden Stimmen des französischen Dokumentarfilms, stellt die körperliche Autonomie ins Zentrum – ohne Pathos, ohne Dramatisierung. Sie zeigt, wie das Schweigen über Menstruation, Krankheit, Geburt, Alter oder geschlechtliche Selbst­bestimmung kein individuelles Versagen ist, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Tabus. "Notre Corps" wird so zu einer leisen, aber eindringlichen Reflexion über Fürsorge, Verletzlichkeit und die politische Dimension des Körpers. Der bewegende Dokumentarfilm ist jetzt auf DVD fürs Heimkino (Amazon-Affiliate-Link ) erschienen. (dd/pm)

Infos zum Film

Notre Corps – unser Körper. Dokumentarfilm. Frankreich 2023. Regie: Claire Simon. Laufzeit: 168 Minuten. Sprache: französische Originalfassung. Untertitel: deutsch. Bonusmaterial: Essay zum filmischen Werk von Claire Simon, Bildergalerie, Trailer. FSK 0. Verleih: Absolut Medien.

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