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Dokumentarfilm
Warum ist Kamerun so homophob?
Homosexualität ist in Kamerun verboten und gesellschaftlich tabuisiert. Der nach Deutschland ausgewanderte Filmemacher Appolain Siewe reist in seine Heimat, um das zu verstehen. Seine Doku "Code der Angst" ist eine vielstimmige Spurensuche.

Der Dokumentarfilm "Code der Angst" ist ein vielstimmiges Dokument, das den enormen Mut kamerunischer Aktivist*innen zeigt (Bild: EinheitFilm Produktion)
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11. Juni 2025, 03:22h 3 Min.
Einen Strich. Mehr trägt der Gerichtsmediziner nicht ein, als er die Todesursache von Eric Lembembe ausfüllt. Der queere Aktivist und Journalist aus Kamerun wurde 2013 gefoltert und zu Tode geprügelt. Weil er schwul war, schreiben manche. Nein, weil der Schlägertrupp homophob ist.
Der kamerunische Filmemacher Appolain Siewe kam Ende der 1990er Jahre zum Studieren nach Berlin. Jetzt reist er in seine Heimat, weil er sich fragt, woher der dortige Hass auf Homosexuelle und queeres Leben kommt. Er ist selbst nicht schwul, aber weiß als Schwarzer, was Diskriminierung bedeutet.
Homosexualität komme aus dem Westen
Seine Spurensuche führt ihn zu alten Freunden, seiner Familie, Aktivist*innen und Expert*innen. Sein Vater will nicht mit ihm über dieses "westliche Thema" sprechen. Sein Onkel sagt, er müsste sich von der "westlichen Denkweise" reinwaschen. Und auch seine Freunde von früher kommen ihm jetzt fremd vor. Warum "der Westen" den afrikanischen Ländern seine Lebensweise aufzwingen wolle, fragen sie.
Das ist das Narrativ, dem er am häufigsten begegnet: Homosexualität komme aus dem Westen. Das sei falsch und sündhaft, damit wolle man hier nichts zu tun haben. Die eigene Kultur sei heterosexuell. Etwas anderes wolle man sich nicht vom Westen vorschreiben lassen.

Szene aus "Code der Angst" (Bild: EinheitFilm Produktion)
Deutsche töteten Homosexuelle "im Namen der Zivilisation"
Dabei ist es genau andersrum: Vor der Kolonialisierung waren homosexuelle Handlungen, teilweise in Ritualen, in einigen Völkern verbreitet. Der deutsche Ethnologe Günther Tessmann schrieb 1921 sogar ein ganzes Buch über "die Homosexualität bei den N* Kameruns". Erst die Kolonialherren – zunächst aus dem Deutschen Reich, dann aus Großbritannien und Frankreich – führten homofeindliche Denkweisen ein.
Die ersten Morde an Homosexuellen in Kamerun haben Deutsche "im Namen der Zivilisation" begangen, erklärt der kamerunische Sozialanthropologe Basile Ndjio. Und heute leiden queere Menschen "im Namen der afrikanischen Kultur, erfunden von der westlichen Welt". Es werden also Werte verteidigt, die gar nicht aus dem Land stammen. Später verstärkten die Kirchen homofeindliche Ressentiments. Ein Ausschnitt einer Predigt zeigt, wie heterosexuelle Ehen propagiert werden.
Ein Pastor sagt, die Bibel werde missbraucht
Der Dokumentarfilm "Code der Angst" lässt noch weitere Expert*innen aus Kamerun zu Wort kommen, die sich gegen die Diskriminierung queerer Menschen einsetzen. Der evangelische Pastor Jean-Blaise Kenmogne etwa, der sagt, viele Menschen missbrauchen die Bibel und den Koran, um Homosexuelle zu verfolgen. Dafür wurde er von seiner Kirche für ein Jahr exkommuniziert. Oder der mittlerweile verstorbene Philosoph und Theologe Fabien Eboussi Boulaga, der von der "Naivität einiger Afrikaner" spricht, die Homosexualität ablehnen, obwohl sie früher weit verbreitet gewesen ist.
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Der Mut queerer Aktivist*innen
Auch Aktivist*innen wie Lambert Marc Lamba – einen Freund des ermordeten Eric Lembembe – kommen in der Doku zu Wort. Ihm kommen die Tränen, als er von Eric und der alltäglichen Angst vor Diskriminierung und Übergriffen spricht. Die bekannte Menschenrechtsanwältin Alice Nkom, mittlerweile 80 Jahre alt, erzählt von ihrem lebenslangen Kampf für Menschenrechte. Deshalb ist sie Anfang des Jahres selbst ins Visier der Behörden geraten (queer.de berichtete).
"Code der Angst" ist ein vielstimmiges Dokument, das den enormen Mut kamerunischer Aktivist*innen zeigt. Der Film erklärt aber auch, wo die Wurzeln der Homophobie liegen. Vor allem macht die Doku deutlich: Es gibt in dem Land vielfältige Stimmen. Nicht das ganze Land ist queerfeindlich, sondern viele wollen Veränderung – und gehen damit enorme Risiken ein.
Code der Angst. Dokumentarfilm. Deutschland 2023. Regie: Appolain Siewe. Laufzeit: 82 Minuten. Sprache: deutsche Fassung, teilweise Original mit deutschen Untertiteln. FSK 12 Verleih: Drop-Out Cinema. Kinostart: 5. Juni 2025
Links zum Thema:
» Alle Kinotermine auf der Homepage von Drop-Out Cinema
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