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"70 Schuss habe ich noch"

Wernigerode: Offenbar Anschlag auf CSD Harz vereitelt

Vor dem CSD am 7. Juni in Wernigerode kündigte ein 20-Jähriger an, mit scharfer Munition auf die Teilnehmer*innen schießen zu wollen. Die Polizei reagierte schnell – und wurde bei einer Hausdurchsuchung tatsächlich fündig.


Am CSD Harz in Wernigerode beteiligten sich am 7. Juni 2025 knapp 400 Menschen (Bild: IMAGO / Frank Drechsler)
  • 11. Juni 2025, 08:17h 2 Min.

Der CSD Harz in Wernigerode hätte in diesem Jahr in einer Katastrophe enden können. Wie erst jetzt bekannt wurde, soll ein 20-Jähriger im Vorfeld der Demo am 7. Juni damit gedroht haben, mit Schusswaffen auf die CSD-Teilnehmer*­innen zu schießen. Bei einer Hausdurchsuchung im Stadtteil Hasserode wurde bei dem Verdächtigen tatsächlich Munition sowie ein verschlossener Tresor entdeckt, dessen Inhalt derzeit noch geprüft wird.

"Wir nehmen solche Straftaten ernst und verfolgen sie", erklärte die zuständige Staatsanwaltschaft Halberstadt. Aufgrund der laufenden Ermittlungen würden derzeit keine weiteren Details etwa zu Waffen oder möglichen Komplizen herausgegeben. Der Verdächtige befindet sich weiterhin auf freiem Fuß.

Der CSD-Verein erstattete Anzeige

Nach einem Bericht der "Volksstimme" (Bezahlartikel) soll der 20-Jährige wenige Tage vor dem Event in einer Kneipe offen über den Anschlagsplan gesprochen haben. "70 Schuss habe ich noch", soll er geprahlt haben. "Die Drohung wurde an uns vom CSD-Verein herangetragen. Wir haben umgehend Anzeige bei der Polizei erstattet", erklärte Falko Jentsch vom CSD-Verein. Die Polizei nahm die Drohung ernst. Durch das schnelle Eingreifen der Ermittler*innen konnte womöglich Schlimmeres verhindert werden.

In der queeren Community hinterlasse der offene Hass Spuren, erklärte Jentsch gegenüber der Regionalzeitung: "Ich weiß von Jüngeren, deren besorgte Eltern ihnen die Teilnahme an einem CSD verbieten." Auch Jenny Rasnov, die den CSD Harz moderierte, sprach davon, im Vorfeld des Auftritts "Angst um Leib und Leben" gehabt zu haben.

Oberbürgermeister zeigt sich "erschüttert"

"Mich erschüttern diese Vorkommnisse sehr, denn sie überschatten diesen bunten Tag, den wir hier in Wernigerode erleben durften", erklärte Wernigerodes Oberbürgermeister und CSD-Schirmherr Tobias Kascha gegenüber der "Volksstimme". Bedrohungen gegen queere Menschen und ihre Unterstützer*innen dürften niemals toleriert werden, so der SPD-Politiker. "Der CSD steht für Toleranz, Weltoffenheit und Sichtbarkeit für alle Menschen – Werte, die uns allen doch eigentlich wichtig sein sollten."

Der CSD-Demonstration am 7. Juni in Wernigerode verlief weitestgehend störungsfrei. Ein großes Polizeiaufgebot schützte die knapp 400 Teilnehmer*innen. Während der Veranstaltung kam es allerdings zu homophoben Pöbeleien. Die Polizei versuchte zu deeskalieren und nahm die Personalien der Störer auf.

Im Stadtgebiet von Wernigerode wurden zudem rund 250 queerfeindliche Aufkleber sowie Schmierereien und Plakate entdeckt. Nach der Parade wurde von unbekannten Personen ein hochwerter Wasserspender im Wert von etwa 2.500 Euro von einem CSD-Truck gestohlen. (mize)

-w-