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Buchtipp
Unterdrückte Gefühle in Malaysia
Der atmosphärisch starke Roman "Das Haus der Türen" von Tan Twan Eng stellt den schwulen Schriftsteller Somerset Maugham in den Mittelpunkt. Das komplizierte Seelenleben der Protagonist*innen wird behutsam ausgeleuchtet.
- 17. Juni 2025, 10:07h 2 Min.
Somerset Maugham (1874-1965) war einer der populärsten Schriftsteller des britischen Empire. In Tan Twan Engs "Das Haus der Türen" (Amazon-Affiliate-Link )wird er selbst zum Protagonisten einer fein verwobenen Geschichte, die in Malaysia Anfang des 20. Jahrhunderts spielt. In Penang ist Maugham die Attraktion der feineren britischen Kolonialgesellschaft. Was keiner weiß: Der Schriftsteller steckt in großen finanziellen Nöten und braucht dringend Stoff für eine neue Geschichte. Da öffnet ihm Lesley Hamlyn, die Frau eines Freundes, ihr Herz.
Einst unterstützte sie eine chinesische Rebellenbewegung, hatte eine heimliche große Liebe und stand ihrer Freundin in einem spektakulären Mordprozess zur Seite. An langen tropischen Abenden finden der homosexuelle Autor und die von ihrer Ehe enttäuschte Lesley Vertrauen zueinander.
Gesellschaftliche Zwänge und starre Geschlechterrollen

"Das Haus der Türen" ist im April 2025 bei DuMont erschienen
"Das Haus der Türen" ist ein atmosphärisch starker Roman, der mit Eleganz und Feingefühl das komplizierte Seelenleben seiner Protagonist*innen behutsam ausleuchtet. Er erzählt von unterdrückten Gefühlen, gesellschaftlichen Zwängen und starren Geschlechterrollen. Zudem vermittelt der in Penang geborene Autor einen wahrhaftigen Eindruck von der multikulturellen, streng hierarchisch strukturierten Gesellschaft im damaligen Britisch-Malaya.
Die queere Dimension des Buches entfaltet sich vor allem in den Parallelen zwischen Lesleys und Maughams Leben. Beide kämpfen mit der erdrückenden Last gesellschaftlicher Konventionen, die ihre wahren Identitäten und Leidenschaften unterdrücken. Während Lesley erkennt, wie aussichtslos ihre Liebe ist und welche Konsequenzen ein Ausbruch aus ihrer Ehe hätte, bleibt auch Maugham ein Gefangener der Normen seiner Zeit.
Lesleys einziger Trost liegt in der Hoffnung, ihren Geliebten eines Tages wiederzusehen. Doch ihr Ehemann Robert hat längst beschlossen, das Kapitel Malaysia zu schließen und einen Neuanfang in Südafrika zu wagen – ein Schritt, der Lesley noch weiter von ihrem Verlangen und ihrer inneren Freiheit entfernt. (cw/dpa)
Tan Twan Eng: Das Haus der Türen. Roman. Übersetzt aus dem Englischen von Michaela Grabinger. 352 Seiten. DuMont Buchverlag. Köln 2025. Gebunden mit Schutzumschlag, Glanzlack und Lesebändchen: 24 € (ISBN 978-3-7558-0018-7), E-Book: 19,99 €
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