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"Hass ist okay, Sexualität ein No-Go"
YouTube schaltet schwulen Präventionskanal IWWIT ab
US-Konzerne bestimmen mehr und mehr, was wir zu sehen bekommen – und HIV-Prävention für schwule Männer ist für Youtube und Co. offenbar ein rotes Tuch. Aufrufe zum Hass gegen Homosexuelle werden dagegen geduldet.

Wer etwas über HIV-Prävention wissen will, wird von Youtube aufgefordert, sich für etwas anderes zu interessieren (Bild: youtube.com)
- 17. Juni 2025, 13:42h 3 Min.
- Zu Update springen: YouTube-Kanal teilweise wieder verfügbar (17:15h)
Die amerikanische Videoplattform Youtube hat Anfang Juni ohne Vorwarnung den Kanal von "Ich weiß, was ich tu" (IWWIT) gelöscht. Das teilte die Deutsche Aidshilfe am Dienstag mit. IWWIT ist Präventionskampagne der Deutschen Aidshilfe (DAH) für schwule Männer und andere queere Menschen. Demnach erfolgte der Rauswurf ausgerechnet zum Beginn des Pride-Monats Juni.
"Die Löschung unseres Kanals zu Beginn der CSD-Saison ist ein Schlag ins Gesicht der queeren Community. Youtube schadet damit der Gesundheit vieler Menschen", erklärte DAH-Vorstandsmitglied Winfried Holz. "Aufklärung über HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen lebt davon, dass wir in der Öffentlichkeit offen und wertschätzend über Sexualität sprechen können."
DAH: Prävention ist keine Pornografie
Youtube begründete den Schritt in einer Standardmail mit Verstößen gegen die firmeninternen Richtlinien zu "Sex und Nacktheit". Allerdings habe es laut DAH vorher weder Beanstandungen einzelner Inhalte, noch eine Vorwarnung. Im Kanal seien keinerlei pornografische oder anderweitig anstößige Inhalte zu sehen gewesen. "Wo von Sexualität die Rede und nackte Haut zu sehen war, diente dies dem Zweck der Prävention – auf Basis wissenschaftlicher Grundlagen", so die DAH.
?? Einfache Sprache: Pr3P schützt vor H!V – aber muss es immer eine Tablette sein? ? Viele Menschen nehmen Pr3P – eine...
Posted by ICH WEISS WAS ICH TU on Sunday, May 25, 2025
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Die Inhalte der Präventionskampagne werden in der Regie der Deutschen Aidshilfe von schwulen Männern und anderen queeren Menschen selbst produziert. Die Kampagne wird über den BzGA-Nachfolger Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG) gefördert und mit diesem fachlich abgestimmt.
"Sexualfeindliche Politik" aus Amerika
Die Löschung des YouTube-Kanals von "Ich weiß, was ich tu" sei ein trauriger Höhepunkt "einer sexualfeindlichen Politik der großen Social-Media-Konzerne aus den USA". Die Zensur ließe dabei unberücksichtigt, ob es sich um eine Darstellung zur sexuellen Stimulation oder Aufklärung handle.
"Unter diesen Bedingungen ist es fast unmöglich, lebensnahe Prävention zu machen", so Holz weiter. "In unserer Arbeit greifen wir die Realität unserer Zielgruppen auf, sprechen klar und deutlich über Sex, Schutzstrategien und Gesundheit und ermutigen zu einem selbstbewussten Umgang mit der eigenen Sexualität. Dabei stoßen wir ständig an die Grenzen von Google, Meta und Co. Es kann nicht sein, dass gesundheitliche Aufklärung in Deutschland von den moralischen Vorstellungen US-amerikanischer Konzerne abhängt."
Hass wird geduldet, Sexualität nicht
Während Inhalte zum Thema Sexualität schnell zensiert werden würden, bleiben diskriminierende Äußerungen, etwa gegen queere Menschen, oft stehen, beklagte die Aidshilfe weiter. Menschenfeindlichkeit werde geduldet und mit Meinungsfreiheit begründet. Verschärft habe sich dieses Problem seit Beginn der zweiten Amtszeit Donald Trumps.
"In der Summe wird die fatale Botschaft vermittelt: Hass ist okay, Sexualität ein No-Go", erklärte Holz. "In einer offenen, demokratischen Gesellschaft müsste es umgekehrt sein. Hier ist die Politik gefragt: Wir brauchen klare Gesetze, die freie Rede ermöglichen, ihr aber genau dann Grenzen setzen, wenn das Wohl anderer Menschen gefährdet ist."
Auch der Facebook-Konzern Meta ist bereits mehrfach dafür kritisiert worden, im Namen der Meinungsfreiheit Hass zu dulden. In den nach Trumps Wahlsieg vorgestellten Hassrede-Regeln erlaubt Meta etwa ausdrücklich die Bezeichnung von Homosexuellen als Geisteskranke. (cw)
Update 17.15h: YouTube-Kanal teilweise wieder verfügbar
Nach Angaben der DAH hat Youtube den betroffenen IWWIT-Kanal wieder online gestellt, man vermisse aber aber noch viele Videos zu Themen wie Coming-out, Leben mit HIV und Diskriminierung. Letztlich schränke die Willkür von YouTube die Arbeit und Sichtbarkeit der Aids-Prävention immer wieder ein.
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