https://queer.de/?53992
Bad Waldsee
Nach queerfeindlicher Messerattacke: Angegriffene Regenbogenfamilie erhält 11.000 Euro Strafe
Jugendliche attackieren in Bad Waldsee eine Familie aus Queerfeindlichkeit mit einem Messer und fügen einer Frau Verletzungen im Gesicht zu. Die schwäbische Justiz reagiert eigenartig: Die Jugendlichen sind bislang nicht bestraft worden, die Opfer aber sehr wohl.

Vor dem Amtsgericht Bad Waldsee soll entschieden werden, ob die Opfer einer queerfeindlichen Attacke bestraft werden (Bild: Bubo / wikipedia)
- 18. Juni 2025, 16:15h 3 Min.
Es ist ein Fall, bei dem man nur den Kopf schütteln kann: In der oberschwäbischen Großen Kreisstadt Bad Waldsee haben laut "Stuttgarter Zeitung" (Bezahlartikel) aggressive Jugendliche Ende Juni 2024 das Haus von lesbischen Eltern mit zwei Kindern zunächst – zum wiederholten Male – mit Eiern beworfen, danach tauchte einer der Jugendlichen mit Motorradhelm auf dem Grundstück des Paares auf und verletzte eine der beiden lesbischen Frauen mit einem Survivalmesser an der Stirn. Die Wunde musste dem Bericht zufolge mit sieben Stichen in einem Krankenhaus genäht werden. Das berichtete ihre Partnerin Michaela Reuter gegenüber der Zeitung und weiteren Medien.
Die Frauen zeigten die ihnen bekannten Jugendlichen an. Wer der Messerstecher war, konnte aber bislang nicht ermittelt werden. Doch die Staatsanwaltschaft Bad Waldsee hat schon Schuldige gefunden: die beiden angegriffenen Frauen. Sie erhielten zwei Strafbefehle in Höhe von insgesamt 11.000 Euro.
Der Grund: Die beiden Frauen spürten die Täter an einem Supermarktparkplatz auf und wollten sie festhalten, bis die Polizei kommt. So wollten sie erfahren, wer der Messerstecher war. Die Jugendlichen flohen aber – und gingen dann juristisch gegen ihre Opfer vor. Laut Strafbefehl habe sich das lesbische Paar der vorsätzlichen Körperverletzung und versuchten Freiheitsberaubung schuldig gemacht. Die beiden Frauen haben bereits beim Amtsgericht Bad Waldsee Einspruch gegen die Strafbefehle eingelegt. Der Fall wird daher nun vor dem Landgericht verhandelt. Gegen die Jugendlichen gibt es dagegen bislang kein Verfahren.
Hass auf Regenbogenfahne
Grund für den Hass der Jugendlichen war offenbar, dass eine Regenbogenfahne am Haus der Regenbogenfamilie hängt. Zudem ist bekannt, dass Michaela Reuter eine trans Frau ist, die nach der Transition mit ihrer Ehefrau verheiratet blieb. Die Jugendlichen hatten sie daher wiederholt als "Schwuchtel" beschimpft. Bereits vor rund einem Jahr – also vor der Messerattacke – hatte die "Stuttgarter Zeitung" darüber berichtet und Reuter mit den Worten zitiert: "Ich bin nicht schwul. Ich bin eine Frau, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt."
Die queerfeindliche Abwertung durch die Jugendlichen geht unterdessen weiter: Reuter berichtete, dass die Jugendlichen noch immer feixend an ihr vorbeiliefen. Sie hat daher eine Entscheidung getroffen: Wenn ihre beiden Kinder die Schule beenden, will sie mit ihrer Frau Bad Waldsee und Deutschland verlassen. Sie arbeitet bereits in der Schweiz und ist nur noch am Wochenende in Bad Waldsee.
Bad Waldsee hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen gesorgt, weil eine von einer katholischen Gemeinde aufgestellte Regenbogenbank immer wieder zerstört wurde (queer.de berichtete). Inzwischen steht sie nicht mehr. Trotzdem ist der CDU-Oberbürgermeister Matthias Henne überzeugt: "Bad Waldsee ist weltoffen, bunt und zukunftsgewandt." (cw)
Korrektur: In einer früheren Version hieß es, Reuter und nicht ihre Partnerin sei mit dem Messer verletzt worden.















