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Berlin

Grüne: Senatorin muss sich bei Inácio-Stech entschuldigen

Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch hat ihre Aussagen zum Beschwerdebrief des schwulen Lehrers Oziel Inácio-Stech korrigiert. Der fordert von der CDU-Politikerin eine Aufarbeitung des Falls und seine Rehabilitierung.


Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) musste eine Falschaussage einräumen (Bild: Sandro Halank / wikipedia)

Im Fall des schwulen Lehrers Oziel Inácio-Stech fordern die Berliner Grünen Konsequenzen von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch. Die CDU-Politikerin hatte am Freitagabend frühere Aussagen korrigiert und erklärt, ein Beschwerdeschreiben des Lehrers der Carl-Bolle-Schule habe ihr doch schon am 4. Dezember 2024 persönlich vorgelegen – vorher hatte sie gesagt, sie habe es erst im Mai gelesen (queer.de berichtete).

Grünen-Fraktionschefin Bettina Jarasch warf der Senatorin Versagen vor. "Dass die Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch jetzt versucht, ihr Versagen im Fall des gemobbten Lehrers Oziel Inácio-Stech mit zwei halbgaren Sätzen an die Medien auszuräumen, zeugt von schlechtem Stil!", erklärte Jarasch laut einer Pressemitteilung. "Das Mindeste ist jetzt eine echte Entschuldigung von ihrer Seite an den Betroffenen und ein angemessener Umgang mit seiner Beschwerde." Es könne nicht sein, "dass sich Berliner Lehrkräfte mit Problemen erst an Anwälte und die Öffentlichkeit wenden müssen, um von der zuständigen Verwaltung Hilfe zu bekommen."

Grünen-Bildungsexperte Louis Krüger sagte der Deutschen Presse-Agentur, Günther-Wünsch müsse nun alle Zusammenhänge und Abläufe in ihrer Behörde aktiv aufklären. "Wer trägt welche Verantwortung?", fragte Krüger.

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Der Brief an die Senatorin kam per Einschreiben

Der offen homosexuelle Lehrer wurde nach eigenen Angaben von Schüler*innen aus muslimischen Familien monatelang beschimpft, beleidigt und gemobbt. Er beklagt außerdem Mobbing und falsche Vorwürfe durch eine Kollegin. Sein Anwalt hatte im Dezember 2024 per Einschreiben mit Rückschein einen Brief an die CDU-Politikerin geschickt.

Günther-Wünsch sagte vor acht Tagen im Abgeordnetenhaus, das umfangreiche Beschwerdeschreiben zunächst nicht gelesen zu haben. Das Schreiben sei an sie persönlich adressiert gewesen und im Dezember in ihrem Büro eingegangen. Es sei an die zuständige Stelle in der Bildungsverwaltung weitergeleitet worden. Sie selbst habe es erst im Mai gelesen. Als "Person des öffentlichen Lebens" könne sie nicht jeden an sie adressierten Brief lesen, erläuterte Günther-Wünsch noch vor gut einer Woche.

Senatorin bedauert fehlende Erinnerung

Nun erklärte sie: "Im Zusammenhang mit dem Vorgang an der Carl-Bolle-Schule hat die von mir erbetene nochmalige Prüfung der Akten am 20. Juni 2025 ergeben, dass mir das Schreiben vom 4. Dezember 2024 persönlich vorlag." Sie fügte hinzu: "Die fehlerhaften Angaben im Bildungsausschuss am 5. Juni und im Plenum am 12. Juni beruhten auf dem damaligen Stand der internen Prüfung." Im sogenannten elektronischen Postbuch sei das Schreiben nicht erfasst gewesen. "Dass mir das Vorliegen des Schreibens nicht mehr erinnerlich war, bedauere ich", hieß es in der Erklärung der Senatorin.

Gegenüber der "Berliner Zeitung" forderte Oziel Inácio-Stech ein Gespräch mit Günther-Wünsch. "Ich möchte keine Entschuldigung von der Senatorin. Ich fordere eine Rehabilitierung", sagte der schwule Lehrer. Sein Fall müsse aufgearbeitet und eine unabhängige Beschwerdestelle eingerichtet werden, an die sich Lehrer*innen und Schüler*innen bei Mobbingfällen wenden können. "50.000 Berliner Lehrkräfte haben eine bessere Senatorin verdient", so Inácio-Stech. (cw/dpa)

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