Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?54140

Streaming-Tipp

"Olympo": Sex, Doping und Intrigen ohne Ende

Hinter dem neuen Netflix-Sportdrama "Olympo" steckt die Crew der Erfolgsserie "Élite". Diesmal befinden wir uns an einer Akademie für junge Profi-Athlet*innen – darunter ein schwuler Rugbyspieler, der gegen Homophobie ankämpft.


Heimliche schwule Liebe im Rugbyteam: Sebas (Juan Perales) und Roque (Agustin Della Corte) in "Olympo" (Bild: Matías Uris / Netflix)

Neben evangelikalen Gottesdiensten und Versammlungen von Rechtsaußen-Parteien ist der Profisport wohl eine der letzten verbliebenen hochgradig queerfeindlichen Bastionen der westlichen Welt. Dies gilt insbesondere für männliche Mannschafts-Sportarten, in denen noch immer ziemlich traditionelle (Klischee-)Vorstellungen von Männlichkeit dominieren.

Dies bekommt auch Roque Pérez (Agustín Della Corte) zu spüren, der offen schwule Starspieler der Rugby-Mannschaft am Pirineros High Performance Center, einer spanischen Akademie für ambitionierte Profiathlet*innen – und Schauplatz der neuen Netflix-Serie "Olympo". Zwar ist er nicht der einzige Mann an der Schule, der auf Männer steht, aber alle anderen sind deep in the closet. So verpasst Diego (Gleb Abrosimov) Roque eine blutige Nase, als auf Social Media ein Selfie auftaucht, das die beiden in einer etwas verfänglichen Situation unmittelbar nach dem Sex zeigt. Und Rugby-Teamkollege Sebas (Juan Perales) versucht, seine Sehnsüchte zu unterdrücken, bis er sich schließlich – heimlich – doch auf Roque einlässt.

Der schwule Starspieler rettet das Team


Poster zur Serie: Alle acht Folgen von "Olympo" können seit 20. Juni 2025 exklusiv auf Netflix gestreamt werden

Nicht zuletzt verbannt der Trainer der Mannschaft seinen schwulen Spieler bei einem wichtigen Turnier in Italien auf die Ersatzbank, doch als sein Team zu verlieren droht, lässt er ihn dann doch ran. Roque ist quasi die letzte Hoffnung, das Blatt noch zu wenden. Prompt muss er sich abschätzige Sprüche aus dem gegnerischen Team anhören – doch nur dank ihm gewinnt seine Mannschaft am Ende das Spiel. Und im anschließenden TV-Interview beklagt er offen die weit verbreitete Homophobie und riskiert, sich damit noch stärker karriereschädigend zu exponieren.

Roques Storyline ist mit Abstand das Interessante, was "Olympo" zu bieten hat, die Nachfolgeserie der spanischen Drama-Soap "Élite" (2018-2024). Sie ist wie "Élite" voller attraktiver junger Menschen, die reichlich Sex haben, voller Intrigen und Geheimnisse, leidet aber gleichzeitig unter oft nur oberflächlich gezeichneten Figuren, die noch dazu meist nicht sonderlich sympathisch sind. Letztlich gieren sie alle nach sportlichem Erfolg und einem lukrativen Sponsorendeal des vage zwielichtigen Modekonzerns Olympo – und dabei ist ihnen nahezu jedes Mittel recht, unter anderem auch Doping.

Soapig-seichtes Drama

Das Training selbst, das wohl für den Erfolg am wichtigsten wäre, geht in der Serie aber vor lauter Intrigen und Beziehungsdramen fast ein wenig unter. So ist etwa die Synchronschwimmerin Amaia (Clara Galle), deren überambitionierte Mutter sie gnadenlos zum Erfolg antreibt, vor allem damit beschäftigt, dem seltsamen Verschwinden ihrer Freundin und Teamkollegin Nuria (María Romanillos) nachzuspüren und ihre kriselnde Beziehung zum Rugbyspieler Cristian (Nuno Gallego) zu navigieren. Dieser wiederum fliegt fast von der Schule und kann sich nur dank seinem älteren Bruder halten, einem früheren Rugby-Star, der nun in der Sponsoren-Jury von Olympo sitzt.

Direktlink | Englischer Trailer zur Serie
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Die etwas ernsthafteren Elemente der achtteiligen Serie – neben den queeren Geschichten insbesondere das Doping und der enorme Leistungsdruck auf die jungen Sportler*­innen – gehen inmitten des ansonsten soapig-seichten Sportdramas nahezu unter. Wer allerdings an den aktuellen warmen Sommerabenden einfach ein bisschen Zerstreuung mit reichlich nackter Haut sucht, ist bei "Olympo" sicherlich nicht schlecht aufgehoben.

Früherer Rugby-Profi in schwuler Rolle

Zudem repräsentiert Roque-Darsteller Agustín Della Corte in gewisser Weise die realen Fortschritte im Profisport. Der 27-Jährige war ein professioneller Rugby-Spieler für Uruguay und trat 2019 sogar bei der Weltmeisterschaft an. 2020 zog er sich zurück und konzentrierte sich auf die Schauspielerei; 2023 hatte er seinen ersten Auftritt im Oscar-nominierten Flugzeugabsturzdrama "Society of Snow", das auf realen Ereignissen beruht. Dass ein heterosexueller Ex-Rugby-Profi sich auf eine solche, noch dazu sexuell derart explizite Rolle einlässt, zeigt, dass sich auch in diesem Bereich etwas bewegt.

Die Queer-Kollekte
Die queere Community braucht eine starke journalistische Stimme – gerade jetzt! Leiste deinen Beitrag, um die Arbeit von queer.de abzusichern.
Jetzt unterstützen!

In einem Interview erklärte Della Corte, dass die Rolle ihm geholfen habe, mit seinen eigenen Gefühlen in Berührung zu kommen. "Roque verschaffte mir Zugang zu einer Verletzlichkeit, mit der ich mich zuvor noch nie auseinandergesetzt hatte. Es gibt da dieses Klischeebild, dass Rugbyspieler harte Kerle sein müssen. Aber einige der sensibelsten Männer, die mir je begegnet sind, waren Teamkollegen. Roque bricht mit diesen Stereotypen."

Außerdem sei er stolz, die queere Community in dieser Geschichte mitzurepräsentieren, und spüre auch eine entsprechende Verantwortung. "Es freut mich, dass diese Themen fiktional angegangen werden, denn die Ereignisse in der realen Welt zeigen, wie nötig das noch immer ist."

Galerie:
Olympo
14 Bilder
-w-