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Filmfest München
Dieser Film ist das "beste queere Langformat"
Im Rahmen des Filmfests München wurde am Montagabend erstmals der QMS Award für das "beste queere Langformat" verliehen – ein positives Zeichen in schwieriger werdenden Zeiten.

Asia Kate Dillon als Cass im preisgekrönten Film "Outerlands" (Bild: Elena Oxman)
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1. Juli 2025, 11:21h 4 Min.
Wir merken es ja längst – der Wind weht inzwischen aus einer anderen Richtung. Diversitätsprogramme werden zu einer vorübergehenden Mode erklärt und gelten für manche bereits als out. Queerfeindlichkeit liegt sozusagen im Trend, die Polizeistatistik liefert dazu die erschreckenden, stetig ansteigenden Zahlen der Hasskriminalität und Diskriminierungen gegen queere Menschen. In bestimmten Kreisen der Community heißt es sogar: Selbst schuld. Als ob die Forderung nach Gleichberechtigung etwas Unanständiges sei und nur im Bonusprogramm zu haben ist.
Und dann gibt es schließlich Politiker*innen, die ihre Ressentiments gegen queere Menschen als "neutrale" Haltung labeln und damit den wahren Grund doch nur schlecht kaschieren. Und das scheint alles erst der Anfang zu sein. Hätte uns nicht gerade die Sommerhitze fest im Griff, würde ich raten: Warm anziehen.
Aber wir lassen uns nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen. Wir wissen, wie Widerstand geht – und wir finden Unterstützung bei all jenen, denen klar ist, wer Minderheitenrechte abschaffen oder einschränken will, hat es am Ende auf die Freiheit aller abgesehen.
"Outerlands" erhält ersten QMS Award
Da kommt der QMS Award gerade richtig als ein positives Zeichen in schwieriger werdenden Zeiten. Die Queer Media Society hat am Montagabend zum ersten Mal einen Preis für das "beste queere Langformat" im Rahmen des Filmfests München verliehen. Die von dem Pop Art Künstler Stor Dubiné (Venezuela) entworfene Statue ging zusammen mit den gestifteten 4.000 Euro Preisgeld an die US-amerikanische Produktion "Outerlands" der Regisseurin Elena Oxman.
Die Verleihung fand im Theatersaal des Münchner Amerikahauses statt, und zwar in Kooperation mit der Internationalen Münchner Filmwochen GmbH, gesponsert von Warner Bros. Discovery und gefördert von der Schachtsiek Familienstiftung sowie dem FFF Bayern (FilmFernsehFonds Bayern).
Für die fünfköpfige Jury war aus insgesamt neun Produktionen zu queeren Themen der Gewinner-Film zu ermitteln. Alles Filme, die im Programm des Filmfests liefen. Wobei zu Recht darauf hingewiesen wurde, wie wichtig es ist, dass diese Filme im Mainstream-Programm liefen und sie auf diese Weise eben nicht ein Fall für die queere Nische seien. Was freilich kein Argument gegen Spezialformate und queere Festivals ist. Auch die brauchen wir weiter. Nur brauchen wir auch so etwas wie unangepasste Normalität.
Der Theatersaal im Münchner Amerikahaus war jedenfalls gut besucht, um das Ereignis mit viel Begeisterung zu feiern. Die Regisseurin Elena Oxman konnte selbst nicht anwesend sein und übermittelte ihre Dankensworte durch eine Video-Botschaft.
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Persönliche Reise einer nichtbinären Hauptfigur
Ihr Film erzählt die ungewöhnliche Geschichte von Cass, einer nichtbinären Person, die in San Francisco lebt und sich mit mehreren Jobs über Wasser hält – mit Babysitting, Restaurant-Bedienung und nebenbei noch mit Dealen. Bis eines Tages ein One-Night-Stand mit einer Kollegin das Leben von Cass auf unerwartete Weise verändert. Kalli, die Kollegin, bittet Cass, weil sie für ein paar Tage verreisen müsse, auf ihre kleine Tochter aufzupassen. Kein Problem.
Doch die Gefälligkeit wird zum Dauerjob, denn Kalli kehrt nicht zurück und ist auch telefonisch nicht erreichbar. Die Hauptrolle ist mit Asia Kate Dillon (Pronomen: they/them) hervorragend und authentisch besetzt. Überhaupt ist dies ein Film, der auf wunderbare Weise in unsere Zeit passt. Zu wünschen bleibt, dass wir nicht zu lange warten müssen, um ihn in unseren Kinos zu sehen.
Die Jury begründete ihre absolut gute Wahl so:
"Outerlands" reiht sich ein in queere Filmgeschichten, in denen Außenseiter*innen zu Held*innen werden. Im Sinne von Mut, zu sich zu finden und alte Verletzungen hinter sich zu lassen. Wir bezeugen eine sehr persönliche Reise, die zugleich – gerade in heutigen Zeiten des reaktionären Backlashs – hochpolitisch ist. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Non-Binarität der Hauptfigur erzählt wird, hat uns überzeugt, und erscheint uns besonders wesentlich angesichts einer Regierung in den USA, die die hart errungene Sichtbarkeit und Anerkennung von Gender-Diversität mit einem Federstreich abzuschaffen droht.
Lobende Erwähnung für "Oxygen Masks Will (Not) Drop Automatically"
Nicht unerwähnt sei, dass die Jury eine brasilianische Produktion zwar nicht auszeichnen konnte, aber sie für so wertvoll hielt, dass sie eine besondere Empfehlung ausgesprochen hat. Die Regisseur*innen Marcelo Gomes und Carol Minêm führen mit ihrer Miniserie "Oxygen Masks Will (Not) Drop Automatically" zurück in das Jahr 1988 und mittenhinein in die Katastrophe namens Aids. Wir erinnern uns an eine ähnliche Story in "Dallas Buyers Club", nur dass wir jetzt die Geschichte aus brasilianischer Perspektive erzählt bekommen.
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Dazu die Jury:
"Oxygen Masks Will (Not) Drop Automatically" beschwört im Brasilien der 1980er Jahre während der Aids-Krise mutig, modern und unterhaltsam die Wichtigkeit der Wahlfamilie, der Community, aber auch der Allies. (…) Wir möchten die Erwähnung auch als Aufforderung an hiesige Programmanbieter verstehen, queere historische Stoffe, aber auch Stoffe anderer – sogenannter – Minderheiten als publikumswirksam und relevant anzuerkennen.
Ja, dem kann ich mich nur anschließen. Wir brauchen all diese Geschichten. Wir brauchen diese Filme und Serien!
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