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Pride ohne Kanzler
Merz hat keine Zeit für den CSD
"Ich glaube, er würde das machen", so der Chef der Lesben und Schwulen in der Union über eine CSD-Teilnahme von Bundeskanzler Merz. Doch der lässt abwinken.

Bundeskanzler Friedrich Merz fehlt bislang der Mut, sich hinter eine Regenbogenfahne zu stellen (Bild: IMAGO / dts Nachrichtenagentur)
- 1. Juli 2025, 12:13h 2 Min.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird nicht am Ende Juli in Berlin statfindenden CSD teilnehmen. Das teilte sein Sprecher Stefan Kornelius am Montag auf Anfrage der Deutschen Textservice Nachrichtenagentur (dts) mit. Wörtlich sagte Kornelius: "Ich denke nicht, der Bundeskanzler hat andere Termine an diesem Tag."
Auf eine Frage nach dem von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) verhängten Regenbogenfahnenverbot am Reichstag antwortete der Sprecher nicht, sondern erklärte nur: "Der Christopher Street Day ist eine wichtige Veranstaltung, in der die Rechte und die gesellschaftliche Anerkennung für queere Menschen deutlich gemacht wird." Dies sei auch im Koalitionsvertrag deutlich gemacht worden. Die im April veröffentlichte Vereinbarung von CDU/CSU und SPD war allerdings von queeren Aktivist*innen scharf kritisiert worden (queer.de berichtete).
Bislang hat noch kein Bundeskanzler (und keine Bundeskanzlerin) einen CSD besucht. Merz-Vorgänger Olaf Scholz hatte sich jedoch in den letzten Jahren zum Pride-Monat mit der Regenbogenfahne gezeigt oder den CSD in Kurzbotschaften verbal unterstützt. Von Merz kamen bislang keinerlei Gesten dieser Art.
LSU lockte Merz zum CSD
Die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) hatten kürzlich eine Teilnahme von Kanzler Merz ins Spiel gebracht: LSU-Chef Sönke Siegmann erklärte letzte Woche im "Stern": "Vielleicht hat ihn noch niemand eingeladen. Ich glaube, er würde das machen." Gleichzeitig erklärte er: "Ich kann ihnen eines sicher sagen: Friedrich Merz ist kein Queerfeind."
In der Vergangenheit galt Merz jedoch nicht gerade als Freund von LGBTI-Rechten (queer.de berichtete). So stellte er im Jahr 2020 in einem Interview einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und sexuellem Missbrauch von Kindern her (queer.de berichtete).
Im Bundestagswahlkampf sagte Merz diesen Februar, er könne die Haltung von US-Präsident Donald Trump nachvollziehen, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Die LSU protestierte damals gegen diese Äußerung, ohne den Namen Merz zu erwähnen: "Wir wissen, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. Die Haltung von Menschen wie Präsident Trump können wir nicht nachvollziehen", ließ der queere Verband der Union mitteilen (queer.de berichtete). (dk)














