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Kinostart

"Hot Milk": Tochter kämpft um lesbische Affäre, ihre Mutter gegen eine Krankheit

Rose leidet unter mysteriösen Lähmungen. Mit ihrer Tochter Sofia reist sie zu einem Arzt nach Spanien. Dort eskaliert ihr schwelender Konflikt, weil Sofia sich endlich emanzipieren will.


Szene aus "Hot Milk": Sofia (Emma Mackey, r.) erliegt dem Charme der geheimnisvollen Deutschen Ingrid (Vicky Krieps) (Bild: MUBI)

Das Wasser. Rose kann dieses spanische Wasser nicht trinken. Sofia soll eine andere Marke kaufen. Und der Hund bellt ununterbrochen, wieso kettet der Nachbar den Hund auf dem Dach fest? Dieser Lärm. Und dieses Wasser. Sofia soll etwas dagegen tun.

Sofia erträgt das dauernde Gemeckere ihrer Mutter ziemlich stoisch. Die Studentin – permanente Anthropolgie-Studentin, wie Rose einmal abfällig betont – sagt kaum ein Wort, während die neurotische Rose kaum aufhört zu reden und zu motzen.

Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist nie herzlich


Poster zum Film: "Hot Milk" startet am 3. Juli 2025 bundesweit im Kino

Wenn sie beim Arzt nicht einmal nach ihrer Mutter gefragt worden wäre, hätte man meinen können, Rose und Sofia seien gar nicht verwandt. Sofia nennt sie nie Mutter, Mum, Mama, sondern immer nur Rose. Ihr Verhalten ist distanziert, stets angespannt, nie herzlich, nur in ganz wenigen Momenten können sie das durchbrechen. Dann sind da durchaus Zuneigung und Mütterlichkeit zu spüren.

Sofia kümmert sich ihr ganzes Leben lang schon um ihre Mutter. Rose sitzt seit Jahren im Rollstuhl, sie hat mysteriöse Lähmungen und Gelenkschmerzen. Nichts konnte ihr bislang helfen, deshalb reist das Mutter-Tochter-Duo ins andalusische Almería, wo Dr. Gómez ("Gómez reicht") sie behandeln soll. Ist er ein renommierter Privatarzt oder nur ein Wunderheiler? Das wird nie so ganz klar. Und will Rose überhaupt geheilt werden? Dass sie im Rollstuhl sitzt, scheint identitätsstiftend für sie geworden zu sein.

Plötzlich ist Rose eifersüchtig auf Ingrid

Sofia ist genervt davon. Teilweise rebelliert sie wie ein Teenager: Als sie auf dem Balkon raucht und Rose ihr zuruft, sie soll ihr Kleid nicht vollrauchen, stellt sie sich erstrecht daneben und pustet das Kleid voll. Sehr erwachsen.

Später lernt sie die Deutsche Ingrid kennen, von der sie sofort fasziniert ist. Die zwei Frauen flirten miteinander, sie küssen sich, doch Ingrid spielt mit Sofia. Sie hat noch ein paar Männer hier, trifft mal den einen, dann den anderen, wickelt Sofia gekonnt um den Finger, die geht ihr ins Netz. Die Affäre ist ein riesiger Lichtblick für Sofia, der doch noch etwas Urlaubsstimmung in diese Reise bringt. Doch als Rose davon etwas mitbekommt, wird sie sauer. Dann kann sich ihre Tochter ja nicht mehr richtig um sie kümmern.

Wer ist von wem abhängiger?

"Hot Milk" ist das Regiedebüt der Britin Rebecca Lenkiewicz. Sie schrieb zuvor mit Richard Glatzer das Drehbuch von "Colette" sowie den MeToo-Film "She Said". "Hot Milk" ist eine Adaption eines Romans von Deborah Levy.

Drei im Kern interessante Frauenfiguren, eine potenziell aufreibende Dynamik zwischen ihnen, dazu die Abhängigkeiten untereinander: Die Prämissen von "Hot Milk" versprechen erst einmal viel Potenzial.

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Sofia hält viel aus, aber sie kann auch ausrasten

Doch leider schafft es Regisseurin Rebecca Lenkiewicz nicht, eine ausgereifte Geschichte zu erzählen. Vieles ist redundant, manche Zeitsprünge nicht ganz klar, einige Handlungen ganz und gar überraschend und verwirrend. So reist Sofia ganz plötzlich zu ihrem griechischen Vater nach Athen, genauso schnell aber wieder zurück nach Spanien. Und Ingrids großes Geheimnis wird zwar gelüftet, aber viel mehr folgt daraus auch nicht.

Die Figuren machen zudem keine große Entwicklung durch. Der ständige Befehlston von Rose nervt immer mehr, Ingrids Sprunghaftigkeit mag sie für Sofia umso interessanter machen, mit viel mehr Charakterzügen wird sie aber nicht ausgestattet. Sofia kann zwar ausrasten und Geschirr zertrümmern, wenige impulsive Momente verdeutlichen aber nicht, was in den Köpfen der Figuren vorgeht. Auch manche fantastischen Momente – Fata Morganas, Träume, Halluzinationen? – wirken eher unvermittelt.

"Hot Milk" tritt auf der Stelle

Dabei gibt Fiona Shaw als Rose wirklich alles. Ihre Giftigkeit, die sich aus jahrelanger Verzweiflung nährt, ist spürbar, manchmal grotesk und sogar wahnsinnig komisch. Emma Mackey kann aus Sofia aber nicht mehr herausholen, als das dünne Drehbuch ihr vorgibt.

"Hot Milk" ist unausgegoren, man bekommt das Drama nicht wirklich zu fassen. Die Erzählung tritt auf der Stelle. Die Kämpfe, die Rose und Sofia kämpfen, sehen wir, spüren sie aber nicht intensiv genug.

Infos zum Film

Hot Milk. Drama. Großbritannien 2025. Regie: Rebecca Lenkiewiecz. Cast: Emma Mackey, Fiona Shaw, Vicky Krieps, Vincent Perez, Patsy Ferran, Yann Gael, Vangelis Mourikis. Laufzeit: 93 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: MUBI. Kinostart: 3. Juli 2025
Galerie:
Hot Milk
6 Bilder
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