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Evangelische Kirche
Latzel-Gemeinde: Homosexualität "gegen den Willen Gottes gerichtet"
Mit seiner Äußerung, dass Homosexualität "todeswürdig" sei, hatte Olaf Latzel vor fünf Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Dafür erhielt er eine Mini-Strafe der Kirchenführung. Jetzt stellt seine Gemeinde klar: Homosexuelle sind immer noch ein Feindbild.

Olaf Latzel (li.) neben seinem Anwalt Sascha Böttner beim Prozess vor dem Landgericht Bremen im August 2024 (Bild: IMAGO / epd)
- 2. Juli 2025, 13:56h 3 Min.
Die St.-Martini-Gemeinde In Bremen hat am Montag in einer ausführlichen Stellungnahme erklärt, dass sie nicht gegen die kirchliche Disziplinarstrafe gegen ihren Pastor Olaf Latzel vorgehen werde. Hintergrund ist, dass die Bremische Evangelische Kirche wegen abfälliger Äußerungen über queere Menschen die Bezüge um vier bis fünf Prozent gekürzt hatte (queer.de berichtete). In der Stellungnahme betont die Gemeinde aber, dass sie Homosexualität weiterhin grundsätzlich ablehne.
Der Fall geht auf ein Eheseminar Latzels im Oktober 2019 zurück, in dem er unter anderem CSD-Besucher*innen als "Verbrecher" und "gelebte Homosexualität" als "todeswürdig" bezeichnet hatte (queer.de berichtete). Nach Verhandlungen in mehreren Instanzen stellte das Landgericht Bremen einen Prozess wegen Volksverhetzung gegen Latzel im Sommer 2024 gegen eine Geldauflage an den Bremer Verein Rat&Tat-Zentrum für queeres Leben ein (queer.de berichtete).
Die queerfeindliche Gemeinde betonte nun, dass man zwar nicht gegen die Bestrafung des Pastors vorgehe, das aber nicht als Anerkenntnis dieser Disziplinarverfügung gewertet werden dürfe – "im Gegenteil". Man wolle lediglich die "unsägliche" Angelegenheit für den Pastor, seine Familie und die Gemeinde nach fünf Jahren "endlich zu einem Ende zu bringen".
Latzel-Gemeinde will sich "dem gerade herrschenden Zeitgeist" entgegenstellen
In der Stellungnahme heißt es, der Pastor habe sich nur an der Bibel orientiert: "Es geht darum, dass Pastor Latzel bestraft wird, weil er in aller Öffentlichkeit an der Bibel in allen Teilen als einzige Wahrheit festhält und sich damit dem gerade herrschenden Zeitgeist entgegenstellt." Die Kirchenführung wolle "bibeltreue Aussagen zu sexualethischen Fragen in der Öffentlichkeit" untersagen. Martialisch heißt es weiter: "Wir stehen in einem Kampf um die biblische Wahrheit." Dabei teilte die Gemeinde auch gegen einen anderen Pastor aus, der die queerfeindliche Haltung Latzels kritisiert hatte.
Die Gemeinde erklärt im dem Text, dass Homosexuelle, die nicht zölibatär leben, grundsätzlich gegen Gottes Gebote verstießen: "Wir werden auch weiterhin an der biblischen Beurteilung der Homosexualität festhalten, wie sie auch in der Orientierungshilfe 'Mit Spannungen leben' 1996 von der EKD veröffentlicht wurde und in der festgestellt wird, dass die Ehe heterosexuellen Paaren vorbehalten bleiben muss und dass praktizierte Homosexualität gegen den Willen Gottes gerichtet ist."
Die evangelische Kirche in Deutschland hatte in der angesprochenen knapp 30 Jahre alten Orientierungshilfe vom "biblischen Widerspruch gegen homosexuelle Praxis als solche" gesprochen, sich jedoch auch für ethisch verantwortliche Gestaltung homosexueller Beziehungen eingesetzt. Darin wurde auch die Segnung von homosexuellen Paaren untersagt. Das Papier wird heute insbesondere von evangelikalen Hardliner*innen als Rechtfertigung der Abwertung von Homosexuellen angeführt. Die Präses der EKD, Anna-Nicole Heinrich, hatte jedoch bereits auf dem Evangelischen Kirchentag 2023 angekündigt, das es bald einen neuen Text der EKD zum Thema geben solle. Derzeit ist eine Kommission im Aufbau, die einen neuen Text erstellen soll.
Die evangelische Kirchenleitung schweigt laut dem RB-Magazin "buten un binnen" zu der neuerlichen Attacke auf queere Menschen durch die Latzel-Gemeinde. Ein Sprecher habe gesagt, man wolle sich zu den Vorwürfen nicht äußern. (dk)














