https://queer.de/?54201
Fragebogen
Was war dein schönster "Black Queer Joy"-Moment, FAYIM?
Der queere Wahl-Berliner FAYIM gehört zu den spannendsten Newcomern der deutschen Musikszene. Zum Erscheinen seiner Debüt-EP "Fokus" haben wir ihm einige Fragen gestellt.

Soul und R'n'B mit deutschen Texten: FAYIM (Bild: Meklit Fekadu)
- Von
4. Juli 2025, 06:04h 7 Min.
Mit seiner Mischung aus Soul, Pop, R&B, Jazz und mehr sowie zauberhaften deutschen Texten gehört FAYIM schon seit einiger Zeit zu den spannendsten Newcomern der deutschen Musikszene. Am 4. Juli erscheint endlich die erste EP des Wahl-Berliners aus Hamburg, der auf "Fokus" nicht nur, aber besonders schön von queerer Liebe singt. Um den 29-jährigen ein bisschen näher kennenzulernen, hat haben wir ihm einen Fragebogen vorgelegt, den er ausführlich beantwortet hat.
Was fällt Dir als erstes ein, wenn du an deine Kindheit in Hamburg denkst?
Wenn ich an meine Kindheit in Hamburg denke, sehe ich die Bellealliancestraße in Eimsbüttel und den Spielplatz an der Ecke zur Marthastraße, wo ich aufgewachsen bin. Außerdem denke ich an die vielen Momente, in denen ich mich als Arielle, Jasmin oder Dornröschen verkleidet oder mit T-Shirt auf dem Kopf zu Destiny's Child und J.Lo vorm Spiegel performt habe.
Wann hat es dich nach Berlin verschlagen – und warum?
Nach Berlin hat es mich Anfang 2022 verschlagen. Ich musste den alten Wohnort in Hamburg-Stellingen räumen und war nach 26 Jahren in der Hometown bereit für etwas Neues. Musikalisch brauchte ich neue Inspiration, und mein Partner wohnte zu dem Zeitpunkt auch in Berlin. Der Umzug hat sich richtig angefühlt und war rückblickend notwendig für meine persönliche und künstlerische Entfaltung.
Wie früh wusstest du, dass die Musik Dein Lebensinhalt wird?
Dass Musik mein Lebensinhalt wird, war mir relativ früh klar. Ich habe schon mit zwei Jahren ständig und überall gesungen. Zuhause, im Kindergarten und im Homestudio meines Vaters. Ich wurde durch meine Eltern früh musikalisch gefördert und habe immer nach Bezügen zur Musik gesucht. Sie haben mich darin unterstützt und mir viele Freiräume gegeben, mich auszuprobieren.
Gab's je andere Berufswünsche?
Mit zwölf Jahren habe ich angefangen, eigene Webseiten zu gestalten und zu programmieren, weshalb ich eine Zeit lang Kommunikationsdesigner werden wollte. Ich liebe es auch, neue Sprachen zu lernen und habe von 2016 bis 2017 DGS an der Uni Hamburg studiert. Ich hatte überlegt, Gebärdensprachdolmetscher zu werden, bin dann aber doch bei der Musik geblieben.
|
Wer hat dich musikalisch besonders geprägt?
Durch Fernsehen und Radio habe ich als Kind vor allem die Popmusik der frühen 2000er miterlebt und war großer Fan von Destiny's Child. Da mein Vater selbst Musiker und meine Mutter großer Musik-Fan war, hatte ich auch immer wieder Berührungspunkte mit Reggae, Highlife, Hiplife, Soul, Rock und Künstler*innen wie Tina Turner und Jimmy Cliff.
Gemeinsames Singen und Gospel haben mich vor allem bei meiner Zeit im Chor des LuKuLuLe e.V. stark geprägt. Daher kommt sicherlich meine Liebe für die Melodien und Akkorde im Genre. Später kamen dann Künstler*innen wie The Clark Sisters, Daley Cole oder Take 6 in meine Bibliothek, deren "vocal choices" mich immer wieder beeindrucken.
Ganz stark beeinflusst haben mich als Kind und Jugendlicher auch R&B der 1990er und früher 2000er Jahre. Ich zähle Artists wie Mariah Carey, Brandy, India Arie, Luther Vandross und Nat King Cole zu meinen musikalischen Vorbildern. Durch viele von ihnen habe ich eine Begeisterung für Backgroundvocal-Arrangements entwickelt und mittlerweile meine eigene Handschrift gefunden.
Was war mit 15 Jahren dein Lieblingssong?
Mit 15 Jahren war mein Lieblingssong wahrscheinlich irgendeiner von Beyoncés Album "I Am… Sasha Fierce". Ich denke "Single Ladies (Put A Ring On It)" oder "Why Don't You Love Me". Die Choreo zu ersterem habe ich während jeder Mittagspause getanzt.
Welche drei Alben würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?
Wenn ich heute auf eine einsame Insel müsste, würde ich "Daydream" von Mariah Carey, "Love on Digital" von Destin Conrad und "Silk & Sorrow" von Ray Lozano mitnehmen. Jedes Album ist eine 10 von 10 wegen der Vocals, Produktion und den Texten und alle verbinde ich mit sehr positiven Momenten in meinem Leben.
Welche Bedeutung hat der Name FAYIM?
Der Name FAYIM ist eine Zusammensetzung aus meinem Namen und dem Namen "Ayim" von May Ayim. Sie war eine Schwarze ghanaisch-deutsche Lyrikerin, Künstlerin und Aktivistin, die mich in meiner Jugend sehr bewegt hat. Der Name ist eine Hommage an sie und alle Schwarzen Künstler*innen, die vor mir kamen. Großgeschrieben ist er, um Raum einzunehmen und einzufordern.

Die EP "Fokus" ist am 4. Juli 2025 erschienen
Warum heißt Deine EP "Fokus"?
Meine EP heißt "Fokus", weil es mir wichtig war, endlich meine eigenen Geschichten zu erzählen und den Gedanken, die mich daran gehindert haben, entgegenzuwirken. Musikalisch lege ich den "Fokus" besonders auf vielschichtige Vocal-Arrangements und Sounds aus R&B, Soul, Jazz und Pop. Die Texte kommen aus einer Perspektive, die in der deutschsprachigen Musiklandschaft sehr selten im Zentrum steht, und daher fand ich den Titel "Fokus" einfach passend.
Du singst auf Deutsch. Was magst du an der Sprache?
Da Deutsch meine erste Sprache ist, fällt es mir am leichtesten, darin bildhaft und authentisch zu erzählen. Ich finde es auch sehr spannend, gefühlvoll zu schreiben, da die deutsche Kultur nicht dafür bekannt ist, große Gefühle zu zeigen oder darüber zu sprechen. Es gibt auch einen riesigen Wortschatz, und ich liebe zum Beispiel Verben, die bereits bestimmte Emotionen mit sich tragen. Damit lassen sich sehr starke Geschichten erzählen.
Mit welchen drei Worten würdest Du Deine Musik beschreiben?
Direkt, zart, kraftvoll
An welchem Ort würdest Du gerne mal auftreten?
Ich würde super gerne mal im Mojo Club in Hamburg spielen. Dort habe ich schon einige tolle Konzerte gesehen, zum Beispiel Kwabs, Jojo und Jordan Rakei. In der Hamburger Laeiszhalle möchte ich auch irgendwann mal auftreten – mit einem Orchester und riesigem Chor, für den ich etwas Tolles arrangiere.
Was war dein schönster "Black Queer Joy"-Moment der letzten Zeit?
Mein schönster "Black Queer Joy"-Moment der letzten Zeit war vor ein paar Tagen bei meiner "Fokus"-EP-Release-Show im Gorki-Theater. Da sind richtig viele sweete Leute zusammengekommen, und es ist genau dieses Gefühl im Raum spürbar gewesen. Das sind meine Lieblingsmomente!
Was baut dich wieder auf, wenn die Seele mal durchhängt?
Ich schaue mir "Mariah Carey – If It's Over (Live at The Grammys)" auf YouTube an, tausche mich mit Friends aus oder gehe spazieren. Bewegung, Sonne und frische Luft tun immer gut – und mir hilft die Nähe zum Wasser.
Idealer Samstagabend: Kuscheln auf dem Sofa oder die ganze Nacht feiern?
Mein idealer Samstagabend ist auf jeden Fall Kuscheln auf dem Sofa. Ich finde es schön, Zeit allein zu verbringen. Wenn ich mal ausgehe, bin ich gerne auch spätestens um zwei Uhr wieder zu Hause beziehungsweise im Bett. Ich hatte eine "Phase" auf der Reeperbahn, dementsprechend vermisse ich da wenig.
Dein absoluter Lieblingsfilm?
Ich verdanke meine Liebe zu Gesang dem Film "Arielle, die Meerjungfrau" – deswegen nenne ich den jetzt einfach mal.
Die beste Serie, die du in den letzten zwölf Monaten gesehen hast?
"Schwarze Früchte". Die beste Serie aus dem Jahr 2024.
|
Lieblingsort in Berlin?
Super-Klischee, aber ich sage: Tempelhofer Feld. Ich liebe die Weitläufigkeit und verbringe im Sommer gerne Zeit dort. Erinnert mich auch an die Momente, wo ich dort war und noch in Hamburg gelebt habe. Da war ich dann meistens mit Friends zu Besuch in der Stadt für ein Konzert, eine Party (damals) oder ein anderes Event.
An welchen Ort der Welt willst du unbedingt mal reisen?
Ich will unbedingt nach Kumasi reisen, um die Stadt meiner Familie besser kennenzulernen. 2017 war ich das erste und letzte Mal dort und hatte schon das Privileg, mehrere Länder zu besuchen. Ich würde super gerne noch mal nach Salvador und möchte São Paulo sehen.
Welche verstorbene Person hättest du gerne kennengelernt?
Ich hätte gerne all meine Großeltern kennengelernt, um ihre Geschichten zu hören.
Links zum Thema:
» Die EP "Fokus" bei amazon music
» Homepage von FAYIM
Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
Dieser Artikel enthält Links zu amazon. Mit diesen sogenannten Affiliate-Links kannst du queer.de unterstützen: Kommt über einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.














