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Sachbuch
Die queere Geschichte des Kaiserreichs
In seinem neuen Buch "Homosexualität_en im Deutschen Kaiserreich um 1900" beschreibt Elio Gäbelein, wie queere Identitäten im Kaiserreich verhandelt wurden.

In "Homosexualität_en im Deutschen Kaiserreich um 1900" wird ein vergleichender Blick auf die ambivalente und vielschichtige Geschichte homosexueller Liebe im Kaiserreich geworfen (Bild: OpenAI)
- 14. Juli 2025, 09:56h 3 Min.
Bei der Veröffentlichung "Homosexualität_en im Deutschen Kaiserreich um 1900" handelt es sich um die 2023 am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) abgeschlossene Masterarbeit von Elio Gäbelein. In der Studie wird ein vergleichender Blick auf die ambivalente und vielschichtige Geschichte homosexueller Liebe im Kaiserreich geworfen. Zentrale Analysekategorien sind dabei Geschlecht und Klasse.
Untersucht wird, in welchem Maß mit der Selbst- und Fremdbezeichnung als homosexueller Mensch im beginnenden 20. Jahrhundert unterschiedliche Bedeutungen, Handlungsmöglichkeiten und soziale Konsequenzen verbunden waren. Die Arbeit legt offen, wie stark diese Erfahrungen durch soziale Zugehörigkeit und geschlechtliche Identität geprägt waren.
Die Geschichte der Homosexualität um 1900 zeigt sich als Feld widersprüchlicher Dynamiken. Die Studie beleuchtet eine Phase, in der sich weibliche und männliche Homosexualität – lange Zeit getrennt verhandelt – zunehmend aufeinander zubewegten. In den ersten Jahren des Jahrhunderts lassen sich wechselseitige Bezüge erkennen, die die bisherigen Grenzziehungen infrage stellen.
Über Homosexuellen-Aktivist*innen, Frauenrechtler*innen, Sexarbeiter*innen

"Homosexualität_en im Deutschen Kaiserreich um 1900" ist als Taschenbuch bei Marta Press erschienen
Aus einer vergleichenden Perspektive werden dabei parallele Entwicklungen ebenso sichtbar wie Brüche und Spannungen. Ohne auf einfache Synthesen zu zielen, wird ein historischer Raum geöffnet, der Differenz ebenso berücksichtigt wie geteilte Erfahrungen.
Ein besonderes Gewicht liegt auf der Analyse literarischer Quellen, die bislang selten im Mittelpunkt sexualwissenschaftlicher oder geschichtswissenschaftlicher Arbeiten standen. Vor allem weibliche Stimmen, oft marginalisiert oder übersehen, finden so Eingang in die historische Auseinandersetzung.
Auch die sozialen Bruchlinien innerhalb homosexueller Öffentlichkeiten rücken in den Blick. Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen bürgerlichen Homosexuellen-Aktivist*innen und Frauenrechtler*innen einerseits sowie Sexarbeiter*innen andererseits. Die damit verbundene Perspektive auf Klassenverhältnisse erweitert das Verständnis für die Vielfalt jener, die mit der Kategorie "Homosexualität" in Verbindung standen – und für die diese Zugehörigkeit höchst unterschiedliche Folgen hatte.
Elio Gäbelein, Historiker mit einem Schwerpunkt auf queerer und feministischer Geschichtsschreibung, lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin und leitet das Projekt "FrauenOrte im Land Brandenburg", das sich der Sichtbarmachung historisch bedeutender Frauen widmet. Gäbeleins Arbeiten verbinden kultur- und sozialwissenschaftliche Ansätze. In "Homosexualität_en im Deutschen Kaiserreich um 1900" (Amazon-Affiliate-Link ) zeigt sich, wie literarische, gesellschaftliche und juristische Diskurse queere Identitäten formten, einhegten oder zurückwiesen – und welche Spuren diese Prozesse hinterlassen haben. Mit seinem Engagement in Forschung, Lehre und Erinnerungskultur trägt Gäbelein dazu bei, marginalisierte Perspektiven als integralen Bestandteil historischer Narrative zu etablieren. (dd/pm)
Elio Gäbelein: Homosexualität_en im Deutschen Kaiserreich um 1900. Sachbuch. 212 Seiten. Verlag Marta Press. Hamburg 2025. Taschenbuch: 198 € (ISBN 978-3-96837-032-3).
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