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Autor von "Danke, Gustav!"

Harm-Peter Dietrich ist tot

Mit seiner letztes Jahr erschienenen Autobiografie "Danke, Gustav!" erzählt Harm-Peter Dietrich, Jahrgang 1936, die schwule Geschichte des 20. Jahrhunderts. Jetzt ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.


Harm-Peter Dietrich hinterlässt mit "Danke, Gustav!" ein Zeitdokument (Bild: Heinz Ernst Schuster)

  • 15. Juli 2025, 16:56h 2 Min.

Der schwule Autor und Arzt Harm-Peter Dietrich ist am vergangenen Freitag im Alter von 89 Jahren gestorben. Das teilte der Vergangenheitsverlag mit. Er sei "ein außergewöhnlicher Erzähler gewesen, ein kritischer Chronist und ein Mensch, dessen Leben selbst zur Geschichte wurde", so der Verlag.

Seine letztes Jahr erschienene Autobiografie "Danke, Gustav! Mein schwules Jahrhundert" erzählt von einem knappen Jahrhundert schwuler Geschichte: 1936 war er in der Zeit des Nationalsozialismus geboren worden, in der Bundesrepublik studierte er dann Medizin und wurde zu einem angesehenen Arzt, der beispielsweise an der ersten deutschen Herztransplantation beteiligt war. Seine Homosexualität muss er aber verstecken, denn noch immer gilt in Westdeutschland Paragraf 175 in der Nazi-Version. Er wanderte nach San Francisco aus und erlebte dort eine neue Freiheit. In den Achtzigerjahren musste er dann ansehen, wie ein großer Teil seiner Freunde an Aids starb. Das Buch erzählt eine universelle schwule Geschichte aus einer sehr persönlichen und einfühlsamen Sicht.

Der Titel seines Buches verweist auf den damaligen Bundesjustizminister Gustav Heinemann (SPD), der 1969 mit seiner Reform des Paragrafen 175 ein Umdenken über Homosexualität in der deutschen Politik einleitete. Heinemann wurde später Bundespräsident. Der schwulenfeindliche Paragraf ist schließlich 1994 gänzlich abgeschafft worden.

"Dieses Buch sollte bleiben, wenn er selbst geht"

"Sein autobiografisches Werk entstand spät – doch mit umso größerer Klarheit", so der Vergangenheitsverlag. In seinen letzten Lebensjahren habe Dietrich mit großer Energie an der Vollendung seines Buches gearbeitet. "Für Dietrich war klar: Dieses Buch sollte bleiben, wenn er selbst geht. Es war sein Vermächtnis – nicht nur für die queere Community, sondern für alle, die sich mit deutscher Geschichte, mit Lebensmut und mit der Kraft des Erzählens auseinandersetzen wollen, um zu verhindern, was wir schon einmal hatten: Als Schwule, Lesben, Queers verfolgt zu werden."

Dietrich war auch aktiv im Völklinger Kreis, dem Bundesverband schwuler Führungskräfte. Auf seiner Facebook-Seite erinnert der Verband an sein verstorbenes Mitglied: "Der Verlust schmerzt. Unsere Gedanken sind bei seinem Bruder, der ganzen Familie und allen, die ihm nahestanden. Wir werden ihn nicht vergessen." (cw)

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