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Staffel drei
"And Just Like That...": Weiterhin vergnüglich – und entspannter queer
Bereits "Sex and the City" war ausgesprochen queerfreundlich. Die Nachfolgeserie bemühte sich gelegentlich etwas zu sehr, möglichst viele neue gesellschaftlichen Entwicklungen aufzugreifen. Die aktuelle Staffel nimmt das etwas lockerer.

Die "Hot Fellas"-Bäckerei von Anthony (Mario Cantone) mit ihren sexy Angestellten ist ein Hit – doch dann reist die Mutter seines jüngeren Partners Giuseppe an
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20. Juli 2025, 09:39h 4 Min.
Länger als ein Vierteljahrhundert begleiten wir die New Yorkerinnen Carrie, Miranda, Charlotte und ihre Freund*innen und Familien nun schon durch das Auf und Ab ihres Beziehungs- und Sexlebens. Mit zunehmendem Alter kommen andere Herausforderungen hinzu. In der aktuellen Staffel von "And Just Like That..." sind dies unter anderem rebellische Teenager, potenziell gefährliche Krankheiten, schwierige Nachbarn, eifersüchtige Hunde und skeptische Schwiegermütter.

Besuch aus Italien: Gianna (Patti LuPone), die Mutter von Giuseppe, reist nach New York (Bild: Craig Blankenhorn / Max)
Gut, eigentlich ist es nur eine Schwiegermutter – und bestenfalls eine potenzielle. Es kommt nämlich die Mutter von Anthonys (Mario Cantone) jungem neuen Freund Giuseppe (Sebastiano Pigazzi) zu Besuch aus Italien, um sich anzuschauen, wie und mit wem ihr Sohn da nun lebt. Und Gianna (Patti LuPone) ist alles andere als angetan von dem deutlich älteren Partner ihres geliebten Giuseppe, auch wenn dessen "Hot Fellas"-Bäckerei mit ihren sexy Angestellten ganz offensichtlich ein Hit ist. Umso mehr mag sie Anthonys gute Freundinnen Carrie (Sarah Jessica Parker), Miranda (Cynthia Nixon) und Charlotte (Kristin Davis).
Beziehungen und andere Herausforderungen
Auch in deren Leben ist wieder einiges los. Nachdem Mirandas Beziehung mit Che (Sara Ramirez) in der letzten Staffel auseinander ging, ist sie nun wieder zum Dating bereit. Die ersten Versuche sind etwas holprig, dennoch lässt sie es sich nicht nehmen, auf dem Weg zu einer neuen Beziehung auch noch eine Nonne (Rosie O'Donnell) zu entjungfern. Doch wirklich interessiert ist sie an der britischen Journalistin Joy (Dolly Wells), deren Hunde Sappho und Socrates allerdings äußerst irritiert sind über diese neue Frau, die ihnen soviel Aufmerksamkeit ihres Menschen stiehlt.

One-Night-Stand mit einer Nonne: Miranda (Cynthia Nixon, l.) und Mary (Rosie O'Donnell) landen zusammen im Bett (Bild: Warner Bros.)
Charlotte und Harry (Evan Handler) derweil haben sich gerade an ihr nichtbinäres Kind Rock (Alexa Swinton) gewöhnt, als ihre Tochter Lily (Cathy Ang) Teil eines amourösen Trios wird, mit einem Balletttänzer und dessen Freund. Der größere Schock für Charlotte ist jedoch Harrys Prostatakrebs-Diagnose – und dann bittet er sie zu allem Übel noch, niemandem etwas darüber zu verraten. Irgendwann hält Charlotte es nicht mehr aus und weiht Carrie ein, worauf die Dinge rasch eskalieren.

Harry (Evan Handler, r.) und sein nichtbinäres Kind Rock (Alexa Swinton) in der dritten Staffel von "And Just Like That..." (Bild: Craig Blankenhorn / Max)
Etwas weniger angestrengt aufgeschlossen als auch schon
Carrie wiederum schreibt an einem historischen Roman und bemüht sich sehr um ihre Beziehung mit Aidan (John Corbett), obwohl dieser sich am Ende der letzten Staffel gezwungen sah, nach Pennsylvania zurückzukehren, um sich um seinen psychisch labilen Sohn zu kümmern. Ein Besuch bei der Familie auf dem Lande überzeugt Carrie dann rasch, dass dies auch tatsächlich nötig ist. Außerdem muss sie sich in ihrem edlen neuen Townhouse mit einer Rattenplage rumschlagen – und mit einem schwierigen Nachbarn. Der britische Autor lebt in der Wohnung unter ihr und fühlt sich durch Carries Gewohnheit, Tag und Nacht in High Heels über ihr Parkett zu klappern, erheblich in seiner Schreib-Konzentration gestört.

Miranda (Cynthia Nixon, l.) interessiert sich für die britische Journalistin Joy (Dolly Wells) (Bild: Craig Blankenhorn / Max)
Natürlich bleibt "And Just Like That..." trotz zahlreicher kleiner Alltagsdramen eine Komödie, scheut aber auch diesmal nicht vor ernsteren Tönen zurück – dazu gehören Harrys Krebserkrankung ebenso wie Aidans schwierige Situation mit seinem Sohn und den Folgen, die das auf die Beziehung mit Carrie hat. Dafür hat sich der Umgang mit den queeren Themen eher entspannt. Von Lilys kurzzeitigem Throuple abgesehen, hält sich die Serie beim Aufgreifen neuester Beziehungsformen und Geschlechtsidentitäten zurück und wirkt damit etwas weniger bemüht aufgeschlossen als auch schon. Gleichzeitig bieten die diversen Teenager-Kinder Gelegenheit zu zeigen, wie sehr sich die jüngere Generation bereits wieder von ihren schon sehr liberalen Eltern unterscheidet.
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Wird es eine weitere Staffel geben?
"Sex and the City" galt für seine Zeit als äußerst progressiv, was allerdings schon damals nicht alle so sahen. Den Mangel etwa an ethnischer Diversität hat "And Just Like That..." mit der Immobilienmaklerin Seema (Sarita Choudhury) und der schwarzen Familie Wexley sicherlich erfolgreich korrigiert. Bei den queeren Themen fühlte es sich sogar manchmal wie eine Überkompensation an. Aber das Bestreben, sich mit den neuesten gesellschaftlichen Entwicklungen auseinanderzusetzen, bleibt offensichtlich – der diversitätsverachtende Backlash unter der aktuellen US-Regierung macht sich bisher allerdings noch nicht bemerkbar. Und hält sich in New York selbst vermutlich auch in Grenzen.
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Trotz eines langjährigen, treuen, oft auch queeren Publikums ist noch unklar, ob es eine vierte Staffel geben wird. Die Zuschauer*innen-Zahlen sind offenbar rückläufig, gleichzeitig gibt's durchaus Signale, dass die Geschichte noch nicht auserzählt ist. Und die Superfans der Serie würden Carrie, Miranda, Charlotte, Anthony & Co. sicherlich auch gerne dabei zusehen, wie sie dereinst ihre Altersheime aufmischen.
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