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Serientipp
Tragische Liebe, mysteriöse Todesfälle und allerlei Skurrilitäten
Die britische Serie "Dead Hot" ist ein wilder queerer Genre-Mix aus Komödie, Drama und Murder-Mystery. In dessen Zentrum steht Peter, der vor fünf Jahren plötzlich verschwunden ist und einzig einen blutigen Finger zurückgelassen hat.

Tolles erstes Date: Elliott (Bilal Hasna) und Will (Marcus Hodson) in "Dead Hot" (Bild: Quay Street Productions)
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3. August 2025, 02:10h 4 Min.
Wer hat das nicht auch schon erlebt? Ein tolles erstes Date, ein offensichtlicher Volltreffer auf beiden Seiten, das Versprechen, sich schon bald wiederzusehen – und dann: Schweigen; keine Reaktion auf Textnachrichten und das unvermeidliche große Rätseln, ob man sich den Volltreffer in der eigenen Euphorie nur eingebildet hat.
Genauso ergeht es Elliott (Bilal Hasna) zu Beginn von "Dead Hot". Begeistert erzählt er noch in der Nacht des ersten Dates seiner Mitbewohnerin und besten Freundin Jess (Vivian Oparah) von seinem Treffen mit Will (Marcus Hodson). Und dass er wohl ein bisschen verliebt ist – das erste Mal seit fünf Jahren, seit dem bis heute ungeklärten Verschwinden seines Lovers Peter (Olisa Odele), dem Zwillingsbruder von Jess. Die Polizei hält ihn für tot, und irgendwie haben sich auch Elliott und Jess damit abgefunden, denn sonst würde er sich doch melden. Oder?
Gleich zweimal ein blutiger Finger
Es war Elliott, der damals Peters blutigen Finger in dessen Wohnung fand, als er ihn mit einem Blumenstrauß besuchen wollte. Ein traumatisches Erlebnis, das ihn noch heute ab und zu in seinen Alpträumen heimsucht. Aber der attraktive Will weckt nun neue Hoffnung. Nur hält die nicht lange an, denn auf seine euphorischen Textnachrichten an Will kommt keine Reaktion. Den ganzen nächsten Tag lang nicht. Elliotts Nachfragen werden immer verärgerter – bis dann doch endlich, endlich die ersehnte Antwort kommt. Und was für eine: Will entschuldigt sich für sein Schweigen und lädt ihn zu sich nach Hause ein. Elliott zieht begeistert los, besorgt einen Blumenstrauß, betritt das Haus bei der angegebenen Adresse, doch dieses scheint verlassen. Bis er – zu seinem Entsetzen – einen blutigen Finger findet.
Geschockt alarmiert er Jess und die Polizei. Doch diese realisiert dann rasch, dass es sich bei dem Körperteil um eine essbare Nachbildung handelt, was Elliott und Jess fast noch mehr schockiert. Denn das heißt, dass da jemand ganz genau weiß, was vor fünf Jahren passiert ist und sich nun einen Spaß daraus macht, die beiden auf diese Weise zu re-traumatisieren. Und offensichtlich ist Will dabei irgendwie involviert, steckt vielleicht sogar dahinter? Nur warum?
Viele Rätsel und Geheimnisse
Hinzu kommt, dass Jess sich heimlich bei einer DNA-Datenbank angemeldet hat und vor kurzem einen Treffer gemeldet bekam: jemand mit einer so ähnlichen DNA, dass es nur ein Familienmitglied sein kann. Am Ende gar Peter? Steckt er vielleicht hinter der Finger-Charade und Will? Waren die Beziehungen von Elliott und Jess zu Peter möglicherweise gar nicht so toll und idyllisch, wie sie das in ihrer nostalgisch verklärten Erinnerung haben?
Die vielen Fragen von "Dead Hot" klären sich (fast) alle im Laufe der sechs Episoden, wobei jede Folge wieder eine neue überraschende Wendung bringt. Und auch allerlei Skurrilitäten. Etwa Elliotts Großmutter Francine (Penelope Wilton) und Tante Bonnie (Rosie Cavaliero) – die eine will ihn unbedingt mit einem weiblichen Model verkuppeln, die andere hat eine etwas alarmierende Zuneigung zu Pferden und wirkt auch sonst eher wenig lebenstauglich. Derweil Jess auf der Suche nach dem DNA-Mysterium auf eine etwa gleichaltrige Frau trifft, die sie zunächst fälschlicherweise für ihre Schwester hält und die stets mit einem isländischen Zwergpony als Haustier unterwegs ist. Und dann sind da noch ein seltsamer Cop und ein toter Pfarrer.
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Vielleicht doch gar viele Twists
"Dead Hot" macht durchaus Spaß, und die jungen Darsteller*innen sind überzeugend bei der Sache, auch wenn Alt-Star Penelope Wilton in ihren kurzen Auftritten alle an die Wand spielt. Aber der wilde Genre-Mischmasch und die zahlreichen Twists können manchmal auch etwas viel werden. Außerdem hilft es wohl, wenn man nicht allzu viel Wert auf Stringenz und Glaubwürdigkeit einer Handlung legt.
Die Kritiken sind entsprechend etwas durchzogen, aber beim Publikum kam die Serie so gut an, dass bereits eifrig über eine zweite Staffel spekuliert wird, die jedoch noch nicht offiziell bestätigt ist. Die es aber bräuchte, um das große Peter-Mysterium abschließend zu klären, denn diesbezüglich bleibt noch das eine oder andere offen.
Wer jedenfalls auch schon mal nach einem tollen ersten Date mit seinen euphorischen Gefühlen sitzengelassen wurde, kann sich nach dieser Serie vielleicht damit trösten, dass danach wenigstens keine blutigen Finger oder derangierten Cops aufgetaucht sind. Möglicherweise nur ein kleiner Trost, aber besser als nichts!
Gestreamt werden kann "Dead Hot" aktuell leider nur bei Prime Video in Großbritannien.
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