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Berlin
Kritik nach SchwuZ-Insolvenzantrag: "Schwarz-Rot steht tatenlos daneben"
Nachdem Deutschlands ältester LGBTI-Club und größte queere Kulturinstitution Insolvenz angemeldet hat, zeigt sich die demokratische Opposition besorgt über Berlins Clubkultur.

Das SchwuZ hat Insolvenz angemeldet – Grüne und Linke sind alarmiert (Bild: Guido Woller)
- 4. August 2025, 16:46h 2 Min.
Die Grünen und die Linken im Berliner Abgeordnetenhaus haben entsetzt auf den Insolvenzantrag des alteingesessenen queeren Clubs SchwuZ reagiert. Sie riefen die schwarz-rote Regierung auf, etwas für den Erhalt der queeren Kultur zu tun und nicht alles dem Markt zu überlassen.
Der grüne Stadtentwicklungssprecher Julian Schwarze betonte, dass Clubkultur kein "Party-Luxus" sei, sondern ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft Berlins. "Einmal mehr wird deutlich, wie dramatisch die Lage für die Berliner Clubkultur inzwischen ist. Der Senat darf das nicht weiter ignorieren", forderte Schwarze. Es sei höchste Zeit für ein koordiniertes Vorgehen, um zusammen mit den Clubs nach Lösungen zu suchen und sie gerade jetzt zu unterstützen. "Sonst ist die einzigartige Clubkultur Berlins in ernsthafter Gefahr und wir riskieren den Verlust vielfältiger Orte und Angebote." Er warnte davor, dass ein Clubsterben zu einem Verlust der Identität in Berlin führen und Berlin auch für Besucher*innen weniger attraktiv machen könne.
"Berlins queere Subkultur in ernster Gefahr ist"
Klaus Lederer, der queerpolitische Sprecher der Linksfraktion, fragte schon fast resigniert: "Was muss eigentlich noch passieren, bis Senat und Koalition endlich begreifen, dass Berlins queere Subkultur in ernster Gefahr ist?" Der frühere Kultursenator beklagte, dass die Rahmenbedingungen für Rückzugsorte, sogenannte Safe Spaces, oder "Orte des Empowerments" immer schwieriger würden. "Das verändert das Antlitz der vom Senat immer wieder beschworenen 'Regenbogenhauptstadt' und ihrer queeren sozialen Räume – schleichend, aber sehr nachhaltig und mit unwiederbringlichen Folgen."
Der Regierung warf er schweres Versagen vor: "Schwarz-Rot steht tatenlos daneben. Das Problem wird nicht bestritten, aber der Senat meint, das sei nicht seines." Vielmehr werde alles dem Markt überlassen. Steigende Kosten "bei gleichzeitig knapp bleibenden Ressourcen der queeren Besucher*innen" sowie ein Gewerbemietrecht, das "unbegrenzte Mietpreissprünge" zulasse, könne aber vielen Einrichtungen das Aus bedeuten. "Das alles geschieht in Zeiten, in denen queeres Leben ohnehin immer gefährdeter ist."
Beim 1977 gegründeten SchwuZ soll der Clubbetrieb vorerst bis zur voraussichtlichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Oktober weitergehen. Bereits im Mai hatte die Einrichtung einem Drittel der Belegschaft aus damals rund 100 Beschäftigten gekündigt, um das Ruder doch noch herumzureißen (queer.de berichtete). (cw)














