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Drohung der Bundesregierung

Weimer: Wer öffentliches Geld erhält, soll nicht gendern

Die Merz-Regierung forciert den Kulturkampf um geschlechtergerechte Sprache: Museen oder Rundfunkanstalten sollen laut dem Kulturstaatssekretär nicht mehr gendern. Steht am Ende der Entzug der Förderung?


Nach dem Willen von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer soll es bald Kultureinrichtungen, die geschlechter­gerechte Sprache verwenden, an den Kragen gehen (Bild: Jesco Denzel / Bundes­regierung)

  • 8. August 2025, 16:19h 3 Min.

Nach dem Genderverbot in der eigenen Behörde drängt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer alle öffentlich geförderten Institutionen wie Museen, Stiftungen oder Rundfunk, dieser Linie zu folgen. "Es geht dabei um eine gemeinsame Verantwortung für die Verständlichkeit staatlich geförderter Kommunikation", sagte der parteilose Politiker der Deutschen Presse-Agentur. 

Weimer hatte zuletzt in seiner eigenen Behörde die Verwendung geschlechtergerechter Sprache mit Sonderzeichen in offiziellen Schreiben untersagt (queer.de berichtete). "In der offiziellen Kommunikation verzichten wir daher auf Sonderzeichen wie Sternchen, Doppelpunkte oder Unterstriche – zugunsten von sprachlicher Klarheit, rechtlicher Eindeutigkeit und allgemeiner Verständlichkeit", sagte der 60-Jährige der dpa.

Und er fügte hinzu: "Diese Linie empfehle ich auch jenen Institutionen, die mit öffentlichen Mitteln arbeiten – von Museen über Stiftungen bis hin zu Rundfunkanstalten. Wer im öffentlichen Auftrag spricht, sollte eine Sprache wählen, die für alle nachvollziehbar ist und breite Akzeptanz findet."

Lehmann: "Freiheit predigen, Verbote erlassen"

Beim Vorsitzenden des Kulturausschusses, dem ehemaligen Queerbeauftragten Sven Lehmann (Grüne), trifft Weimers Vorstoß jedoch auf Kritik. "Ist Herr Weimer eigentlich Kulturstaatsminister oder missionarischer Kulturkämpfer?", sagte der Grünen-Politiker der dpa. "Es ist schlimm genug, dass er in seiner Behörde Sprachverbote verhängt. Dass er nun aber sogar freie Kulturinstitutionen einschränken will, geht eindeutig zu weit. Weimers Formel für seine Kulturpolitik lautet offenbar Freiheit predigen und Verbote erlassen." 

Das deutsche Recht kenne mehr als ein Geschlecht und die Gesellschaft mehr als eine Art zu sprechen, fügte Lehmann hinzu. Sprache, die niemanden ausschließe, sei kein Muss, aber ein Kann. Bereits zuvor hatte er die Verbotspolitik der Bundesregierung in Bezug auf Sprache als "autoritäre Unkultur" kritisiert (queer.de berichtete).

Streitthema seit Jahren

Geschlechtergerechte Sprache mit Sonderzeichen und Pausen beim Sprechen ist seit Jahren Streitthema. Sie soll dazu beitragen, Geschlechter-Diskriminierung zu vermeiden und nichtbinäre Personen in der Sprache sichtbar zu machen. In Studierenden- und Künstlerkreisen wird sie intensiv verwendet, in der breiten Öffentlichkeit und auch in Radio und Fernsehen ist sie dagegen weniger verbreitet. Viele Konservative und Rechtsextreme lehnen geschlechtergerechte Sprache aus Prinzip ab. 

Thüringen hatte etwa Ende 2022 seine Landesbehörden angehalten, auf Gendersprache zu verzichten. Dabei handelte es sich um eine der ersten Kooperationen zwischen der CDU und der rechtsextremen AfD, die damit die damalige rot-rot-grüne Minderheitsregierung im Parlament überstimmten (queer.de berichtete). Auch die Bundesregierung nutzt nach eigenen Angaben keine Wörter mit Gendersternchen, sondern halte sich an die Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung, auf die sich auch Weimer beruft (queer.de berichtete).

Wolfram Weimer arbeite lange als Journalist und Verleger, er wurde Anfang Mai von CDU-Chef Friedrich Merz für das Amt des Staatsministers für Kultur und Medien nominiert. Zuletzt sorgte er mehrfach mit erzkonservativen Äußerungen für Schlagzeilen, etwa über die angeblich um sich greifende "Cancel Culture" als Inventar "radikal-feministischer, postkolonialer, öko-sozialistischer Empörungskultur" (queer.de berichtete). In seinem 2018 erschienen Buch "Das konservative Manifest: Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit" hatte er sich ablehnend über "Gender-Ideologie" geäußert und kritisierte Coming-outs als "diskursive Proletarisierung" und "Enttabuisierung" (queer.de berichtete). (dpa/cw)

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