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Roman
Eine schwule Liebe hoch auf dem Trapez
Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wandert der Wiener Felix in die USA aus – ohne Plan und ohne Englisch. Er schließt sich einem Zirkus an und verliebt sich in einen Artisten. "Felix Austria" von Christopher Wurmdobler ist ein rasanter und origineller Roman, der Jahrzehnte und Kontinente umspannt.

Symbolbild: Künstler am Trapez (Bild: IMAGO / Funke Foto Services)
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10. August 2025, 15:24h 4 Min.
Ein Stück Seife, das nach Zitrone und Sandelholz duftet. Sorgfältig eingeschlagen in Seidenpapier, ein Emblem der Wiener Manufaktur eingeprägt. Es ist Felix' wertvollster Besitz, an dem er nur schnuppert. Ein Stück Heimat, das er sich aufspart.
Der junge Felix ist mir nichts, dir nichts in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Er hatte keinen Plan, er hatte kein Geld, er sprach kaum ein Wort Englisch. Aber er hat es geschafft, von Wien-Stadlau bis nach New York. Er schlägt sich einfach durch.
Eins der wenigen Worte, die er auf Englisch kann: Austria
Es ist kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, und der junge Mann wollte raus aus diesem "angehängten Dorf am Arsch der großen Wienerstadt". Er hatte Sehnsucht nach Amerika, obwohl er kaum ein Bild von diesem Land kannte. Schneller, höher, weiter soll alles hier sein.
Irgendwie schafft er es, im New Yorker Hafen von Bord zu kommen, an der Kontrolle vorbei. Eine etwas eigenartige Truppe gabelt ihn auf, er schließt sich ihnen an. Sie fahren einmal quer durchs Land, irgendwie landet er schließlich beim Zirkus "World's End" und heuert dort an. Eines der wenigen Worte, das Felix auf Englisch sagen kann, ist der Name seiner Heimat. Als Felix Austria stellt er sich vor.
Jack erklärt ihm das Trapez – und das Lieben

"Felix Austria" ist im Wiener Czernin Verlag erschienen
Felix Austria, das ist nicht nur ab sofort sein neuer Name in seiner neuen Heimat. So wurde auch einst die Heiratspolitik der Habsburger beschrieben: "Bella gerant alii, tu felix Austria nube." – "Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heirate." Die jungen Adeligen wurden schon als Kinder an Höfe in ganz Europa vermittelt, um den Herrschaftsbereich auszudehnen.
Heiraten statt Krieg führen – das lässt sich auch auf den Auswanderer übertragen. Während in Europa der Zweite Weltkrieg tobt, verliebt sich Felix nämlich in einen Artisten im Zirkus. Jack, eigentlich Jakob aus Berlin, bringt ihm nicht nur bei, was ein Artist auf dem Trapez können und leisten muss. Er macht auch einen guten Liebhaber aus ihm.
Ein wunderbar leichter Roman
Jack vermittelt ihm außerdem, dass ein Zirkus anders tickt als das Leben draußen. Es ist ein wunderbarer Mikrokosmos, in dem eigene Regeln gelten, in dem es offener zugeht, in dem niemand verurteilt wird. Alle vertrauen einander, alle stehen füreinander ein. Ein freies Leben, ein freies Lieben ist hier möglich. Der Zirkus wird zu Felix' Ersatzfamilie, ein queerer Safe Space, an dem der Österreicher er selbst sein kann.
"Felix Austria" (Amazon-Affiliate-Link ) von Christopher Wurmdobler ist ein ganz wunderbar leichter und unverkrampfter Roman, perfekt für den Sommer. Er begleitet seinen Protagonisten mehrere Jahrzehnte lang und umspannt Kontinente. Die Figuren sind originell, die Beschreibungen durch und durch lebhaft und nie langweilig.
Der Zirkus, ein Hort der Kommunist*innen
Ständig passiert etwas, aber nichts davon fühlt sich unrealistisch an, selbst wenn sich die Ereignisse überschlagen oder Zufälle beim Weiterkommen helfen. Besonders ist die Erzählstimme, die an einigen Stellen die Geschehnisse lakonisch kommentiert: "Und was tat unser gerade erst frisch aus Europa angekommener Held?"
Die politischen Entwicklungen stehen dabei nicht im Vordergrund, sondern begleiten die Handlung als Grundrauschen: Felix bekommt was vom Zweiten Weltkrieg mit, sorgt sich um die alte Heimat, in der McCarthy-Ära danach ist der Zirkus als Hort von Kommunist*innen verschrien und bedroht.
Eine unterhaltsame, skurrile Geschichte
Der Roman erzählt dabei von der Kraft der Liebe an einem ungewöhnlichen Ort, vom Mut, neu anzufangen – im Zweifel auch mehrmals – und von Entscheidungen, die schwer fallen und nicht rückgängig zu machen sind.
"Felix Austria" ist dabei nicht hochtrabend, trägt diese Themen nicht vor sich her, verirrt sich nicht in Thesen oder verkünstelten Diskursen. Nein, er verhandelt sie ganz natürlich und beiläufig und – vor allem – steht die unterhaltsame, etwas skurrile, warmherzige Geschichte dabei im Vordergrund.
Christopher Wurmdobler: Felix Austria. Roman. 304 Seiten. Czernin Verlag. Wien 2025. Gebundene Ausgabe: 25 € (ISBN 978-3-7076-0863-2), E-Book: 22,99 €
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