Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?54655

Streamingtipp

Eine Doku nicht nur für Madonna-Fans

Der neue Dokumentarfilm "Becoming Madonna" kann jetzt in der ZDF-Mediathek gestreamt werden. Fans erhalten neue Einblicke mit teils unveröffentlichtem Material, politisch engagierte Menschen lernen die Ikone von ihrer aktivistischen Seite kennen.


New Wave, Pop, Electronica, Dance: Madonna hat im Laufe der Jahre mit vielen Musikstilen experimentiert (Bild: ZDF / Getty Images)

Noch immer gilt Madonna mit geschätzten 335 Millionen Plattenverkäufen als unangefochtene Nummer eins unter den Frauen im Musikbusiness. Ihre Diskografie können die meisten rauf und runter beten. In der neuen Dokumentation "Becoming Madonna", die seit 9. August in der ZDF-Mediathek gestreamt werden kann und Ende des Monats auf ZDFinfo sowie auf 3sat im linearen Fernsehen läuft, gibt es trotzdem Einblicke, die selbst Hardcore-Fans nicht alle kennen dürften.

Natürlich kann man sich immer wieder einen Querschnitt aus den besten Musikvideos und ihren spektakulärsten Live-Performances reinziehen, aber die 2024 in Großbritannien veröffentlichte Doku "Becoming Madonna" unter der Regie von Michael Ogden wählt ganz bewusst einen anderen Fokus. Wie der Name schon andeutet, geht es vor allen Dingen darum, wie Madonna zur "Queen of Pop" emporstieg. Der anderthalbstündige, englischsprachige Film mit deutschem Voiceover zeigt spannende Ausschnitte aus den Jahren 1978 bis 1992.

Er beginnt mit ihrem Umzug nach New York, da ist sie 20 Jahre jung. Gerade einmal 30 Dollar hat sie dabei, ist aber der felsenfesten Überzeugung, dass sie ihr Ding machen wird. Nach einigen Gelegenheitsjobs landet Madonna Louise Ciccone als Schlagzeugerin in der Band Breakfast Club, was ihr aber schnell zu wenig ist. Sie will selbst singen und sämtliche Aufmerksamkeit auf sich – deswegen wird sie nach kurzer Zeit aus der Band geworfen.

Überzeugt davon, es ganz weit zu bringen

Dank einer radikalen Selbstüberzeugung, einer gehörigen Portion Kreativität und einer noch größeren Portion Mut nimmt Madonna schon bald erste eigene Songs auf und wird ein kleiner Star in den Clubs der Stadt. In der Doku lernt man viele ihrer frühen Wegbegleiter*innen kennen, darunter ihre erste Managerin, die Regisseurin von "Borderline" oder auch Produzenten ihrer ersten Songs. In einem Interview wird sie gefragt, in welche musikalische Schublade sie passe. Sie antwortet, dass sie selbst die Schublade sei, und zwar eine komplett neue. Ansage.

Genau diese Sicherheit, es ganz weit zu bringen, ist ihr Schlüssel. Sie überzeugt einige Menschen des Showbusiness, in sie zu investieren. Der Rest ist Geschichte. "Becoming Madonna" zeigt eine Frau, die einen unglaublich starken Willen besitzt und gekonnt kleine Makel mit Coolness, Ironie und Klugheit überspielt. Es geht um ihren ersten richtigen Skandal bei den allerersten MTV Video Music Awards 1984, bei denen sie im Brautkleid "Like a Virgin" performt und einen Trend setzt – zum Leid sämtlicher Eltern, zur Freude sämtlicher Teenager.


Madonna provoziert mit sexuell aufgeladenen Songs und Performances (Bild: ZDF / Getty Images)

"Als kreativer Mensch grabe ich immer tiefer"

Dort beginnt ihr Siegeszug, männliche Dominanz zu packen und daraus eine weibliche Version zu machen. Männer wollen doch eh, dass Frauen sich ausziehen – dann möchte aber sie zumindest entscheiden, wann und wo sie das macht. Zu sehen sind Szenen aus ihrer turbulenten Ehe zu Sean Penn, Momente von ihrem Auftritt bei Live Aid, dem riesigen Aufschrei rund um die "Blond Ambition"-Tour und dem "Like a Prayer"-Musikvideo, bis 1992 der Gipfel des Skandals mit ihrem Bildband "Sex" erreicht wird.

"Als kreativer Mensch grabe ich immer tiefer", sagt sie. Sie sei alles und nichts von dem, was sie zeigt. Grenzen seien dafür da ausgelotet und neu definiert zu werden, eine heuchlerische Doppelmoral in der vermeintlich christlichen Gesellschaft wird von ihr nicht akzeptiert. Madonna zeigt stets ihr Zusammenspiel aus Songs, Musikvideos, Bühneninszenierungen, Outfits und knackigen, gut überlegten Aussagen in Interviews.

Madonna und die queere Community

Nicht zuletzt geht "Becoming Madonna" aber auch auf ihren Aktivismus ein. Sie verdankt der queeren Szene einen Großteil ihres Erfolgs. Als eine der ersten castet sie fast ausschließlich schwule Männer als Tänzer für ihre Tour – und das zu einer Zeit, in der sämtliche männerliebenden Männer ins Schussfeld geraten. Sie organisiert einen Auftritt, bei dem sie über Aids aufklären will und verkauft Bücher mit Zeichnungen und wichtigen medizinischen Informationen, die ansonsten weggeschwiegen werden. Das ist in den späten 1980er Jahren nahezu heldenhaft.

Madonna-Fans bekommen zu vielen bekannten Storys neue Einblicke und teils unveröffentlichtes Material, politisch engagierte Menschen werden die Ikone nochmal von ihrer aktivistischen Seite kennen und schätzen lernen. 89 kurzweilige Minuten über eine Frau, die häufig aneckte, viel Hass aushielt, aber auch mit Recht weiterhin einen außergewöhnlichen Kultstatus vorweisen darf, der nicht von ungefähr kommt.

-w-

Queere TV-Tipps
-w-

-w-