https://queer.de/?54660
Kulturkampf
SPD-Ministerien widersetzen sich Genderverbot der Union
Die Union setzt derzeit alles daran, geschlechtergerechte Sprache in Ministerien einzuschränken. Die SPD macht dabei offenbar nicht mit.

Das Bundesentwicklungsministerium von Alabali Radovan wehrt sich gegen das Genderverbot (Bild: Sandro Halank, Wikimedia Commons / wikipedia)
- 11. August 2025, 12:19h 2 Min.
Letzte Woche hatte ein Sprecher des CDU-geführten Digitalministeriums angekündigt, dass die gesamte Bundesregierung auf sogenannte Gendersprache verzichten werde (queer.de berichtete). Mehrere SPD-Ministerien widersprechen gegenüber dem "Tagesspiegel" (Bezahlartikel) dem Edikt des Koalitionspartners.
Das Umweltministerium von Carsten Schneider (SPD) betonte etwa auf Anfrage, dass geschlechtersensible Sprache zu einem diskriminierungsfreien Miteinander beitrage. "Konkret bedeutet dies, alle Geschlechter in der Sprache mit einzubeziehen", so ein Sprecher. Das Arbeitsministerium von SPD-Chefin Bärbel Bas erklärte ausdrücklich: "Im rein internen Schriftverkehr kann eine Wortbildung mit einem Gendersternchen erfolgen." Dies würde auch in Social-Media-Posts genutzt, weil diese Form kürzer und dort oft die Zeichenzahl wichtig sei.
Entwicklungsministerium: Gendersternchen ist "Standard"
Am weitesten geht das Bundesentwicklungsministerium von Alabali Radovan (SPD). Demnach sei die Nutzung des Gendersternchens "Standard", sowohl in der internen als auch in der externen Kommunikation.
Viele unionsgeführte Ministerien berufen sich dagegen meist auf die Empfehlungen des Rates für die deutsche Rechtschreibung, der Genderzeichen im Wortinneren nicht als "Kernbestand der deutschen Orthografie" einstuft (queer.de berichtete). Das generische Maskulinum findet allerdings kaum noch Verwendung, vielmehr sollen beide Geschlechter die Doppelnennungen wie "Lehrerinnen und Lehrer" dargestellt werden. Nichtbinäre Menschen, so die Kritik, werden dadurch sprachlich unsichtbar gemacht – anders als in der Form "Lehrer*innen". Allerdings gibt es auch nicht geschlechtliche Synonyme wie in diesem Fall "Lehrkräfte".
Geschlechtergerechte Sprache soll laut den Unterstützer*innen zur Vermeidung von Geschlechterstereotypen beitragen und auch nichtbinäre Menschen sichtbar machen. In den letzten Jahren ist das Thema aber von Rechts zu einem Kulturkampf hochstilisiert worden. Letztes Jahr stellte deshalb Duden-Chefin Kathrin Kunkel-Razum bedauernd fest, dass in der aufgeheizten Atmosphäre in Deutschland keine sachliche Debatte mehr über das Gendern möglich sei (queer.de berichtete).
Insbesondere in Union, FDP und AfD berufen sich Politiker*innen deshalb auf den Duden, der diese Schreibweise nicht zulasse. Kunkel-Razum bezeichnete diese Fokussierung aber als irrational, weil etwa andere, nach der deutschen Rechtschreibung "verbotene" Schreibweisen niemanden interessierten. So erklärte sie, dass etwa Prozentzeichen oder Hashtags eigentlich "nach den geltenden Rechtschreibregeln nicht zulässig" seien. Hier gebe es aber keinerlei Aufregung.
Als erstes Mitglied der neuen Bundesregierung hatte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) angekündigt, in ihrer Behörde das Gendern offiziell zu verbieten (queer.de berichtete). Zuletzt nahm Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) den Kampf gegen geschlechtergerechte Sprache auf – und forderte sogar, dass öffentlich geförderte Institutionen wie Museen oder der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht mehr gendern sollten (queer.de berichtete). Sanktionen hat die Bundesregierung aber bislang noch nicht ausgesprochen. (dk)
Bluesky / Sven Lehmann | Der ehemalige Queerbeauftragte der Bundesregierung warnt davor, dass die neue Verbotspolitik bei geschlechtergerechter Sprache bald auf andere Bereiche überschwappen könneWenn ihr demnächst einen Brief oder Tagebuch schreibt, passt bitte auf:Es könnte sein, dass plötzlich jemand im Auftrag des Kultur-Staatsministers vor eurer Tür steht und eure Sprache regulieren will!
Sven Lehmann (@sven-lehmann.eu) 2025-08-08T15:59:10.716Z
|














