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Religiöse Queerfeindlichkeit
US-Gericht: World Vision darf Homosexuelle diskriminieren
Die nach "christlichem Selbstverständnis" arbeitende Hilfsorganisation World Vision hat vor einem US-Gericht einen Sieg errungen: Sie darf Mitarbeitende wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminieren.

World-Vision-Demo in Berlin 2021 – die deutsche Sektion gibt vor, toleranter als die amerikanische Mutterorganisation zu sein (Bild: IMAGO / epd)
- 11. August 2025, 15:36h 2 Min.
Wer bei der evangelikalen Wohltätigkeitsorganisation World Vision in den Vereinigten Staaten arbeitet, kann wegen seiner sexuellen Orientierung gefeuert werden. Das hat letzte Woche ein Bundesberufungsgericht im kalifornischen San Francisco einstimmig entschieden (PDF).
Geklagt hatte eine Kundendienstmitarbeiterin, die sich 2020 im Bundesstaat Washington für eine Position beworben hatte und zunächst angestellt werden sollte. Als die Organisation dann erfuhr, dass die Frau mit einer anderen Frau verheiratet ist, zog sie die Zusage zurück. Dabei berief sie sich auf den eigenen Verhaltenskodex, wonach Mitarbeitende auch privat keinen Sex haben dürfen, sollten sie nicht verschiedengeschlechtlich verheiratet sein.
Die abgelehnte Frau verklagte daraufhin World Vision auf Diskriminierung – sowohl nach einem Bundesgesetz als auch nach dem Antidiskriminierungsgesetz des Staates Washington, das Ungleichbehandlung aufgrund der sexuellen Orientierung untersagt. Ein Bundesgericht hatte 2021 zunächst für World Vision entschieden, 2023 gab es jedoch zwei weitere Entscheidungen für die Frau.
Gericht: Antidiskriminierungsrichtlinien gelten nicht für religiöse Betriebe
Das Berufungsgericht begründete seine Entscheidung damit, dass World Vision eine religiöse Organisation sei und Antidiskriminierungsregeln, die dem Glauben widersprechen, nicht einhalten muss. Als Kundendienstmitarbeiterin vertrete sie schließlich die Organisation nach außen. Daher könne World Vision einen eigenen Standard setzen.
Eigentlich hatte World Vision bereits 2014 angekündigt, homosexuelle Mitarbeitende nicht mehr länger diskriminieren zu wollen. Nach einem Aufschrei von Konservativen zog die Organisation diese Zusage jedoch wieder zurück (queer.de berichtete). Die unabhängig agierende deutsche Sektion der Organisation beteuerte aber bereits damals, niemanden wegen der sexuellen Orientierung diskriminieren zu wollen.
World Vision arbeitet weltweit nach "christlichem Selbstverständnis". Die Organisation weltweit in über 100 Ländern tätig ist und sich für die Unterstützung von Kindern und Familien in Not ein. 2022 hatte die Organisation allein in Deutschland Gesamteinnahmen von 158,8 Millionen Euro erzielt, wobei ein Großteil davon aus Spenden und Patenschaften stammt. (cw)














