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Kulturkampf um geschlechtergerechte Sprache
Weimer: Keine Kürzung öffentlicher Zuschüsse wegen Genderns
Letzte Woche hatte Kulturstaatsminister Weimer noch getönt, dass etwa der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf Gendern verzichten sollte. Jetzt beteuert er: Es handle sich nur um eine Empfehlung.

Wolfram Weimer verspricht, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht den Geldhahn abdrehen zu wollen, sobald mal jemand in einer Talkshow gendert (Bild: IMAGO / NurPhoto)
- 13. August 2025, 14:07h 3 Min.
Museen, Stiftungen oder Rundfunkhäuser müssen nach den Worten von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nicht um ihre öffentliche Förderung fürchten, wenn sie weiter die sogenannte Gendersprache verwenden. "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun", sagte der 60-jährige parteilose Politiker der Funke Mediengruppe.
Dennoch bekräftigte Weimer seine grundsätzliche Ablehnung von Gendersternchen und Co.: "Ich empfehle halbstaatlichen oder öffentlichen Institutionen, die Regelsprache zu verwenden anstatt ideologischer Kunstsprachen." 60 bis 80 Prozent der Menschen in Deutschland seien gegen Gender-Sprechformen. "Das sollte man respektieren, wenn man im öffentlichen Auftrag oder mit öffentlichen Geldern kommuniziert", sagte Weimer. Allerdings sei das nur "eine Empfehlung, keine Anweisung".
Auf die Frage, was passiere, wenn Museen oder Stiftungen seiner Empfehlung nicht folgten, entgegnete er: "Dann folgen sie meiner Empfehlung eben nicht – und entfremden sich von ihrem Publikum."
Weimer hatte die Empfehlung zum Verzicht aufs Gendern an alle öffentlich geförderten Institutionen wie Museen, Stiftungen oder Rundfunkanstalten vergangene Woche geäußert (queer.de berichtete). Er sprach dabei von "staatlich geförderter Kommunikation". Auch in seiner Behörde sollen im offiziellen Schriftverkehr keine Sternchen, Doppelpunkte oder Unterstriche verwendet werden.
Lehmann: "Wir brauchen deutlich weniger Kulturkampf"
Scharfe Kritik an der Forderung von Weimer, in öffentlich geförderten Einrichtungen auf geschlechtergerechte Sprache zu verzichten, kamen vom Deutschen Kulturrat und Mika Beuster, der Bundesvorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV). Auch der ehemalige Queerbeauftragte der Bundesregierung, der Grünenpolitiker Sven Lehmann, kritisierte Weimers Vorstoß scharf: "Wir brauchen deutlich weniger Kulturkampf und deutlich mehr Kampf für die Kultur!", forderte der Kölner Bundestagsabgeordnete auf Bluesky in Richtung des Kulturstaatsministers.
Bluesky / Sven Lehmann100 Tage ist Kulturstaatsminister Weimer nun im Amt. Und ich finde:Wir brauchen deutlich weniger Kulturkampf und deutlich mehr Kampf für die Kultur!
Sven Lehmann (@sven-lehmann.eu) 2025-08-12T09:26:08.964Z
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In der Bundesregierung ist in den ersten 100 Tagen unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ein regelrechter Kulturkampf ums Gendern entfacht worden: Als erstes Mitglied der neuen Bundesregierung hatte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) angekündigt, in ihrer Behörde das Gendern offiziell zu verbieten (queer.de berichtete). Vor gut einer Woche hatte ein Sprecher des CDU-geführten Digitalministeriums angekündigt, dass die gesamte Bundesregierung auf sogenannte Gendersprache verzichten werde (queer.de berichtete). Dem widersetzten sich aber mehrere SPD-geführte Bundesministerien (queer.de berichtete).
Geschlechtergerechte Sprache soll laut den Unterstützer*innen zur Vermeidung von Geschlechterstereotypen beitragen und auch nichtbinäre Menschen sichtbar machen. In den letzten Jahren ist das Thema aber von Rechts zu einem Kulturkampf hochstilisiert worden. Letztes Jahr stellte deshalb Duden-Chefin Kathrin Kunkel-Razum bedauernd fest, dass in der aufgeheizten Atmosphäre in Deutschland keine sachliche Debatte mehr über das Gendern möglich sei (queer.de berichtete). Viele Konservative lehnen geschlechtergerechte Sprache aus Prinzip vehement ab und verweisen darauf, dass man im Deutschen in den letzten Jahrhunderten ohne sie ausgekommen sei. (dpa/dk)
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