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Kinostart
"Das Kanu des Manitu": Nicht wirklich was dazugelernt
In der ermüdenden Fortsetzung von "Der Schuh des Manitu" ist der schwule Winnetouch vielleicht tatsächlich "die emanzipierteste Figur von allen". Doch auch die neue Western-Komödie ist voller Klischees und Entgleisungen. Homoerotische Untertöne werden als Witz eingesetzt.

Michael Bully Herbig als Winnetouch in "Das Kanu des Manitu" (Bild: herbX film / Constantin Film)
- Von Jorah Diethold
14. August 2025, 11:24h 5 Min.
Fast ein Vierteljahrhundert nach "Der Schuh des Manitu" reiten die Figuren Abahachi (Michael Bully Herbig) und Ranger (Christian Tramitz) erneut über die Kinoleinwand – diesmal sogar über die ganz große. "Das Kanu des Manitu" ist nämlich der erste deutsche IMAX-Film, auch wenn dabei vermutlich vor allem der ökonomische Erfolg des Vorgängerfilms ausschlaggebend ist und nicht die Qualität des Films selbst.
In der Western-Komödie werden Abahachi und Ranger aufgrund falscher Anschuldigungen zum Tode verurteilt, was sich allerdings als Teil eines Plans der noch namenslosen siebenköpfigen Bande um den "Boss" (Jessica Schwarz) herausstellt, die es auf das titelgebende Kanu abgesehen hat. Dank Dimitri (Rick Kavanian) und seiner neuen Angestellten/Angebeteten Mary (Jasmin Schwiers) gelingt ihnen zunächst die Flucht, doch mit der Bande einerseits und dem Sheriff (Friedrich Mücke) und seinem Deputy (ebenfalls Rick Kavanian) andererseits auf den Fersen lässt sich schon erahnen, dass es nicht lange dauert, bis die vier Kamerad*innen wieder in Schwierigkeiten stecken. Zusätzlich wird die Beziehung der "Blutsbrüder" durch Geheimnisse über ihre jeweiligen Familienverhältnisse belastet.
Flacher Humor und eine große Schippe Nostalgie

Poster zum Film: "Das Kanu des Manitu" startet am 14. August 2025 bundesweit im Kino
Die einem typischen Abenteuerfilm folgende Handlung wird wie auch schon im ersten Film ab und zu von humoristisch gemeinten musikalischen Einlagen unterbrochen, ebenso wie von der ein oder anderen Abweichung vom Kurs, die durch ihre Absurdität zum Lachen bringen sollen. Für einige Zuschauer*innen mag das funktionieren, für andere wird es schnell langweilig und aufgrund der schieren Fülle ermüdend. Auch auf anderen Ebenen hat sich der Ton des Humors gegenüber dem Vorgänger wenig verändert: Es gibt visuelle Jokes, bei denen Metaphern wörtlich interpretiert werden, popkulturelle Referenzen, Slapstick, fliegende Holzspäne und natürlich dürfen Urin- und Fäkalhumor nicht fehlen. Die Dichte von flachen Sexwitzen hat glücklicherweise abgenommen, dafür gibt es mehr Bezugnahmen aufs Älterwerden. Hinzu kommt eine große Schippe Nostalgie.
Lediglich das Durchbrechen der vierten Wand und der neue "Komparse" Wolfgang (Merlin Sandmeyer) sorgen für ein wenig Abwechslung. Dialekte – diesmal nicht nur Bayrisch, sondern auch Sächsisch -, Sprachfehler und stereotype Darstellungen sollen ebenfalls zum Lachen bringen, dabei wird aber leider weiterhin vor allem nach unten getreten, so dass es vielen auch im Hals stecken bleiben dürfte. Insbesondere behindertenfeindliche und rassistische "Witze"/Entgleisungen scheinen immer noch en vogue.

Ermüdende Jokes: Abahachi (Michael Bully Herbig) und Ranger (Christian Tramitz) in "Das Kanu des Manitu" (Bild: herbX film / Constantin Film / Luis Zeno Kuhn)
Ranger als "alter weißer Mann"
An einigen Stellen versucht der Film, selbstkritisch zu sein. Ranger wird als "alter weißer Mann" beschrieben, und es mehrfach wird darauf verwiesen, dass das I-Wort nicht mehr genutzt werden soll – wobei der Begriff natürlich weiterhin ausgesprochen wird. Sexismus wird zum Glück kaum noch als "humoristisches" Element eingesetzt und einmal auch direkt angesprochen, als Boss sich beschwert, dass Wolfang sie wohl nur nach Suppe fragen würde, weil sie eine Frau ist. Die Frauenfiguren werden insgesamt als stark und kompetent inszeniert. Schade, dass ihr Weg am Ende dennoch stets in die Arme eines Mannes führt.
Abgesehen von ihnen scheint Abahachis schwuler Zwillingsbruder Winnetouch (ebenfalls Michael Herbig) die einzige Person zu sein, die kompetent genug ist, um nicht nur für sich selbst zu sorgen, sondern auch anderen aus der Patsche zu helfen. Insofern ist an Herbigs Aussage, dass Winnetouch "die emanzipierteste Figur von allen" sei, tatsächlich etwas dran. Die klischeehafte, rosarote Inszenierung des Charakters hat sich ansonsten nicht wirklich verändert. Dafür bekommt er aber kaum noch Screentime und entsprechend keine Gelegenheit für emotionale Tiefe. Dies lässt sich besonders im Vergleich zur Romanze zwischen Dimitry und Mary sehen, die sich über die gesamte Laufzeit hinweg entwickeln kann und eine eigene Musical-Einlage bekommt. Dass Winnetouch ebenfalls einen Partner findet, wird nur im finalen Voice-Over beschrieben und es wird keine einzige Interaktion zwischen den beiden gezeigt. Homoerotische Untertöne zwischen Abahachi und Ranger sowie dem Sheriff und seinem Deputy werden als Witz eingesetzt.
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Verantwortungslose Wildwest-Fantasien
Das größte Problem des Films liegt aber in seiner skurrilen Auseinandersetzung mit der deutschen Faszination mit Native Americans. So wird zwar anerkannt, dass Abahachi gar kein "echter Apache" ist, gleich im nächsten Atemzug gibt es dann aber schon die perfekte Lösung, damit sich ja keine*r schlecht fühlen muss, der*die früher "Cowboy und Indianer" gespielt hat oder Western-Fantasien feiert: Es zählt doch nicht die Abstammung, sondern wer sich im Herzen als Apache fühlt, der sei es auch. Besonders absurd wird es, als Abahachi/Herbig zu einer Gruppe von Native Americans sagt "Seit ich denken kann, wollte ich so sein wie ihr" und von ihnen versichert bekommt, dass er weiterhin Teil von ihnen und ihr "Häuptling" sei.
Ich begrüße die Botschaft, dass keine Person nach ihrer Herkunft verurteilt werden soll. In Anbetracht der beachtlichen Menge an weißen Deutschen, die immer noch in ihrer Freizeit Redfacing betreiben und wahlweise zu "Powwows" oder Karl-May-Festspielen zusammenkommen, vom Amerikanistik-Professor Hartmut Lutz auch als "Indianerenthusiasmus" bezeichnet, kommt dies aber einer Ablehnung jeglicher Verantwortung für Wildwest-Fantasien gleich. Die Vorwürfe von kultureller Aneignung, Überidentifikation und Romantisierung kolonialer Projektionen können so einfach von sich gewiesen werden, schließlich seien wir doch alle "Brüder im Geiste". So wird sich auch direkt selbst die Absolution erteilt, im Jahr 2025 noch einen solchen Film herauszubringen, in dem ein weißer Mann mit schlechter Perücke im Lederkostüm über die Leinwand springt.
Zumindest könnte man hoffen, dass nach einer solchen (wenn auch fehlplatzierten) versöhnlichen Szene mit dem Franchise abgeschlossen wird, allerdings lässt die kurze Post-Credit-Szene befürchten, dass eventuell noch weitere Teile folgen.
Das Kanu des Manitu. Western-Komödie. Deutschland 2025. Regie: Michael Bully Herbig. Cast: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Jasmin Schwiers, Jessica Schwarz, Friedrich Mücke, Daniel Zillmann, Tobias van Dieken, Pit Bukowski, Akeem van Flodrop, Tutty Tran, Merlin Sandmeyer, Sky du Mont. Laufzeit: 88 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 6. Verleih: Constantin Film. Kinostart: 14. Oktober 2025
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