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Interview
Von "Prince Charming" in die Politik: Lars Tönsfeuerborn über seine Pläne in der SPD
Im Interview mit queer.de spricht der erfolgreiche Podcaster und Reality-Star Lars Tönsfeuerborn über Queerness in der Politik, Missstände in Deutschland und die Frage, ob er der TV-Branche weiterhin treu bleiben möchte.

Träumt von einer politischen Karriere: Lars Tönsfeuerborn im Gespräch mit der ehemaligen SPD-Vorsitzenden Saskia Esken (Bild: privat)
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16. August 2025, 08:33h 6 Min.
Lars Tönsfeuerborn (35) ist Reality-Star, Podcaster und Unternehmer – und seit diesem Jahr auch SPD-Mitglied. Bekannt wurde er 2019 als erster Sieger der queeren Dating-Show "Prince Charming", es folgten zahlreiche TV-Formate und erfolgreiche Podcast-Projekte wie "Niemand muss ein Promi sein" und "schwanz & ehrlich". Letzteren moderierte er gemeinsam mit zwei Co-Hosts – und sorgte kürzlich für Aufsehen, als er alle Folgen des Podcasts kurzzeitig offline nahm.
Im Interview mit queer.de spricht er offen über die Gründe für diese Entscheidung und seine heutige Sicht darauf. Darüber hinaus geht es um Queerness in der Politik, seine Beweggründe für den Eintritt in die SPD und die Frage, ob er sich künftig aus der TV-Branche zurückzieht. Tönsfeuerborn verrät, welche politischen Themen für ihn besonders dringlich sind, und nimmt Stellung zur Frage, ob queere Politiker*innen heute noch immer mit größeren Hürden konfrontiert sind als nicht-queere.
Lars, du bist Anfang dieses Jahres in die SPD eingetreten und zeigst dich seither zunehmend politisch engagiert. Was hat dich zu diesem Schritt bewegt? Gab es bereits zuvor politische Aktivitäten – vielleicht auch eher im Hintergrund?
Der Schritt in die SPD war für mich eine bewusste Entscheidung, vor allem nach der Abstimmung von CDU und AfD im Bundestag, weil ich aktiv an der Gestaltung unserer Gesellschaft mitwirken möchte und mich dem Rechtsruck entgegenstelle. Schon vorher habe ich mich politisch engagiert, etwa durch meinen Einsatz rund um die seelische Gesundheit, Unterstützung von Initiativen zu sozialen Themen und dem Aktivismus für queere Belange und Rechte. Mit dem Eintritt in die SPD wollte ich diese Aktivitäten auf eine strukturierte, organisierte Ebene bringen und selbst Verantwortung übernehmen.
Welche gesellschaftlichen oder politischen Missstände siehst du aktuell in Deutschland, die deiner Meinung nach dringend angegangen werden müssten?
Ich sehe insbesondere Ungleichheiten bei Bildung, sozialer Gerechtigkeit und der Gleichstellung von queeren Menschen und weiblich gelesenen Personen als drängend. Außerdem ist der Rechtsruck in unserem Land ein großes Thema, bei dem die Politik mutigere Schritte unternehmen muss. Es gibt zudem eine wachsende Diskrepanz zwischen politischer Kommunikation und der Lebensrealität vieler Menschen, die dringend adressiert werden sollte.

Lars Tönsfeuerborn bei einer Demo gegen die AfD (Bild: privat)
Hast du bereits konkrete Ideen oder Ansätze, wie du selbst aktiv zur Lösung dieser Probleme beitragen möchtest?
Aktuell mache ich mir erstmal ein genaues Bild von der Politik und ihren Strukturen. Ich will verstehen, wie Dinge wirklich funktionieren. Danach werde ich entscheiden, welchen Weg ich konkret gehen möchte. Auf meiner Agenda stehen vor allem Themen wie seelische Gesundheit, queere Rechte und eine soziale Politik, bei der nicht nur die da oben profitieren, sondern diejenigen, die es wirklich brauchen. Genau das verstehe ich unter Sozialdemokratie.
Würdest du sagen, dass es für queere Personen schwieriger ist, sich in der Politik zu behaupten als für cis-heteronormative Menschen?
Bestimmt, die politische Landschaft ist nach wie vor stark von cis-heteronormativen Strukturen geprägt. Und machen wir uns nichts vor, ich bin selber sehr privilegiert als weißer cis-schwuler Mann, da bekomme ich es oft nicht so ab, wie andere Menschen in unserer Gesellschaft. Queere Menschen müssen häufig zusätzliche Hürden überwinden, sei es durch Vorurteile, fehlende Repräsentation oder subtile Diskriminierung. Ich kann mich für Diversität stark machen, aber am Ende muss sich diese Diversität in den politischen Vertretern unserer Gesellschaft widerspiegeln.
Du hattest zwischenzeitlich die Folgen des erfolgreichen Podcasts "schwanz & ehrlich" offline genommen. Hattest du Sorge, dass die teils sehr offenen, sexuellen Inhalte dir persönlich oder politisch zum Nachteil gereichen könnten?
Ja, ich habe mir durchaus Gedanken gemacht, wie diese Inhalte von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden könnten. Aber vor allem hatte ich große Angst, dass einzelne Zitate von den Rechten genutzt und aus dem Kontext gezogen oder gegen mich verwendet werden könnten.
Was hat dich letztlich dazu bewogen, die Podcast-Folgen wieder online zu stellen?
Die Entscheidung, die Folgen wieder online zu stellen, war ein Ausdruck von Haltung und Authentizität. Ich möchte zeigen, dass politische Arbeit und Offenheit über Sexualität kein Widerspruch sein müssen. Zudem habe ich viele Rückmeldungen aus meiner Community bekommen, die den Podcast als wertvoll und aufklärend empfanden. Wir haben mit diesem Podcast so viel gutes erreicht und bewegt, da sollte die Angst nicht überwiegen, sondern meine Haltung.
Denkst du, dass es in der Politik mehr Offenheit und Enttabuisierung – etwa im Hinblick auf sexuelle Themen – geben sollte? Oder findest du es sinnvoll, dass politische Kommunikation weiterhin einem gewissen "seriösen" Rahmen folgt?
Ich denke, beides lässt sich verbinden. Politik sollte seriös bleiben, aber das bedeutet nicht, dass bestimmte Themen tabu sein müssen. Offenheit und Enttabuisierung können helfen, die Gesellschaft realistischer abzubilden und Menschen zu zeigen, dass Politik für alle da ist, unabhängig von ihrer Identität oder Lebensweise. Die Menschen wollen Menschen in ihren Parlamenten und keine politischen Marionetten.
Lange Zeit war es dein Wunsch, im Trash-TV stattzufinden. Besteht weiterhin Interesse an Formaten wie dem Dschungelcamp oder "Promi Big Brother"? Oder liegt dein Fokus inzwischen ganz auf deiner politischen Laufbahn
Der Fokus liegt inzwischen klar auf meiner politischen und unternehmerischen Arbeit. Die Unterhaltungsbranche darf dennoch Teil meines Lebens bleiben, wieso muss das eine das andere ausschließen? Aber meine öffentliche Rolle möchte ich stärker nutzen, um gesellschaftlich relevante Themen zu adressieren. Wenn dann mal ein Angebot für eine Show kommen sollte, werde ich es mir überlegen und abwägen.

Lässt kein Promifoto aus: Lars Tönsfeuerborn mit Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz (Bild: privat)
Wie blickst du auf die Zukunft Deutschlands? In deinen Instagram-Storys übst du immer wieder Kritik an der aktuellen Koalition. Glaubst du, dass Deutschland unter dieser Regierung gute Chancen hat?
Deutschland hat alle Chancen, wirtschaftlich stark zu bleiben und soziale Gerechtigkeit auszubauen. Aber die ersten 100 Tage dieser schwarz-roten Koalition haben gezeigt: Sozialpolitik findet praktisch nicht statt. Die SPD wirkt oft zu still, während die CDU schon jetzt Signale nach rechts sendet und sich für eine mögliche schwarz-blaue Option aufstellt. Das macht mir große Sorgen – gerade bei dem Rechtsruck, den wir überall sehen. Ich will, dass die SPD wieder klar macht, dass Politik für alle Menschen da ist, nicht nur für die, die ohnehin schon profitieren. Ein positiver Punkt ist die geplante Erhöhung des Mindestlohns auf 14,60 € bis 2027 – mit dem SPD-Ziel von 15 €. Aber soziale Politik ist kein Rabattgutschein, den man alle paar Jahre einlöst – sie muss der Kern der Regierung sein. Die SPD muss diesen Kurs konsequent ausbauen und darf ihn nicht im Koalitionsnebel verlieren.
Gibt es Politiker*innen – vielleicht auch queere Persönlichkeiten – die dich besonders beeindrucken oder inspirieren?
Ja, es gibt einige, die mich inspirieren. Allen voran zum Beispiel Bärbel Bas – sie ist für mich das Paradebeispiel einer SPD-Politikerin: Nähe zu den Menschen, Haltung und Durchsetzungsvermögen sowie Bodenhaftung. Sie zeigt mit ihrer Vita, dass man alles schaffen kann. Sie ist die beste Wahl als Vorsitzende der Partei. Solche Persönlichkeiten motivieren mich, selbst aktiv zu sein und mich für eine gerechtere Gesellschaft einzusetzen.














