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Interview

Mit einem Hetero-Pärchen raus aus der Bubble

Brizzi Bremse veröffentlicht den Kurzroman "Und am Abgrund wartetest du auf mich". Er hat sich bewusst gegen ein queeres Liebespaar entschieden – queere Perspektiven und Tabuthemen wie Depressionen finden dennoch ihren Platz.


Brizzi Bremse, bürgerlich Fabian Girschick, ist auch freier Autor für queer.de (Bild: Phillipp F. East)
  • 16. August 2025, 10:53h 5 Min.

Erst im vergangenen Jahr veröffentlichte Brizzi Bremse (26), bürgerlich Fabian Girschick, seine Autobiografie "Mama, warum lachen alle über mich?", in der er offen über Mobbing, mentale Gesundheit und sein eigenes Coming-out sprach (queer.de berichtete). Nun legt der Content Creator, der bereits in mehreren TV- und YouTube-Formaten zu sehen war, mit einem fiktiven Kurzroman nach – und der hat es in sich.

Denn "Und am Abgrund wartetest du auf mich" ist weit mehr als eine klassische Liebesgeschichte. Wie schon sein erstes Werk greift der Roman sensible und gesellschaftlich relevante Themen auf – darunter Depressionen, Suizidgedanken und die Frage nach emotionaler Nähe.

Überraschend ist jedoch die Wahl des Liebespaares: Es handelt sich nicht um ein queeres Paar. Gerade weil Brizzi Bremse queere Themen sonst so leidenschaftlich vertritt – wie auch sein Instagram-Account zeigt – wollten wir wissen, was hinter dieser Entscheidung steckt. Und was sein neuer Roman sonst noch erzählt.


"Und am Abgrund wartetest du auf mich" ist bereits das zweite Buch von Brizzi Bremse

Brizzi, worum geht es in deinem Kurzroman "Und am Abgrund wartetest du auf mich" – kurz und knapp?

Mein Kurzroman erzählt die Geschichte von Lonán, einem angehenden Studenten, der seit längerer Zeit mit Depressionen kämpft. Als ein retraumatisierender Vorfall auf dem Uni-Campus ihn völlig aus der Bahn wirft, sieht er keinen anderen Ausweg mehr – und beschließt, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch kurz bevor er von einer Brücke springen will, begegnet er der geheimnisvollen und wunderschönen Shae, die ihn im letzten Moment davon abhalten kann. Zwischen den beiden entsteht eine besondere Verbindung, und Lonán beginnt, Gefühle für sie zu entwickeln. Aber er muss sich einer schwierigen Frage stellen: Liebt er Shae wirklich – oder sind es nur Gefühle der Dankbarkeit? Ist sie für ihn Rettung, Projektionsfläche oder tatsächlich die große Liebe?

Aus deinem Instagram-Posting zum Buch-Release geht hervor, dass dein Roman noch viele weitere gesellschaftlich relevante Themen aufgreift. Magst du darüber etwas mehr erzählen?

Gerne! Im Fokus stehen zwar die Liebesgeschichte zwischen Lonán und Shae sowie seine Depressionen und der verhinderte Suizidversuch, die den emotionalen Kern der Handlung bilden. Darüber hinaus behandelt der Roman aber viele weitere gesellschaftlich relevante Themen, die das Umfeld der Figuren prägen – darunter Alkoholmissbrauch, körperliche Gewalt und queere Lebensrealitäten. So steht Lonáns beste Freundin kurz vor ihrer geschlechts­angleichenden Operation, und sein schwuler Uni-Kumpel entwickelt Gefühle für ihn, was vorübergehend zu Spannungen zwischen ihnen führt.

Obwohl queere Themen also offenbar ihren Platz bekommen, hast du dich gegen ein queeres Liebespaar entschieden. Warum?

Ich habe das Gefühl, dass queere Serien und Bücher wie "Heartstopper" häufig vor allem innerhalb der Community konsumiert werden – also überwiegend von queeren Personen selbst. Und das ist natürlich schön und wichtig. Aber ich wünsche mir, dass queere Themen auch außerhalb dieser Bubble wahrgenommen werden. Deshalb habe ich mich bewusst gegen ein queeres Liebespaar entschieden.

Mein Roman wirkt auf den ersten Blick nicht queer – und genau dadurch kann er vielleicht Menschen erreichen, die sich sonst nicht mit queeren Inhalten beschäftigen würden. Wie ich schon in einem anderen Interview gesagt habe: "Queerness kommt definitiv nicht zu kurz – sie ist Teil der Geschichte, aber nicht ihr Aushängeschild." Das beschreibt ganz gut, wie ich an den Kurzroman herangegangen bin.

Die Themen, die du in deinem Buch behandelst, sind teilweise ziemlich komplex und verlangen besondere Sensibilität. Wie bist du damit umgegangen?

Vor Beginn des Schreibprozesses habe ich zahlreiche Gespräche mit Stiftungen, Beratungsstellen und betroffenen Personen geführt. Mir war es wichtig, einen möglichst authentischen Blick auf die Themen zu bekommen – und diesen auch respektvoll und nachvollziehbar an die Leser*innen weiterzugeben.

Gerade bei Depressionen ist mir bewusst, dass es keine pauschalisierbaren Symptome oder Herausforderungen gibt. Jede Erfahrung ist individuell. Deshalb habe ich auch nicht den Anspruch, alles vollständig oder mit hundertprozentigem Wahrheitsgehalt abzubilden.

Mein Ziel ist vielmehr, einen Einstieg zu schaffen – eine Grundsensibilisierung. Ich möchte Menschen dazu anregen, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und vielleicht auch eigene Erfahrungen oder Perspektiven zu reflektieren.

An wen richtet sich dein Buch – und warum sollte man es unbedingt gelesen haben?

Ich würde sagen, dass sich das Buch grundsätzlich an alle Menschen richtet. Denn ich finde es wichtig, dass wir uns als Gesellschaft mehr mit Themen auseinandersetzen, die oft als Tabu gelten – wie psychische Gesundheit, Suizidgedanken oder queere Lebensrealitäten. Es braucht mehr Offenheit und Dialog darüber.

Gleichzeitig geht es im Buch auch um Freundschaften, Beziehungen und emotionale Nähe – also um Themen, mit denen sich eigentlich jede*r identifizieren kann.

Vom Genre her lässt sich der Roman vielleicht am ehesten im Bereich New Adult verorten, aber ich möchte mich da gar nicht zu sehr festlegen. Für mich steht die Geschichte und ihre Wirkung im Vordergrund – nicht die Schublade.

Das Buch vorbestellen

Das Werk erscheint zunächst ausschließlich im Rahmen eines Vorbestellverfahrens und ist vorerst nicht im regulären Handel erhältlich. Wer ein Exemplar erwerben möchte, sollte seine Bestellung bis spätestens 15. September 2025 aufgeben – entweder über Brizzi Bremses Etsy-Shop, per Mail an buchbestellung@brizzant.de oder via Direktnachricht auf Instagram.

Ob das Buch später in den regulären Verkauf geht, ist noch ungewiss. "Das hängt stark davon ab, wie groß die Nachfrage im Vorbestellprozess ist", erklärt Bremse. Die Auslieferung erfolgt gegen Ende September bzw. Anfang Oktober – liebevoll und eigenhändig vom Autor persönlich.
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