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"Germany's Next Topmodel"

Eliob: "Vielfalt und Können schließen sich nicht aus"

Trotz guter Leistungen endete für Eliob Demofike die GNTM-Reise kurz vor dem Finale. Mit etwas Abstand spricht er nun darüber, was bleibt, wenn die Kameras aus sind – und warum er sich nach wie vor ein diverseres Finale gewünscht hätte.


Eliob Demofike war eines der queeren Models in der 20. Staffel der Castingshow "Germany's Next Topmodel" (Bild: @keha_photo)

Eliob Demofike galt in der vergangenen Staffel von "Germany's Next Topmodel" (GNTM) als der Sonnenschein der Show – stets mit einem Lächeln auf den Lippen, professionell und hochmotiviert. Trotz seines großen Talents, das er bereits vor seiner Teilnahme an GNTM international unter Beweis gestellt hatte, verpasste er denkbar knapp den Einzug ins Finale und schied im Halbfinale aus. Damit wurde ihm auch die Chance auf ein diverses Finale genommen – ein Umstand, den er in einem Interview mit Gossip-Reporter Ramon Wagner deutlich kritisierte.

Im Gespräch mit queer.de spricht Eliob nun ehrlich über seine Zeit bei GNTM, über die Diskrepanz zwischen Show und echter Modebranche – und über die Bedeutung von Sichtbarkeit für queere Menschen im Fernsehen. Er erzählt, was von der Teilnahme bleibt, wie ihn die Erfahrungen geprägt haben und welche Wege er nun gehen möchte.

Eliob, rund zwei Monate nach dem großen Finale – wenn du heute auf deine Zeit bei "Germany's Next Topmodel" zurückblickst: Was überwiegt, Stolz, Kritik oder vielleicht ganz andere Gefühle?

Vor allem Stolz. Ich habe mich gezeigt, wie ich bin – mit Ecken, Kanten, Stärken und Schwächen. Natürlich reflektiere ich auch kritisch, aber unterm Strich überwiegt Dankbarkeit für die Plattform und die Menschen, die mich auf diesem Weg unterstützt haben.

Du warst ja schon vor GNTM in der Modelwelt unterwegs. Wie realitätsnah empfindest du das Format im Vergleich zur echten Branche?

GNTM ist in erster Linie Unterhaltung. Die echte Modelbranche ist oft schneller, härter und unromantischer. Aber es gibt auch Parallelen – zum Beispiel der Druck, sich zu behaupten. Der größte Unterschied ist: Bei GNTM gibt es Kameras, in der Branche meistens nicht.

Stell dir vor, Freund*innen würden dich heute fragen, ob sie sich bei GNTM bewerben sollen – was würdest du ihnen ehrlich antworten?

Nur, wenn sie genau wissen, warum sie es machen. Es ist eine große Chance, sich zu zeigen und zu wachsen – aber keine Abkürzung. Wer denkt, dass GNTM den Weg in die Branche komplett ersetzt, wird enttäuscht sein.

Nach deinem Ausscheiden hast du in einem Interview mit Ramon Wagner geäußert, dass das Finale nicht divers genug gewesen sei. Einige Fans fanden, Leistung solle im Vordergrund stehen. Wie denkst du heute über deine Aussage – und über die Reaktionen der Zuschauer*innen?

Ich stehe zu meinem Wunsch nach mehr Diversität – und das hat nichts damit zu tun, Leistung kleinzureden. Vielfalt und Können schließen sich nicht aus, im Gegenteil. Leider wird in Social Media oft zugespitzt und aus dem Kontext gerissen. Ich habe gelernt, dass man nicht kontrollieren kann, wie Menschen etwas interpretieren – aber ich weiß, wofür ich stehe, und das bleibt.

In der Staffel wurden auch viele liebevolle Szenen mit deinem Partner gezeigt. Wie wichtig ist es dir, dass queere Liebe und Identität in Formaten mit großer Reichweite wie GNTM sichtbar gemacht werden?

Für mich persönlich ist das extrem wichtig. Ich habe vor Kurzem meinen Partner Myat geheiratet und weiß, wie selten queere Liebesgeschichten im Mainstream gezeigt werden. Solche Bilder können Menschen Mut machen, die sich vielleicht selbst noch nicht trauen, offen zu leben.


Eliob hat vor Kurzem seinen Partner Myat geheiratat (Bild: @mevandcosh)

Auf Instagram hast du mal sinngemäß geschrieben, dass es zwar viele Drinks auf Events gibt, aber die Jobs eher ausbleiben. Hattest du dir von deiner Teilnahme beruflich mehr erhofft?

Der Satz war ein Reality-Check. Events sind schön, aber am Ende will ich arbeiten und gebucht werden. Sichtbarkeit ist ein Start, aber man muss auch nach der Show konstant Arbeit reinstecken – und das mache ich.

Gibt es aktuell Projekte, über die du sprechen darfst? Und verfolgst du weiterhin den Weg als hauptberufliches Model?

Ich arbeite aktuell an mehreren Projekten, sowohl in der Mode als auch im kreativen Bereich. Mein Ziel ist es, international zu arbeiten und langfristig von meiner Kreativität leben zu können – ob als Model, Creator oder in anderen Formaten.

Falls es mit dem Modeln nicht dauerhaft klappt – hast du einen Plan B? Und wären auch TV-Formate aus dem Trash-Bereich für dich denkbar?

Mein Plan B wäre trotzdem etwas, das meine Kreativität fordert – vielleicht Moderation, Musik oder eigene kreative Projekte im Medienbereich. Musik begleitet mich schon lange und ist für mich ein Weg, Emotionen auszudrücken. Trash-TV? Nur, wenn das Format zu meinen Werten passt und ich mich darin authentisch zeigen kann.

Für Aufmerksamkeit sorgte auch, dass du bereits Samen gespendet hast. Hattest du mit so viel medialem Echo gerechnet? Und wie gehst du damit um – eher gelassen oder genervt?

Ich habe nicht mit diesem großen Echo gerechnet. Für mich ist das kein Tabuthema – es ist ein Teil meiner Geschichte. Wenn dadurch Gespräche über Familie, Vielfalt oder neue Familienmodelle angestoßen werden, ist das sogar etwas Positives.

Gibt es etwas, das man durch GNTM noch nicht über dich erfahren hat, das du aber besonders spannend oder typisch für dich findest? Vielleicht eine schräge Angewohnheit oder ein verborgenes Talent?

Ich bin ein absoluter Foodie – ich probiere auf Reisen immer die verrücktesten Gerichte aus, egal ob Streetfood in Asien oder Fine Dining in Europa. Und: Ich kann wahnsinnig schnell Menschen zum Lachen bringen – auch in den ernstesten Situationen.

-w-