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Ausgrenzung beklagt
"Genderinklusive Sprache ist eine Errungenschaft, keine Deformation"
Ein offener Brief aus der Queer Media Society fordert von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, keine Sprachverbote zu verhängen, sondern inklusive Lösungen zu suchen.

Wolfram Weimer gibt sich öffentlich mehr als Kulturkämpfer denn -minister (Bild: Jesco Denzel / Bundesregierung)
- 20. August 2025, 06:04h 3 Min.
In einem Offenen Brief (PDF) hat die Arbeitsgemeinschaft Trans, Inter, Nicht-Binär der Queer Media Society (QMS) von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gefordert, sich für inklusive Sprache zu engagieren. Der Brief war am Dienstag zunächst von Filmregisseur und Mitinitiator Kai S. Pieck in der "taz" vorgestellt worden und kann online mitunterzeichnet werden.
Der auch für Medien zuständige Weimer hatte Anfang August angekündigt, dass seine im Kanzleramt angesiedelte Behörde nicht "gendern" werde: "Statt Formulierungen mit Sternchen oder Binnen-I zu verwenden, begrüßen wir die Adressaten mit der Anrede 'Sehr geehrte Damen und Herren'" (queer.de berichtete). Der frühere Publizist sprach dabei von einem "erzwungenen Gendern", dass die "Spaltung unserer Gesellschaft" vertiefe. Später forderte er, dass öffentlich geförderte Stellen wie Museen und öffentlich-rechtliche Medien dieser Linie folgen sollten, stellte nach einem Aufschrei aber klar, dass dies eine Empfehlung sei und kein Kriterium bei der Mittelvergabe (queer.de berichtete).
In dem "taz"-Begleittext weist Pieck darauf hin, dass sich die Richtlinie des Amtes bereits diskriminierend auswirke. So sei die QMS kürzlich vom Filmreferat des Kulturstaatsministers mit "Sehr geehrte Damen und Herren" eingeladen worden, Vorschläge zur "Neuberufung der Fachjurys für Preise" einzureichen. Während beteuert werde, dem Minister sei "eine diverse und ausgewogen besetzte Jury ein besonderes Anliegen", sei darauf hingewiesen worden, "für jeden Gremiensitz jeweils eine Frau und einen Mann vorzuschlagen".
Vorwurf Populismus und Diskriminierung
In dem offenen Brief zeigt sich die QMS besorgt, dass Weimer Sprachverbote verhänge – dabei schaffe gerade "das Verbot diversitätssensibler Sprache Spaltung, Zwang und genau die ideologisch getriebene 'bevormundende Spracherziehung', die Sie vorgeblich ablehnen". Auch wenn der Minister bei öffentlich geförderten Kulturinstitutionen inzwischen zurückgerudert sei, bleibe "der fade Nachgeschmack, dass Gender als populistischer Spielball verwendet wird".
Wo trans, inter und nicht-binäre Menschen sprachlich nicht erwähnt werden, bleiben sie unsichtbar, beklagt der Brief weiter. Wenn in Formularen, Schreiben und offiziellen Kontakten nur noch "Herr" oder "Frau" als Anrede zulässig sind und mit Pluralformulierungen im generischen Maskulinum nur Männer direkt angesprochen werden, werde die Sprachlenkung "zu einem Akt staatlicher Diskriminierung, der den Zugang zu staatlichen Leistungen, Kulturangeboten und öffentlicher Kommunikation einschränkt." Weimer wisse das und nehme es billigend in Kauf.
"Genderinklusive Sprache ist eine Errungenschaft, keine Deformation", betont der Brief. "Sie möchte Frauen und Männer nicht semantisch abschaffen, sondern auch die Menschen ansprechen, die von der binären Einteilung in Mann und Frau nicht abgebildet werden." Diese seien nicht nur wissenschaftlich, sondern auch juristisch anerkannt. Die QMS verweist auf die von Karlsruhe durchgesetzte Möglichkeit eines dritten Geschlechtseintrags und der "Pflicht des Staates, inter und nichtbinäre Menschen auch in der Anrede sprachlich abzubilden", sowie generell auf einen inklusiven Umgang mit Minderheiten, wie er sich unter anderem durch das Grundgesetz, die Europäische Menschenrechtskonvention, die EU-Grundrechtecharta und die Yogyakarta-Prinzipien ergebe.
Konstruktives Handeln Weimers gefordert
"Sprache aktiv zu verbieten, die uns respektiert und einschließt, ist ein Angriff auf unsere Menschenrechte und unsere Würde", so Pieck sowie Terry Reinhold und Alison Schumacher in dem offenen Brief. "Und sie ist Wasser auf die Mühlen all derer, die uns mehr nehmen wollen als Sternchen oder Doppelpunkte. Antrieb für diejenigen, die uns Stück für Stück aus dem öffentlichen Leben verdrängen und unsere Rechte einschränken wollen."
Zwar könnten "manche genderinklusiven Formulierungen umständlich oder sperrig wirken", so die QMS. Der Brief lädt Weimer ein, den Dialog zu suchen und gemeinsam Lösungen und Alternativen zu finden, "anstatt unliebsame Fortschritte zu verbieten": "Ein Engagement für inklusive Sprache wäre das Gebot der Stunde." So könne man einen behördlichen Sprachleitfaden entwickeln, der die Vielfalt der Geschlechter respektvoll berücksichtigt. (cw)
Mehr zum Thema:
» QMS-Webseite zum Offenen Brief














