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Filmfestival
Queere Geisterbahn an der Themse
Beim "FrightFest 2025", Großbritanniens führendem Horror- und Fantasy-Filmfestival, werden vom 21. bis 25. August auch einige neue Gruselstreifen mit LGBTI-Thematik zu sehen sein.

Szene aus dem Film "Don't Let the Cat Out" (Bild: FrightFest)
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20. August 2025, 09:40h 5 Min.
Am Donnerstag beginnt in London das "FrightFest 2025", Großbritanniens führendes Horror- und Fantasy-Filmfestival. Bis zum 25. August werden auch einige Gruselstreifen mit queerer Thematik an der Themse zu sehen sein.
Weltpremiere feiert etwa der Krallen-Grusler "Don't Let the Cat Out" von Regisseur Tim Cruz mit Anthony Del Negro – die beiden arbeiteten bereits beim schwulen Stalker-Thriller "Ladybug" zusammen.
Aus Australien kommt die trans Filmemacherin Alice Maio Mackay mit "The Serpent's Skin", einer ebenso furchterregenden wie zärtlichen Erkundung von Liebe, Geschlechtsidentität und persönlichem Wachstum.

Szene aus "The Serpent's Skin"b(Bild: FrightFest)
Ebenfalls aus Down Under: Parish Malfitanos "Salt Along The Tongue" – ein einzigartiger Horrorfilm, der Hexerei, Besessenheit und Exorzismus mit reiner Kinopoesie verbindet. Außerdem ehrt das Festival den belgischen Kultregisseur Harry Kümel mit 4K-Restaurierungen seiner Werke "Daughters of Darkness" (1971), einem erotischen Vampirmärchen, und "Malpertuis", einer surreal-gotischen Geschichte um Hexenmeister und gefangene olympische Götter.
Zum 50. Jubiläum von "The Rocky Horror Picture Show" widmet sich Andreas Zerrs Doku "Sane Inside Insanity: The Rocky Horror Phenomenon" dem Kultmusical – vom in Wachsmalstiften gekritzelten Zwei-Seiten-Skript über den Off-West-End-Erfolg und die zunächst gefloppte Verfilmung bis hin zum globalen Mitternachtsfilm-Phänomen.
Zu den dokumentarischen Höhepunkten zählt auch "Captured Souls: In Conversation with Graham Humphreys", ein Porträt des legendären britischen Horror-Illustrators, sowie "The Degenerate: The Life and Films of Andy Milligan" über den Avantgarde-Theatermacher, Pionier des queeren Kinos und berüchtigten Exploitation-Regisseur, auch bekannt als "der Fassbinder der 42nd Street".
Einige Filme stellen wir im Folgenden näher vor. Das vollständige Programm und Tickets gibt es unter frightfest.co.uk.
"Don't Let the Cat Out" (USA 2025)
Ein katzenbesessenes Paar sucht nach einem menschlichen Gefäß für die Seele seines geliebten Stubentigers – die neueste tödliche Delikatesse von Regisseur Tim Cruz und Produzent/Schauspieler Anthony Del Negro, dem Duo hinter dem FrightFest-Highlight "Ladybug" (2024). Der College-Student Charlie wird engagiert, um in einem abgeschiedenen Herrenhaus für ein exzentrisches Paar zu hüten. Doch kaum sind die Hausherren weg, wird Charlies Realität bizarr katzengetrieben: seltsame Hausregeln, Katzenornamente überall – und dann taucht ein maskierter Eindringling auf, der Charlies besten Freund Travis tötet. Ab da heißt es: Krallen raus für campigen Horror und Gruselspaß für alle Katzenmenschen.
"Salt Along The Tongue" (Australien 2024)

Szene aus "Salt Along The Tongue" (Bild: FrightFest)
Nach dem Tod ihrer Mutter zieht Mattia zu ihrer entfremdeten Tante – der eineiigen Zwillingsschwester der Verstorbenen. Doch aus dem Jenseits ergreift die Mutter Besitz von ihrer Tochter, um sie vor einem bösartigen Geist zu schützen – und nutzt Essen als Tor. Regisseur Parish Malfitano knüpft an sein markantes Debüt "Bloodshot Heart" an und erschafft ein traumhaft stilisiertes Spiel um Identität und Verwandlung, angesiedelt in einer rein weiblichen Gemeinschaft aus Familie und Freundinnen. Liebe und Hass, Gut und Böse, Tod und Geburt, Bedrohung und Erlösung – alles schwebt geheimnisvoll in einem Horrorfilm, der Hexerei, Besessenheit und Exorzismus mit reiner Kinopoesie verbindet.
"The Degenerate: The Life and Films of Andy Milligan" (USA 2025)
Er war Pionier des Avantgarde-Theaters, Wegbereiter des queeren Kinos und eine der umstrittensten Figuren der Exploitation- und Horror-Geschichte. Nun wird die Wahrheit über Andy Milligan erzählt – den "Fassbinder der 42nd Street" – und sein "verkommenes, verzweifeltes und verdammtes" Erbe. Mit aufschlussreichen Interviews mit Darsteller*innen, Weggefährt*innen und Biograf*innen sowie Szenen aus seinen exzentrischen Werken wie "The Ghastly Ones", "Bloodthirsty Butchers" und "Torture Dungeon" entsteht das Porträt eines Getriebenen, der mit seinen Dämonen kämpfte und einer der radikalsten Außenseiter-Künstler des 20. Jahrhunderts wurde.
"Sane Inside Insanity: The Rocky Horror Phenomenon" (Deutschland 2025)

Szene aus "Sane Inside Insanity: The Rocky Horror Phenomenon" (Bild: FrightFest)
Was ist das Geheimnis des Erfolgs von "The Rocky Horror Show"? Rockmusik? Kultdarsteller*innen? Freche Comedy? Zum 50. Jubiläum erzählt diese fantastische Doku alles – vom in Wachsmalstift gekritzelten Zwei-Seiten-Skript über den Off-West-End-Hit bis hin zur zunächst gefloppten Filmversion, die zum weltweiten Mitternachtsfilm-Kult avancierte. Mit Archivschätzen, brandneuen Interviews und jeder Menge Trivia – die ultimative Chronik über die Königin aller B-Movie-Musicals, die über 500 Millionen Dollar einspielte.
"Captured Souls: In Conversation with Graham Humphreys" (UK 2025)
In eigenen Worten und intimen Gesprächen erzählt der legendäre britische Horror-Illustrator Graham Humphreys von seinem Leben und Schaffen. Von einer Kindheit mit einem gruseligen "Ladybird"-Skelett über die gouache-getränkten Gothic-Jahre von "Evil Dead" und "A Nightmare on Elm Street" bis hin zu neu entdeckten Originalen spannt sich der Bogen. Freund*innen, Fans und Kolleg*innen helfen, eine Karriere nachzuzeichnen, die Horror-Ikonografie für Generationen geprägt hat – von verbotenen Videocovern bis zu Punk-Club-Postern.
"The Red Mask" (UK/USA 2025)
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Die queere Drehbuchautorin Allina Green wird auserwählt, das Finale der legendären Slasher-Reihe "The Red Mask" zu schreiben. Online-Hass, Drohungen und Fanwut belasten ihre Beziehung zu ihrer Verlobten Deetz. In der Hoffnung auf kreative Erleuchtung mieten sie ein abgelegenes Airbnb – doch Allinas "kreatives Spiel", um ihre Schreibblockade zu lösen, nimmt bald eine gefährlich reale Wendung.
"Daughters of Darkness" (Belgien 1971)
Die Legende der Gräfin Elisabeth Báthory inspiriert diesen psychologisch dichten, erotischen Vampirthriller voller Biss. Delphine Seyrig verleiht der "gut erhaltenen" Haute-Couture-Blutsaugerin im Luxushotel von Ostende Glamour und Raffinesse, als sie ein ahnungsloses Flitterpaar ins Visier nimmt. Für seine Zeit schockierend sexuell und gewalttätig, vereint dieser Euro-Chiller Atmosphäre, Bildgewalt und dekadente Eleganz – jetzt in atemberaubender 4K-Restauration.
Links zum Thema:
» FrightFest-Homepage
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» auf sissymag.de
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